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Eine Smartwatch mit echten Zeigern: Die ZeTime im Test

Die neue Uhr der Schweizer Firma Mykronoz hat einen Touchscreen und mechanische Zeiger. Redaktion Tamedia hat sie ausprobiert.

MeinungConradin Knabenhans

Ein Loch macht den Unterschied. Der Schweizer Smartwatch-Hersteller Mykronoz hat ein Display aufgebohrt, um einer digitalen Uhr mechanische Zeiger zu spendieren. Mit der ZeTime will das Genfer Unternehmen eine Lücke im Smartwatch-Markt schliessen.

Bisher mussten sich Kunden zwischen einer volldigitalen Uhr (etwa der Apple-Watch) oder einer klassischen Uhr mit Fitnesstracker und rudimentären Benachrichtigungen (etwa Modelle von Fossil oder Tissot) entscheiden.

Potenzial und Schwächen

Das Konzept von Mykronoz hat Potenzial, wie ein Test von Redaktion Tamedia zeigt. Allerdings offenbart die 1. Generation, die mit über 6 Millionen Dollar via Crowdfunding finanziert wurde, im Test auch noch deutliche Schwächen.

Tadellos funktioniert das Herzstück der Uhr: Die mechanischen Zeiger zeigen auch bei ausgeschaltetem Display die Zeit. Öffnet man Benachrichtigungen auf der Uhr, schieben sich die Zeiger wie von Zauberhand auf die 9-3-Uhr-Position. So können Nachrichten gelesen werden, ohne dass die Zeiger den Blick versperren.

Weiterer Vorteil der mechanischen Zeiger: Sie laufen selbst dann weiter, wenn dem Akku zu wenig Strom bleibt, um das Display zu betreiben – und das während 30 Tagen. Erst dann muss die Uhr zwingend wieder mit frischem Strom versorgt werden. Im Smartwatch-Modus verspricht der Hersteller drei Tage Akkulaufzeit. Geht das Ladegerät also einmal vergessen, wird man wenigstens in Sachen Uhrzeit also nicht im Stich gelassen.

Kleines Akkuwunder

Im Test zeigt sich die Uhr übrigens als kleines Akkuwunder: Auch nach fünf Tagen gibts noch über 40 Prozent Ladekapazität. Zugegeben: Das dürfte auch daran liegen, dass ich meinen Puls nicht alle fünf Minuten messen will und die Uhr abends in den benachrichtigungslosen Zustand versetze. Das sanfte Vibrieren der Uhr mag ich persönlich nämlich nur tagsüber.

Allerdings hat die gute Akkuleistung auch ihre Schattenseiten: Das Display löst etwa im Vergleich mit einer Apple Watch schlecht auf. Einzelne Pixel erkennt man nur bei sehr genauem Hinsehen, das stört aber allerhöchstens bei der Wahl des Zifferblatt-Designs, bei dem eigene Bilder rasch grobkörnig wirken können. Stromfresser wie GPS oder WLAN fehlen der Uhr ebenso wie ein eingebautes Mikrofon.

Nachbessern bei der Software

Seit der Auslieferung der ersten Modelle nach erfolgreicher Kickstarter-Kampagne im Oktober legen sich die Software-Entwickler mächtig ins Zeug, Fehler zu beheben. Die Unterstützer des Crowdfundings werden deshalb auch aktiv aufgefordert, Ungereimtheiten zu melden. Und davon gibt es noch einige. Die smarte Krone der Uhr sollte etwa den Nachtmodus aktivieren und digitale Zeiger als Hintergrund-Beleuchtung einschalten. Diese Funktion ist deshalb noch nicht ganz ausgereift, weil sich mechanische und digitale Zeiger leicht asynchron bewegen. Zum Ablesen der Uhrzeit reicht es aber.

Auch sonst haben die Software-Entwickler noch zu tun: Die Möglichkeit, Anrufe abzulehnen, scheitert mit dem Android-Smartphone noch, Google-Maps-Navigationshilfen werden ebenso wenig angezeigt. Vordefinierte Antworten auf Nachrichten kann man erst per SMS versenden. Auch die App für das Smartphone ist noch wenig intuitiv, nicht zuletzt weil einzelne Einstellungen wie die Displayhelligkeit nur direkt auf der Uhr gemacht werden können.

Eigenentwicklung statt Android Wear

Vieles funktioniert aber auch perfekt: Die Anzeige von Mails und Nachrichten klappt richtig gut, auch Fitnesstracker und Pulsmesser tun ihren Dienst. Dazu spendiert Mykronoz Basisfunktionen wie Wetter, Timer, Stoppuhr oder die Fernsteuerung für Musikplayer.

Dennoch zeigen die Lücken in der Software-Entwicklung die grösste Schwachstelle der Uhr auf: Das Betriebssystem ist eine Eigenentwicklung und basiert leider nicht auf dem offeneren Android-Wear-Standard. Wer mehr Funktionen wünscht, ist also auf den Goodwill von Mykronoz selbst angewiesen. Ob das Betriebssystem für Drittentwickler geöffnet wird, lässt Mykronoz derzeit noch offen.

Fazit:Die ZeTime ist eine schicke Armbanduhr in einem zeitlosen Design. Die Uhr wirkt wertig und ist – in der getesteten Version mit Lederarmband – mit ihren rund 80 Gramm angenehm zu tragen. Das Display ist im Standby-Modus tiefschwarz und macht die Uhr dank ihren silbernen Zeigern auch dann zum Hingucker. Stark ist das Konzept mit langer Akkulaufzeit und trotzdem vielen Smartwatch-Funktionen. Auf der Software-Seite ist das Verbesserungspotenzial noch gross. Updates werden die Uhr schrittweise merklich verbessern. Grosse Sprünge sind aber aufgrund der limitierten Hardware – etwa des fehlenden Mikrofons für Sprachbefehle – nicht zu erwarten. Als spannendes Nischenprodukt ein Kauftipp, für den Durchbruch braucht es aber mindestens noch eine Generation.

Je nach Armband und Grösse (44 mm regular, 39 mm petite) kostet die Uhr bei Vorbestellung via Indiegogo zwischen 159 und 199 Dollar. Schweizer Händler listen die Uhr ab 220 Franken. Derzeit ist sie noch beschränkt verfügbar.

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