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Die Idee war gut, die Brille nicht

Google stellt den Verkauf seiner Datenbrille ein. Das war höchste Zeit.

Der Rummel um Google Glass war gross. Selbst Prinz Charles probierte die Datenbrille aus.
Der Rummel um Google Glass war gross. Selbst Prinz Charles probierte die Datenbrille aus.
Reuters

In einem Blog-Eintrag schreibt Google, dass es das Glass-Explorer-Programm beendet. Für rund 1500 Dollar konnten experimentierfreudige Nutzer die Datenbrille kaufen. Statt eines richtigen Verkaufsstarts hat der Suchkonzern nun die Reissleine gezogen. Das Unternehmen will sich auf zukünftige Datenbrillen konzentrieren. Darum behält es auch das Entwicklerteam, das für die Brille verantwortlich war.

Dass nun Schluss ist, darf niemanden enttäuschen. Wer die Brille einmal ausprobiert hat, weiss, dass es sich dabei nie um ein verkaufsfertiges Produkt gehandelt hat. Eine neue Produktkategorie muss immer etwas besser können als die vorangegangenen. Google Glass konnte im Alltag nichts besser als ein Smartphone. Die Brille blieb ein leeres Versprechen.

Fingerspitzengefühl gefragt

Zusätzlich fühlte man sich mit der Brille in der Öffentlichkeit wie ein Eindringling und Störfaktor. Schuld war die Kamera, die aggressiv in jede Privatsphäre lugte. Sass man jemandem gegenüber, der eine Datenbrille aufhatte, fühlte man sich ebenfalls unwohl. Schuld war wieder die Kamera, die einem nun selbst jede Illusion von Privatsphäre nahm.

Ein derart offensives Produkt auf den Markt zu bringen, braucht viel Fingerspitzengefühl. Googles Vorpreschen nach dem Trial- und Error-Ansatz stiftete in erster Linie Verunsicherung. Kein Wunder hagelte es Verbote und Kritik.

Doch bei aller Kritik: Googles ursprüngliche Idee war gut. Ein Bildschirm vor dem Auge macht Sinn – vielleicht sogar mehr als am Handgelenk. Nur nicht in dieser Form und sicher noch nicht heute. Gute Ideen brauchen Zeit – Jahre oder gar Jahrzehnte. Google wollte zu viel, zu früh. Das scheint nun auch den Managern des Suchkonzerns klar geworden zu sein.

Und das ist das Beste, was Google Glass passieren konnte. Abseits des Rampenlichts kann aus Google Glass ein richtig gutes Produkt werden – ohne dass mit einem unausgereiften Produkt noch mehr Porzellan zerschlagen wird und einer guten Idee jede Chance auf Erfolg genommen wird.

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