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Dieses Windows-Handy ist auch ein PC

Das neuste Handy von HP will Windows neuen Schwung verleihen und den PC ersetzen. Redaktion Tamedia hat es getestet.

Immer wieder erreichen uns Leserbriefe, die fragen, warum wir Windows-Handys so selten besprechen. Unsere Antwort ist immer dieselbe: Es gibt einfach kaum noch spannende neue Windows-Handys.

Das Surface Phone ist immer noch nicht in Sicht und Microsofts letztes Top-Handy, das Lumia 950, ist inzwischen über ein Jahr alt und wird inzwischen vielerorts für unter 300 Franken verramscht.

Nicht viel Neues

Da von Microsoft nicht mehr viel Neues kommt, nutzen andere Hersteller die Gunst der Stunde. Allen voran HP. Der Computerkonzern, der den Smartphone-Boom erst verschlafen und dann verstolpert hat, bringt mit dem Elite X3 ein vielversprechendes neues Handy auf den Markt.

Mit seinem PC-Dock und einer Art Laptop-Hülle war es sogar eines der Highlights des diesjährigen Mobile World Congress im Februar. Inzwischen ist das Handy in der Schweiz im Handel erhältlich (860 Franken).

Prominenter Auftritt

Letzte Woche hatte das Handy einen prominenten Auftritt an der Microsoft-Präsentation in New York. Als es darum ging, zu zeigen, wie man reale Objekte als 3-D-Objekte in Windows Paint übernehmen kann, kam das X3 zum Einsatz.

Auf der Redaktion haben wir das Gerät seit über einem Monat. Da die Software aber unfertig wirkte und ständig mit Updates nachgebessert wurde, haben wir mit einem Test zugewartet. Nur ein Beispiel: Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite wurde erst Ende Oktober per Update aktiviert.

Etwas grösser als ein iPhone 7 Plus

Optisch ist das X3 mit seinem grossen 5,96-Zoll-Bildschirm kein Hingucker. Das Gerät wirkt mit seiner Plastikhülle deutlich billiger, als es ist. Auch der silbrig glänzende Lautsprecher mit Bang-&-Olufsen-Logo lässt das Gerät nicht hochwertiger erscheinen.

Mit dem neuen Spectre-Laptop hat HP gezeigt, dass es im Premium-Bereich mitspielen kann. Das X3 dagegen muss in Sachen Design und Verarbeitung sogar den Vergleich mit dem halb so teuren Honor 8 von Huawei scheuen.

Unfertige Software

Bei aller Sympathie für Windows muss man auch bei der Software ein ähnliches Fazit ziehen. Auch nach dem x-ten Update macht Windows 10 auf dem X3 keinen fertigen Eindruck. Immer wieder tauchen kleinere oder grössere Unachtsamkeiten auf. Zum Beispiel gestern liess sich der Windows-Hello-Schriftzug erst mit einem Neustart entfernen (siehe Bildstrecke).

Apropos Windows-Hello: Die automatische Gesichtserkennung per Iris-Scan funktioniert mehr schlecht als recht. Meistens hat man den Sperrcode schneller von Hand eingetippt, als dass man automatisch erkannt wurde. Auf dem Surface Pro 4 oder dem Lumia 950 klappte das jeweils deutlich schneller. Aber seit auf dem X3 der Fingerabdrucksensor funktioniert, geht es damit sowieso am einfachsten.

Das Handy wird zum PC

Und dann ist da noch das PC-Dock. Anders als das Telefon macht das einen hochwertigen Eindruck und sieht auf dem Bürotisch elegant aus. Daran schliesst man per Kabel Maus, Tastatur und Bildschirm an – und schon hat man einen PC. Das funktionierte im Test tadellos. Alle Geräte wurden sofort erkannt und funktionierten.

Man muss jedoch zwei Abstriche machen: Zum einen funktioniert das alles nur, wenn das Telefon im Dock steckt. Möchte man das Telefon schnell in die Hand nehmen, wird der Bürobildschirm schwarz. Beim Lumia 950 war das mit einem Kabel zwar nicht so elegant anzuschauen, dafür konnte man es auch mal zum Telefonieren ans Ohr halten. Zum anderen hat man mit dem Dock nicht das volle Windows. Man kann nur ausgewählte Apps aus dem Store nutzen und Apps auch nicht in Fenstern anordnen, wie man es vom normalen Windows kennt.

Was die restlichen Faktoren angeht, die ein Handy ausmachen, fällt das X3 weder negativ noch positiv auf. Der Akku hält einen Tag, die Kamera schiesst gute Fotos, die Software läuft flüssig und der Bildschirm gefällt.

Fazit:Das HP Elite x3 ist nur etwas für Windows-Fans. Wer gerne mit dem Handy experimentiert und nicht erschrickt, wenn mal etwas nicht sofort geht, wird am HP-Handy Freude haben. Wer hingegen keine Lust hat, Versuchskaninchen zu spielen, und nicht auf Updates hoffen möchte, ist bei Android und iOS viel besser aufgehoben. Trotzdem: Im Prinzip gefällt die Idee, ein Handy zum PC zu machen. Aktuell ist das aber nur etwas für Bastler. Das wird sich wohl erst ändern, wenn Microsoft wie schon damals bei Tablet-Laptops das Heft selbst in die Hand nimmt und Hard- und Software aus einem Guss anbietet.

Das Test-Handy wurde uns von Digitec für den Test zur Verfügung gestellt.

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