Ein Lautsprecher, der schwebt

Bei dieser Musikanlage hebt der Hochtöner ab. Doch lohnt sich dieses Gimmick wirklich?

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«Revolutionär» nennt ihn der Hersteller – und ein Hingucker ist dieser Lautsprecher auf jeden Fall: Wie ein kleines UFO schwebt der Hochtöner über dem Basslautsprecher – in der Luft gehalten von starken Magneten. Zum Eindruck einer Flugscheibe trägt die Aussenkante bei. Sie zeigt einen Lichteffekt, der aus «Unheimliche Begegnung der dritten Art» stammen könnte: Ein weisses Licht, das sich um die Scheibe dreht. Ohne Zweifel: Mars by Crazybaby ist eine Musikanlage der besonderen Art, die nicht nur etwas fürs Ohr, sondern auch fürs Auge bietet.

UFO-Landung in der Badewanne

Die Scheibe wird Mars Craft genannt, was man bei einer solchen fliegenden Untertasse mit «Luftfahrzeug» übersetzen müsste. Sie hat einen Durchmesser von gut 12 Zentimeter und ist immerhin 362 Gramm schwer. Sie kann auch unabhängig von der Basisstation (Mars Base) verwendet werden. Da sie magnetisch ist, kann man sie auch an den Kühlschrank oder an ein Metallgestell anheften. Sie ist auch wasserdicht, sodass man sie selbst im Badezimmer gefahrlos benutzen kann. Diese Base ihrerseits ist ein sehr robust wirkender Zylinder in Aluminium, weiss und schwarz von immerhin fast 24 Zentimeter Höhe. Sie hat 15,3 Zentimeter Durchmesser und ist gut 1,5 Kilo schwer.

Damit hat man gleichzeitig ein stationäres und ein mobiles Musiksystem, das bezüglich Leistung nicht die grosse Stereoanlage ersetzt. Limitierender Faktor ist Mars Craft. Da er per Akku betrieben wird, ist seine Leistung beschränkt. Das limitiert auch die Möglichkeiten der Base, die ihren Satelliten nicht beliebig übertönen kann. Mars Craft kann bis zu sechs Stunden betrieben werden. Die Base, die ebenfalls einen Akku hat (die man mit ihrem Gewicht aber meist am Strom lassen dürfte), bis 8 Stunden. Eine Bruchlandung ist jedenfalls nicht zu erwarten, wenn der Akku der Scheibe erschöpft ist. In diesem Fall landet sie automatisch auf der Basis, wo sie durch einen kleinen Stift fixiert wird.

Nichts für Dezibel-Freaks

Mars ist nichts für Dezibel-Freaks – aber Anwender mit diesbezüglich durchschnittlichen Bedürfnissen werden ihr Büro und Wohnzimmer ausreichend laut beschallt vorfinden. Und ansonsten lassen sich auch mehrere Systeme parallel schalten. Ein einzelnes Mars gibt Klang in Mono aus. Hat man zwei davon, verbinden sie sich zu einem 2.1-System. Bei der Platzierung ist man flexibel, da die Musik drahtlos zugespielt wird und man somit nur die Basis mit Strom versorgen muss. Mars Craft gibt die Musik gleichmässig in alle Richtungen ab, sodass man das System auch mitten im Raum platzieren darf.

Die Musik wird vom Android-Smartphone oder iPhone gestreamt. Mit der zugehörigen App steuert man Flug-, Klang- und Lichteigenschaften. Man kann die Flughöhe zwischen zwei und zwanzig Millimetern einstellen und das Leuchtmuster am Mars Craft verändern. Es gibt auch Equalizer-Einstellungen und die Möglichkeit, die Soundeffekte beim Starten und Landen der Scheibe zu verändern.

Mehr als Spielerei?

Der Hersteller behauptet, der schwebende Hochtöner sei mehr als eine Spielerei: In der Luft ist er immun gegen Verzerrungen, die durch Vibrationen ausgelöst werden – doch das dürfte eher ein akademisches Argument sein, ich zumindest hatte noch nie das Gefühl, dass Trittschall oder Ähnliches meinen Hörgenuss merklich mindern würde. Mars klingt gut, aber nicht überragend. Denn natürlich, die Schwebeeinrichtung treibt den Preis nach oben – was umgekehrt heisst, dass nicht schwebende Lautsprecher zum gleichen Preis im Schnitt deutlich besser klingen. Daher ergibt sich eine Abwägung:

Will man sein Geld für ein Gimmick ausgeben, das ohne Zweifel eine Attraktion auf jeder Party ist, oder investiert man sein Geld zur Hauptsache in den Klang? Das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, ich würde zu letzterem neigen. Mein grösster Kritikpunkt ist aber nicht der Klang, sondern die Beschränkung auf Bluetooth. Bei einem Lautsprecher dieser Preisklasse erwarte ich auch eine Anbindung per WLAN, sei es per Airplay, Google Cast, Amazon Fling, Miracast oder DLNA. Auch eine analoge Schnittstelle und Unterstützung für Spotify Connect gehen diesem extraterrestrischen Soundsystem ab.

Das Testgerät hat uns der Hersteller zur Verfügung gestellt. Der empfohlene Preis des Herstellers ist 449 Franken, bei Amazon ist es schon für 329 US-Dollar erhältlich.

Erstellt: 06.12.2016, 19:47 Uhr

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