Ein Kabel für alle Fälle

Die Gadgets des Technikherbsts bringen USB-C mit. Was Sie über den neuen Stecker wissen müssen, auf dem grosse Hoffnungen ruhen.

Der Alleskönner-Stecker: USB-C setzt sich durch.

Der Alleskönner-Stecker: USB-C setzt sich durch. Bild: Maurizio Pesce (CC BY 2.0)

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Grosse Hoffnungen ruhen auf USB-C: den Kabelsalat ein für alle Mal beseitigen, den Elektromüll reduzieren, schnellere Datenübertragung und Ladestecker überflüssig machen. Und vor allem endlich einen einheitlichen Anschluss für Laptop, Tablet, Smartphone und PC-Zubehör.

Auf der Internationalen Funkaustellung (Ifa) in Berlin zeigt sich: USB-C ist auf der neuen Gerätegeneration angekommen. Die aktuellen Flaggschiff-Smartphones bringen den Standard mehrheitlich mit. Vom Galaxy Note 7 über das HTC 10, Moto Z, Sonys Xperia XZ bis zu LG G5, Lumia 950 und Googles Nexus- und Pixel-Geräten: USB-C dominiert. Auch auf den ersten Notebooks findet sich der Anschluss inzwischen. Ob Apple auch mit dem iPhone 7 auf den Zug aufspringt, ist aber noch unsicher.

20 Jahre hat der ursprüngliche USB-Standard mittlerweile auf dem Buckel. Der Allround-Stecker hat sich in dieser Zeit in kleinen Schritten weiterentwickelt. USB-C ist dagegen ein Aufbruch und einschneidender Neuanfang. Die Entwickler haben die wichtigste Steckerfamilie komplett neu entworfen – einerseits vereinfacht, andererseits aufgerüstet und vielseitiger gemacht. Am wichtigsten und augenfälligsten ist dabei der Stecker selbst: Statt der jetzigen unterschiedlichen Anschlüsse (Mini, Micro) gibt es nur noch einen Stecker. Der funktioniert endlich beidseitig – das lästige Ausprobieren und Drehen des Kabels entfällt.

Die Highlights der Ifa im Überblick:

Mehr Tempo, mehr Strom

Weniger sichtbar sind die besseren Leistungsdaten: USB-C kann standardmässig mehr Energie bereitstellen. Mit einer Leistung von 100 Watt lassen sich auch Laptops laden, was bisher nur in Ausnahmefällen möglich und einzelnen Modellen vorbehalten war. Und in der Version 3.1 kann USB-C rund ein Gigabyte pro Sekunde übertragen. Damit lassen sich auch schnelle SSD-Festplatten endlich tempomässig ausreizen.

Neu soll USB-C sogar mit HDMI harmonieren, per Zwischenstecker und ohne Konverter. Das ist möglich, weil USB-C mit verschiedenen Signaltypen umgehen kann. So lassen sich künftig Smartphones und Laptops endlich einfach mit Bildschirmen verbinden. Eine Option, die viele Nutzer bisher bei Android-Handys schmerzlich vermisst haben. Hier waren bisher Konverter oder Extrahardware wie der Chromecast nötig. Die HDMI-Kooperation zeigt auch, wo es langfristig hingehen könnte: USB-C dürfte dereinst alle Kabeltypen am Computer ersetzen.

Schluss mit Kabelsalat

USB-C ist auf dem besten Weg, so zum universellen Rundum-Stecker zu werden. Der erste sichtbare Effekt: Der Standard wird den Kabelsalat bei Smartphones beenden. Das ist nicht nur ein langjähriges Kundenanliegen, sondern auch ein Politikum. 2017 läuft die Frist ab, die die EU den Smartphone-Herstellern gesetzt hat, sich auf einheitliche Ladekabel für ihre Geräte zu einigen. Dies auch, um die Menge an Elektroschrott zu reduzieren, die das Ladekabel-Wirrwarr noch immer verursacht.

Doch die Hersteller haben auch ein Eigeninteresse an den neuen Steckern. Darum hat das USB Implementers Forum, das sich aus Industrievertretern zusammensetzt und USB entwickelt, die neue Schnittstelle so mit Funktionen vollgepackt. Mit USB-C lassen sich nun schmalere Geräte bauen – und Anschlüsse sparen. Neue Smartphones wie das Moto Z lassen die Kopfhörer-Buchse weg. Wer nicht drahtlos Musik hören will, muss auf einen Adapter setzen. Der Schritt kommt nicht bei allen Kunden gleich gut an, dürfte sich über kurz oder lang aber durchsetzen.

Mühsam im Übergang

Bei allen Segnungen des neuen Standards: Die Umstellung auf USB-C hat gleich mehrere Haken. Für Kunden gibt es zunächst einmal eine unbequeme Zwischenphase. Sie müssen mit Adaptern arbeiten, um alte und neue Geräte zu verbinden. Oder alternativ mit Zubehör, das beide Anschlüsse mitbringt. So haben Memory Sticks wie der Sandisk Dual einen USB-C-Stecker und einen klassischen USB-Anschluss. Und erste Laptops mit USB-C haben oft einen Mix aus alten und neuen USB-Anschlüssen an Bord. Diese Brückentechnologie dürfte bald veralten.

USB-C ist nicht gleich USB-C: Wer sich Hardware mit dem neuen Standard zulegt, sollte darauf achten, welche Version sein Gerät unterstützt. Das ist entscheidend für die Übertragungsraten, die der Anschluss erlaubt. Wer schnelle Datentransfers will, braucht einen Anschluss mit 3.1-Unterstützung, der doppelt so hohe Bandbreiten erlaubt wie Version 3.0.

Die neuen Ladefähigkeiten von USB-C können bei Billig-Geräten Probleme verursachen: In der Vergangenheit wurden wiederholt Fälle gemeldet, wo Discount-Kabel beim Laden Hardware beschädigten: Grund ist die grössere Leistung, die die Kabel übertragen können. Aus diesem Grund raten Hersteller, nur zertifizierte Kabel zu verwenden. Eine Übersicht findet sich auf der Website USB-C Compliant Cables.

Erstellt: 02.09.2016, 16:41 Uhr

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