Vier Alternativen zur Apple Watch

Was die Smartwatches von Fitbit, Samsung, Fossil und einer Schweizer Firma bieten.

Unterschiedliche Grösse, selbe Technologie: Die zwei Varianten der neusten Apple Watch.

Unterschiedliche Grösse, selbe Technologie: Die zwei Varianten der neusten Apple Watch. Bild: Keystone

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Nach der Präsentation des ersten iPhones dauerte es nicht lange, bis es von der Android-Konkurrenz mit mehr Funktionen und Freiheiten überflügelt wurde. Erst in den letzten Jahren hat Apple diese Lücke wieder schliessen können.

Bei der Apple Watch wiederholt sich diese Geschichte nicht. Jahr für Jahr bringt Apple neue Funktionen, während die Konkurrenz damit hadert, überhaupt Smartwatches zu bauen und dann auch noch an die Handgelenke von Menschen zu bringen.

Anders als damals bei den ersten Smartphones ist die Apple Watch führend, was Technologie angeht. Nichts zeigt dies deutlicher als die Tatsache, dass es Apple gelungen ist, alle neuen Funktionen – selbst die Möglichkeit, sich ohne iPhone mit dem Handynetz zu verbinden – in das kleine 38-mm-Modell einzubauen. Kein Konkurrent hat etwas Vergleichbares im Angebot und schon gar nicht in der handlichen Grösse. Auch preislich kann die Apple Watch mit der Konkurrenz mithalten. Merklich teurer sind nur die Stahl- und Keramik-Modelle (Die neue Apple Watch im Alltagstest).

Video – Kaleidoskop-Zifferblatt der Apple Watch

Das Kaleidoskop-Zifferblatt verwandelt eigene Fotos in animierte Zifferblätter. (Video: Rafael Zeier)

Der grösste Nachteil der Apple Watch: Sie funktioniert, anders als die Konkurrenzuhren, nach wie vor nur mit einem iPhone. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn Swisscom und Sunrise noch dieses Jahr die Uhr in ihre LTE-Netze lassen.

Aber solange sich die Konkurrenten nicht zusammenraufen oder einem ein Überraschungserfolg gelingt, bleibt die Apple Watch der Smartwatch-Primus. Rafael Zeier


MyKronoz ZeTime
Mit Touchscreen und echten Zeigern
(Den ausführlichen Testbericht gibts hier.)

Ein Loch macht den Unterschied. Der Schweizer Smartwatch-Hersteller Mykronoz hat ein Display aufgebohrt, um einer digitalen Uhr mechanische Zeiger zu spendieren. Mit der ZeTime (ab 160 Franken) will das Genfer Unternehmen eine Lücke im Smartwatch-Markt schliessen.

Bisher mussten sich Kunden zwischen einer volldigitalen Uhr oder einer klassischen Uhr mit Fitnesstracker und rudimentären Benachrichtigungen entscheiden.

Das Konzept von Mykronoz hat Potenzial, wie ein erster Test zeigt. Allerdings offenbart die 1. Generation, die mit über 6 Millionen Dollar via Crowdfunding finanziert wurde, im Test auch noch deutliche Schwächen.

Tadellos funktioniert das Herzstück der Uhr: Die mechanischen Zeiger zeigen auch bei ausgeschaltetem Display die Zeit. Öffnet man Benachrichtigungen auf der Uhr, schieben sich die Zeiger wie von Zauberhand auf die 9-3-Uhr-Position. So können Nachrichten gelesen werden, ohne dass die Zeiger den Blick versperren.

Weiterer Vorteil der mechanischen Zeiger: Sie laufen selbst dann weiter, wenn dem Akku zu wenig Strom bleibt, um das Display zu betreiben – und das während 30 Tagen. Im Test zeigt sich die Uhr übrigens als kleines Akkuwunder: Auch nach fünf Tagen gibts noch über 40 Prozent Ladekapazität.

