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«Ein Verbrechen mit vielen unbekannten Opfern»

Laut einem im Auftrag des «K-Tipp» vorgenommenen Feldtest können SMS wie auch Handygespräche in der Schweiz leicht abgefangen werden. IT-Forscher Luca Melette über das Versäumnis von Swisscom und Co.

Wer hört und liest mit? Handynetze sind weniger sicher als allgemein vermutet wird.
Wer hört und liest mit? Handynetze sind weniger sicher als allgemein vermutet wird.
Reuters

Luca Melette, Sie haben für den «K-Tipp» die Sicherheit der Handynetze von Swisscom, Orange und Sunrise untersucht. Mit ernüchternden Resultaten. Waren Sie überrascht? Nicht allzu sehr. Es ist leider in allen europäischen Ländern - und auch ausserhalb - so, dass sowohl Kurznachrichten als auch Handygespräche von Unbefugten abgefangen werden können.

Sie konnten die Handynetze leicht hacken. Zu leicht? Alle Provider nutzen die gleiche Verschlüsselung, die nicht mehr auf dem neusten Stand ist. Es gibt noch andere Sicherheitsmassnahmen, die das Hacken erschweren. Orange und Sunrise haben auf ihren Einsatz verzichtet.

Im Artikel des «K-Tipp» schneidet die Swisscom besser ab als ihre Konkurrenten. Ist die Sicherheit des Handynetzes des grössten Schweizer Mobilfunkunternehmens gewährleistet? Nein, das Handynetz der Swisscom ist laut unseren Beobachtungen nicht sicherer. Die Swisscom nutzt zwar anders als Orange oder Sunrise die Randomization-Methode - eine Verschleierungstechnik - aber sie wird nicht konsequent genug eingesetzt. Ausserdem gibt es andere Sicherheitsaspekte, in welchen die Swisscom der Konkurrenz hinterherhinkt.

Wie steht die Schweiz international betrachtet da? Wir haben schon einige Tests in diversen Ländern durchgeführt und es gibt Mobilfunkbetreiber, welche die Sicherheitsbedenken sehr ernst nehmen. Aber wir haben schon an vielen Konferenzen aufgezeigt, dass dies nicht genügt. Momentan beraten wir Operatoren in Deutschland, den Niederlanden und in England.

Wird hier nicht wieder ein Problem aufgebauscht? Anders als etwa beim Handyspam-Ärgernis gibt es doch recht wenig bekannt gewordene Fälle von Handyhackern. Die Sicherheitsprobleme des GSM-Netzes (GSM: Vorgänger der 3G-Mobilfunktechnologie UMTS, Red.) sind offensichtlich, wie mein Kollege Karsten Nohl bereits letztes Jahr aufgezeigt hat. Dass man aber ohne grossen Aufwand jede Art von Konversation abfangen kann, ist relativ neu. Angesichts der vielen GSM-Abhörequipments auf dem Markt und der Reichweite von professionellen Überwachungstools, ist die statistische Wahrscheinlichkeit, niemals abgehört zu werden, sehr klein. Es ist ein Verbrechen mit vielen unbekannten Opfern.

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