Facebooks nächste Plattform

Facebook stellt auf seiner Entwicklerkonferenz einen neuen Schwerpunkt vor und dürfte mittelfristig in das Hardware-Geschäft einsteigen.

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Still und leise hat sich Facebook in den vergangenen anderthalb Jahren verändert: Text wird in den Apps des Tech-Giganten zunehmend unwichtiger, Fotos und Videos rücken langsam in den Mittelpunkt der Nutzung. Auf der Entwicklerkonferenz F8 in San Jose stellte Firmenchef Mark Zuckerberg die nächste Phase dieser Entwicklung vor: Facebook steigt in die Augmented Reality (AR) ein, die Einblendung digitaler Elemente in die physische Welt.

Genauer gesagt öffnet das Unternehmen seine Kamera-Software für Entwickler, damit diese Anwendungen für die erweiterte Realität basteln können. «Wir sehen die Anfänge einer neuen Plattform», erklärte Zuckerberg während seiner Eröffnungspräsentation - ähnliche Prognosen hat der 32-Jährige allerdings an gleicher Stelle schon häufiger getroffen, um einige Zeit später die hochgejazzten Projekte wieder zu beerdigen (zum Leidwesen von Entwicklern, die seinen Ankündigungen geglaubt hatten).

Konkret hat AR drei Kernfunktionen: Das Einblenden von Informationen zu Objekten im Sichtfeld des Smartphones, die Einblendung digitaler Objekte in die physische Welt und die Erweiterung oder Veränderung von physischen Gegenständen.

Entsprechend waren in den Demo-Anwendungen bereits bekannte Effekte wie 3D-Gesichtsmasken oder animierte Hintergründe zu sehen. Andererseits zeigte Zuckerberg, wie sich ein zweidimensionales Foto in 3-D umwandeln lässt: Ein Bürofoto wird zur dreidimensionalen Szenerie, die sich digital mit Wasser anfüllen oder mit Süssigkeiten beregnen lässt.

Snap und Facebook sind nicht die einzigen Akteure

Dass solche Spielereien an Snap (ehemals Snapchat) erinnern, ist natürlich kein Zufall: In den vergangenen zwölf Monaten war das Zuckerberg-Unternehmen vor allem damit beschäftigt, Funktionen des Konkurrenten erfolgreich in eigenen Apps wie Instagram oder Facebook Messenger zu kopieren und so das Snap-Wachstum zu bremsen. Am Dienstag hatte Snap nur Stunden vorher eigene 3D-Filter vorgestellt, die der Facebook-«AR» sehr ähneln.

An Augmented Reality sind allerdings auch andere Firmen interessiert: Google scheiterte vor einigen Jahren mit einer eigenen AR-Brille, Microsoft hat bereits eine (teure) Hololens-Brille für Geschäftsanwendungen auf dem Markt und auch Apple-Chef Tim Cook hat zuletzt das Thema immer wieder hervorgehoben. Die Idee hinter der vermischten Realität ist auch kommerziell relevant, weil sich in der neuen Ebene beispielsweise Werbung einblenden lässt oder neue Formen sozialer Echtzeit-Netzwerke entwickeln lassen.

Dass das Smartphone-Display die Tür zur AR-Welt bleibt, gilt als unwahrscheinlich - niemand möchte seine Umwelt ständig durch das Handy betrachten. Mit Regina Dugan hat Facebook die ehemalige Leiterin der Hardware-Sparte von Google verpflichtet, um an entsprechenden Brillen oder anderen Empfangsgeräten zu arbeiten.

Ob Augmented Reality bei Facebook mittelfristig mit der Virtual-Reality-Sparte Oculus verschmilzt, ist nicht klar. Am Dienstag präsentierte die Firma hier neue Anwendungen für die Oculus-Datenbrille, darunter eine Geburtstagsfeier von Avataren in der Virtuellen Realität, die noch deutlich an die wenig seriöse Kult-Plattform Second Life erinnerte.

Neue Plattformen, alte Probleme

Für diese ersten Formen der «sozialen VR» hat Facebook auch eine Rückzugsfunktion für Nutzer eingerichtet, die sich in der Situation unwohl fühlen und kurz Ruhe brauchen. Dies zeigt, wie emotional kompliziert dieses neue Umfeld angesichts von Gefahren wie Mobbing oder Belästigung werden könnte.

Allerdings muss sich Facebook derzeit schon bei bestehenden Funktionen Fragen gefallen lassen, ob es seiner Verantwortung gerecht wird: Erst am Oster-Wochenende geriet die Firma in die Schlagzeilen, als ein Mann in Cleveland einen Mord per Video über Facebook Live ankündigte und dort auch durchführte.

Facebook-Chef Zuckerberg sprach auf der F8 der Familie des Opfers sein Beileid aus. «Wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns», so der 32-Jährige, «und wir werden alles tun, um solche Tragödien künftig zu verhindern.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.04.2017, 08:29 Uhr

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