Die Smartwatch-Funktionen gefallen. Trotzdem ist auf der Software-Seite das Verbesserungspotenzial noch gross. Updates werden die Uhr schrittweise merklich verbessern. Grosse Sprünge sind aber aufgrund der limitierten Hardware – etwa des fehlenden Mikrofons für Sprachbefehle – nicht zu erwarten. Als spannendes Nischenprodukt ein Kauftipp, für den Durchbruch braucht es aber mindestens noch eine Generation. Conradin Knabenhans


Samsung Gear Sport
Neues Design, bewährte Bedienung

Vor zwei Jahren hat Samsung mit der Gear S2 nach langem Experimentieren ein Erfolgsmodell gefunden. Die Smartwatch sah nicht länger aus wie ein Minihandy und liess sich mit einer drehbaren Lünette bedienen. Die Uhr von damals ist nach wie vor erhältlich, doch hat Samsung die Kollektion ausgebaut. Letztes Jahr kamen zwei grössere Modelle hinzu und heuer mit der Gear Sport (370 Franken) ein mittleres. Vom Prinzip funktioniert die Uhr gleich wie die Vorgänger. Neu ist allerdings das kissenförmige Gehäuse, das man in der Uhrenwelt etwa von Marken wie Panerai kennt. Einziger Schwachpunkt am Design ist das dünne Armband, das die Uhr unnötig gross erscheinen lässt. Leider wirkt das labbrige Gummi-Armband zudem wenig hochwertig.

Technisch steckt in der Gear Sport alles, was aktuell möglich ist: GPS, Pulsmesser, Barometer, Bezahlfunktion, Schlaftracking – und wasserdicht ist sie auch. Einzig ins Handynetz kann sie, anders als die Apple Watch, nur mit verbundenem Smartphone. Erneut gefällt Samsungs eigenes Tizen-Betriebssystem. Mit jeder Version wird es eleganter und einfacher zu bedienen. Nachholbedarf hat die Software jedoch weiterhin bei Apps und Webdiensten.

Ein grosses Plus von Samsung-Uhren ist traditionell der schöne Bildschirm. Das ist bei der Gear Sport nicht anders. Da er auf Wunsch immer an ist, lässt sich die Zeit deutlich bequemer ablesen als bei anderen Smartwatches. Dann hält der Akku allerdings nur noch 1 bis 2 Tage statt 3 bis 4. Rafael Zeier


Diesel On Full Guard
Die Modeuhren kommen

Die bemerkenswerteste Entwicklung im Smartwatch-Markt war 2017 keine neue Uhr oder eine neue Funktion. Viel spannender ist das grosse Engagement von Fossil in diesem Bereich. Der Uhrenkonzern hat im Frühjahr mitgeteilt, zur Nummer 2 hinter Apple werden zu wollen.

Ob das gelingt, wird sich zeigen. Fest steht : Der Konzern hat für die zahlreichen Marken, die Fossil beliefert, Smartwatches lanciert. Dabei ist die Uhrenfirma zu einem der wichtigsten Hardware-Partner für Googles Android Wear geworden, nachdem sich Techfirmen wie Motorola oder Sony zurückgezogen hatten.

Freilich kommt das Engagement von Fossil nicht von ungefähr. Der auf Modeuhren spezialisierte Konzern spürt im Preisbereich unter 1000 und unter 500 Franken die Konkurrenz von Fitnessuhren und Smartwatches stärker als gestandene Schweizer Marken im höheren Preissegment.

Eines der neusten Fossil-Modelle ist die Diesel On Full Guard (ab 350 Franken). Wer die Uhr in die Hand nimmt, merkt sofort, dass hier eine Firma mit Erfahrung im Uhrendesign am Werk ist. Anfängerfehler, wie sie manchem Techkonzern unterlaufen, findet man hier keine. Die enorme Grösse der Uhr ist freilich Geschmacksache. Wer aber gelegentlich auf Handgelenke schielt, weiss, dass es dafür einen Markt gibt.

