Der «Whatsapp-Killer»

Nun will auch Amazon eine Messenger-App anbieten. Für Verfechter des offenen Internets ist das eine düstere Entwicklung.

Dieser Screenshot soll Werbematerial für den neuen Messenger zeigen.

Dieser Screenshot soll Werbematerial für den neuen Messenger zeigen. Bild: aftvnews.com

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Amazon plant eine Kommunikations-App. Das behauptet zumindest ein Blogger, der in Besitz von Insiderinformationen sein will. Und obwohl die Nachricht nicht offiziell bestätigt ist, wird sie als «Whatsapp-Killer» gehandelt. Mit verschlüsselten Nachrichten, Gruppenchats, Audiound Videogesprächsfunktion, Fotoeffekten, Emojis und GIFs soll sie die Konkurrenz aufmischen.

Das Gerücht ist plausibel. Kommunikations-Apps sind der grössere Wachstumsmarkt als Social-Media-Netzwerke. Die Messenger ermöglichen längst mehr als simple Bildschirmdialoge. Der chinesische Dienst Wechat hat fast eine Milliarde Nutzer und ist eine Dienstleistungsplattform. Man kann mit ihr ein Taxi rufen, Arzttermine festlegen, Zahlungen tätigen und Onlineshops betreiben. Gemäss einem Bericht der «New York Times» von gestern ist Wechat einer der Hauptgründe, dass das Bargeld in China rasant an Bedeutung verliert.

Aufschwung dank Bots

Auch hierzulande werden die Kommunikations-Apps noch stark an Bedeutung zulegen, vermuten manche Auguren. Grund sind die Bots: Diese digitalen Entitäten kommunizieren im Namen von Unternehmen und Dienstleistern. Sie sollen Beratungsund Verkaufsgespräche führen und direkt in den Apps für ordentlich Umsatz sorgen. Bloomberg sieht eine Bot Economy am Horizont aufziehen. Kein Wunder, wenn Amazon da mitmischen will.

Für die Verfechter des offenen Internets wiederum ist das eine düstere Zukunftsaussicht: Die Kommunikations-Apps von heute sind – anders als früher – abgeschottete Welten, die untereinander keinen Austausch pflegen: als ob ein Swisscom-Kunde nur mit anderen Swisscom-Teilnehmern, nicht aber mit Sunrise-Abonnenten telefonieren könnte.

Wenn die Kommunikations-Apps in der nahen Zukunft tatsächlich zu digitalen Marktplätzen mutieren sollten, dann ist dieser Mangel an Austauschwille und Offenheit umso bedenklicher. Nicht nur unsere Kommunikation wird zunehmend fragmentiert werden, sondern auch das wirtschaftliche und soziale Leben. Es wird unvermeidlich sein, dass sich elitäre Zirkel herausbilden. Und der Zusammenhalt der Gesellschaft – jetzt schon in Gefahr – weiter dahinbröckelt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.07.2017, 09:23 Uhr

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