Das Debakel ums Falthandy ist so peinlich wie bedauerlich

Das Galaxy Fold hat enormes Potenzial. Doch der Bildschirm ist mangelhaft – Samsung hat der Technologie damit einen Bärendienst erwiesen.

Samsungs Falt-Flop: Was ist passiert? Digitalredaktor Rafael Zeier erklärt das Galaxy Fold. Video: Adrian Panholzer und Aline Bavier

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Eigentlich war für heute ein ausführlicher Bericht vorgesehen, der die ersten Eindrücke vom Galaxy Fold zusammengefasst hätte. Samsung hat uns vor einer Woche ein Testgerät ausgeliehen, und dieses haben wir ausgiebig getestet und ausprobiert, wie gut es sich im Alltag schlägt.

Doch dann kam am Montagabend per E-Mail die Nachricht, dass der für Anfang Mai geplante Verkaufsstart des Galaxy Fold auf unbestimmte Zeit verschoben würde. Was war passiert? Erste Tester – darunter auch der Schweizer Technik-Journalist Lorenz Keller – meldeten verschiedene Defekte am Bildschirm des 2000 Franken teuren Falthandys. Unser Testgerät überstand die Woche dagegen schadlos. Trotzdem war das zu viel für Samsung, und die Konzernchefs zogen die Reissleine.

Retten oder einstampfen?

Fraglich ist allerdings, was eine Verschiebung des Verkaufstermins nützen soll. So sich nicht herausstellt, dass nur die vorab verteilten Testgeräte einen kleinen Fabrikationsfehler hatten, wird Samsung nichts anderes übrig bleiben, als das Galaxy Fold (und damit auch schon alle produzierten Lagerbestände) einzustampfen. Eine spezielle Hülle, wie sie Apple 2010 bei den Antennenproblemen des iPhone 4 nachgereicht hat, wird im Fall des so fragilen wie flexiblen Galaxy Fold kaum helfen.

Schon vor den ersten Testberichten war vermutet worden, dass der Bildschirm das schwächste Glied sein würde. Das bestätigt sich nun eindrücklich. Dass es Samsung nicht gelungen ist, den Bildschirm besser zu schützen, ist so peinlich wie bedauerlich.

Denn – das hat unsere Woche mit dem Galaxy Fold gezeigt – die Technologie und die Idee haben enormes Potenzial. Ähnlich wie damals mit dem ersten iPhone muss man zwar auch beim Galaxy Fold auf viele lieb gewonnene Annehmlichkeiten verzichten. Das Handy ist nicht mehr wasserdicht, ziemlich dick, die Bedienung ist wenig elegant, und viele Apps sind nicht auf den neuen Bildschirm angepasst.

Doch das nimmt man zur eigenen Überraschung alles für den grösseren Bildschirm in Kauf. Highlights mit dem Galaxy Fold waren: Zeitung lesen im Zug, E-Mails schreiben, Fotos bearbeiten und, ja, sogar fotografieren. All diese Aktivitäten sind so viel besser auf einem grösseren Bildschirm.

iPad für die Hosentasche

Immer wieder beschrieb ich das Galaxy Fold staunenden Mitmenschen als iPad Mini für die Hosentasche. Selbst wenig technologiebegeisterte Besitzer fünfjähriger (oder älterer) Smartphones meinten nach ein paar Minuten mit dem neuartigen Gerät, dafür würden sie sich tatsächlich überlegen, ein neues Handy zu kaufen. Vorausgesetzt, der Preis sinkt deutlich.

Doch daraus wird jetzt erst einmal nichts. Auf kurze Sicht sowieso und auf längere vermutlich auch. Zu befürchten ist nämlich, dass Samsung mit all den negativen Schlagzeilen um das Galaxy Fold der Technologie einen Bärendienst erwiesen hat und es nun länger dauert, bis sich Kunden, Firmen und Investoren wieder an ein Falthandy heranwagen.

Aber vielleicht holt der Erzrivale Huawei ja doch noch die Kohlen aus dem Feuer. Dessen Falthandy ist, noch unpräzise, für diesen Sommer versprochen. Nach dem Samsung-Fiasko ist aber auch Huawei gut beraten, erst ausführlich zu testen, ehe man das Gerät auf den Markt bringt. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 23.04.2019, 17:38 Uhr

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