Interessant: Die Diesel ist eine der ersten Android-Uhren mit Drehkrone. Vom Prinzip funktioniert die gleich wie das Pendent bei Apple. Allerdings ist Googles Software noch nicht in allen Bereichen für diese neue Bedienmethode optimiert.

Verzichten muss man bei der Diesel-Uhr auf einen Pulssensor. Das ist zwar bedauerlich, trägt aber der Überlegung Rechnung, dass die Uhr eher eine Modeuhr als eine Fitnessuhr sein will. Insgesamt ist die Diesel On Full Guard eine solide, aber technisch wenig spektakuläre Smartwatch. Wer auf der Suche nach einer grossen Uhr ist und damit keinen Sport treiben will, sollte sich die Diesel dennoch anschauen. Rafael Zeier


Fitbit Ionic
Die Fitnessfraktion schlägt zurück

Kommt sie nun oder kommt sie nicht? Gerüchte um die erste Smartwatch von Fitbit machen seit über einem Jahr die Runde. Nun ist sie da. Die Fitbit Ionic (ab 380 Franken) polarisiert mit einem ausgesprochen kantigen Design.

Am Handgelenk wirkt die Uhr allerdings weniger auffällig, als es Fotos vermuten lassen. Trotzdem wurde die Uhr im eigenen Umfeld und auf der Redaktion kontroverser diskutiert als manche Smartwatch am Handgelenk des Testers zuvor.

Erst auf den zweiten Blick fällt auf, wie klein der Bildschirm im Vergleich zur restlichen Uhr ist. Auf dem vielen Rand drum herum hat es sogar Platz für ein prominent platziertes Fitbit-Logo. Bedient wird die Uhr über drei Knöpfe. Was die bedeuten, merkt man schnell. Ein Blick in die Anleitung ist nicht nötig. Die grosse Stärke der Ionic ist – wie man das von Fitbit auch nicht anders erwarten durfte – das Fitness-/Gesundheits-/Schlaf-Tracking. Hier trumpft die Firma mit einer tollen App voll mit sinnvollen Grafiken auf sowie mit der Möglichkeit, sich mit Freunden zu vergleichen.

Ebenfalls gefällt die Möglichkeit, per Fitbit Pay an den meisten Bezahlterminals bequem zu bezahlen. Der Bezahldienst funktioniert dabei gleich wie andere NFC-Dienste (z. B. Apple Pay oder Samsung Pay).

Wie man es von anderen Trackern der Firma kennt, muss man den Akku nicht täglich laden. Die versprochenen fünf Tage schaffte die Uhr bei moderater Verwendung im Alltag tatsächlich. Weniger gefallen die wenigen vorinstallierten Apps und Dienste, die man mit der Uhr nutzen kann.

Hier merkt man schmerzlich, dass es sich beim Betriebssystem um eine Eigenentwicklung handelt. Eine Spotify-App sucht man zum Beispiel vergebens. Um Musik auf die Uhr zu verschieben, braucht man einen PC. Fitbit verspricht jedoch, in Zukunft mehr Apps nachzureichen.

Auch nicht gefallen hat im Test das Ladekabel, das magnetisch an drei Kupfer-Pins auf der Rückseite befestigt wird. Die Verbindung zwischen Kabel und Uhr wirkt wenig zuverlässig, und man ist sich nie ganz sicher, ob die Uhr wirklich geladen wird.

Aufpassen muss man auch beim Armbänderwechseln. Das Armband hält erst, wenn es Klick macht. Wer die Uhr vorschnell anzieht, riskiert, dass sie bei der ersten Gelegenheit runterfällt.

Abschliessend kann man trotzdem festhalten, dass Fitbit mit der ersten Smartwatch vieles richtig gemacht hat. Doch muss man schon ein grosser Fitbit-Fan sein, um nicht sicherheitshalber auf die zweite Generation zu warten.
Rafael Zeier

Erstellt: 29.11.2017, 16:46 Uhr

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