Der blaue Apple-Pranger

Der iPhone-Konzern macht künftig Schnüffel-Apps und Tracking-Fans das Leben schwer.

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Auf dem iPhone heisst die Funktion «Ortungsdienste» und befindet sich in den Einstellungen unter Datenschutz. Bei Android gibt es bei neueren Versionen und je nach Hersteller in den Einstellungen vergleichbare Rubriken.

Dort kann man kontrollieren, welche Apps den eigenen Standort abfragen dürfen. Eine Sudoku-App zum Beispiel muss wirklich nicht wissen, wo man gerade ist. Anders sieht es bei Fahrplan- oder Karten-Apps aus. Da ist es von Vorteil, wenn man automatisch per GPS lokalisiert wird.

Im Hintergrund

Kompliziert wird es, wenn es darum geht, welche Apps den eigenen Standort abfragen dürfen, wenn man die App nicht einmal offen hat. Google Maps zum Beispiel hat neuerdings eine Funktion namens Standortverlauf.

Wenn man die aktiviert, bekommt man am Ende des Tages ein Protokoll, das zeigt, wo man überall war. Sogar die eigenen Fotos werden nach Ort gruppiert. Ob man das unheimlich oder praktisch findet, ist wie immer Ansichtssache.

Wo ist das Handy?

Möglich wird dieses Protokoll nur, wenn Google Maps immer mal wieder nachschauen kann, wo sich das Handy gerade befindet. Darum fragt Google Maps vorgängig nach der entsprechenden Erlaubnis. Einmal erlaubt, hat die App Zugriff auf ständige Standortdaten.

Mit iOS 11 will Apple das Abrufen von Standortdaten im Hintergrund transparenter machen. Wie das aussehen dürfte, sieht man aktuell auf der Vorabversion der Software.

Immer wenn eine App im Hintergrund den Standort abfragt, wird am oberen Bildschirmrand ein blauer Balken eingeblendet, der warnt, dass eine App gerade die GPS-Daten nutzt.

iPhone-Nutzerinnen und -Nutzer kennen den blauen Warnbalken schon von der Hotspot-Funktion. Immer wenn man sein Internet mit anderen Geräten teilt, weist der blaue Balken darauf hin.

Das mag nützlich sein. Aber schön ist es nicht. Darum kam der blaue Balken schon 2016 auf die Verbesserungs-Wunschliste für iOS 10 von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Verbessert oder weggelassen wurde der Balken freilich nicht.

Lieblings-App gelöscht

Im eigenen Alltag mit der Vorab-Beta-Version von iOS 11 hat der blaue Warnbalken nun dazu geführt, dass ich fast allen Apps den Zugang zu den Standortdaten entzogen habe. Moves, eine langjährige Lieblingsapp, die ähnlich wie neuerdings Google Maps ein Standortprotokoll liefert und Schritte zählt, habe ich sogar ganz vom iPhone verbannt, da der blaue Balken konstant vor der App gewarnt hat.

Sollte Apple den blauen Balken in der aktuellen Form beibehalten, wenn iOS 11 vermutlich im September erscheint, dürfte das Kalkül aufgehen. Auch notorisch faule oder uninformierte Nutzerinnen und Nutzer dürften sich früher oder später aufraffen und die Standortberechtigungen noch einmal überdenken und anpassen. Trotzdem wäre es zu begrüssen, wenn vertrauenswürdige Apps, denen man den Standortzugriff explizit erlaubt hat, auch ohne blauen Balken funktionieren würden.

App-Hersteller andererseits sind jetzt gewarnt: Wer zu häufig und unnötig nach dem Standort eines iPhones fragt, kommt an den blauen Apple-Pranger.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.07.2017, 16:48 Uhr

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