Flatline beim Pulsmesser

Das Withings Pulse Ox ist ein Fitness-Gadget, das man manchen Leuten nicht in die Finger geben sollte. Bei den anderen ist es gut aufgehoben.

Für die Puls- und Blutsauerstoffmessung muss der Tracker auf den Finger gehalten werden.

Für die Puls- und Blutsauerstoffmessung muss der Tracker auf den Finger gehalten werden. Bild: PD

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Die Profession des Gadgettesters hat etwas Glamouröses: Leute wie wir erhalten immer die neuesten Gerätschaften frei Haus geliefert, um sie auszuprobieren und kritische Worte darüber zu verlieren. Doch der Traumjob hat auch eine Kehrseite: wenn wir die getesteten Gadgets zurückschicken sollten, und alle die Zubehörteile unmöglich so in die Schachtel passen, wie sie ursprünglich drin waren. Oder wenn wir vor lauter USB-Kabel nicht mehr wissen, welches Kabel nun zu welchem Gadget gehört.

Oder wenn wir dem Hersteller kleinlaut berichten müssen, dass die Leihgabe den Test nicht überlebt hat. Im Lauf meiner Karriere als Gadgettester ist mir das bislang erst einmal passiert: Ein aufsteckbares GPS-Modul rutschte aus dem Blitzschuh der Kamera und, wie es der unglückliche Zufall wollte, verschwand auf Nimmerwiedersehen in einem Schweizer See. Der Schweizer Distributor nahm die Sache so gelassen, dass sich mir die Vermutung aufdrängte, dass mein Gerät womöglich nicht das erste gewesen war, das auf diese Weise abhandengekommen war.

Und eben: Nun ist es wieder so weit. Ich habe den Defekt eines Testgeräts zu vermelden. Das Pulse Ox von Withings hat einen unbedachten Duschgang nicht überlebt (*). Nach einem ereignisreichen Tag war ich letztes Wochenende, ohne an das Fitnessgadget zu denken, im Badezimmer verschwunden. Als ich es wieder verlassen hatte, kam mir der Schrittzähler an meinem Handgelenk in den Sinn. Doch da war es schon zu spät – sowohl der Knopf zur Aktivierung der Displayanzeige als auch der USB-Stecker hatten dem Wasser nicht widerstanden.

Nichts für Warmduscher (und für Kaltduscher auch nicht)

Nun war das einerseits nachlässig von mir. Andererseits kann es bei einem Fitnessgadget durchaus passieren, dass es mit Wasser in Berührung gerät. Daher scheint mir die fehlende Abdichtung die grösste Schwäche des Withings Pulse Ox.

Abgesehen davon ist es ein gelungener Fitness-Tracker für Leute, die Sport im moderaten Umfang betreiben und sich für die Selbstvermessung interessieren, diese aber nicht exzessiv betreiben möchten. Das Design ist unaufdringlich und macht einen wertigen Eindruck. Die Batterie hält vergleichsweise lange durch (rund 5 Tage, soweit ich das sagen kann), und man kann den Tracker auf unterschiedliche Weise am Körper befestigen – denn nicht jeder mag so ein Gerät am Handgelenk tragen. Zum einen kann man ihn in eine Gummihalterung einlegen und am Gurt oder an der Jacke festclippen.

Am Handgelenk oder am Gürtel

Oder man verwendet das Band und trägt den Tracker wie eine Uhr am Handgelenk. In dieser Position kann man ihn zur Zeitanzeige nutzen. Drückt man den Knopf, erscheinen nacheinander die Schrittzahl, der überwundene Höhenunterschied, verbrannte Kalorien, die zurückgelegte Strecke – diese Zahl ist eine Annäherung, da der Tracker nicht über GPS verfügt – und die Uhrzeit. Über die Wischfunktion auf dem Touch-sensitiven Display zeigt man auch die Fitnessdaten vorheriger Tage an. Allerdings: Der Knopf ist nicht sehr leicht zugänglich und die Anzeige bei hellem Licht schlecht zu lesen. Wem die Zeitanzeige wichtig ist, der sollte zur Withings Activité greifen – denn dabei handelt es sich um eine echte Uhr.

Der Tracker überwacht auch den Schlaf, allerdings nur, wenn man beim Zubettgehen den Schlafmodus aktiviert. Wenn man das vergisst, gibt es in der App keine Möglichkeit, das nachträglich zu tun, sodass einem die App hinterher eine durchgemachte Nacht unterstellt. Das ist unbefriedigend, zumal das Fitbit Charge HR von alleine merkt, wenn man eingeschlafen ist (siehe Der beste Freund der Selbstvermesser).

Manuelle Pulsmessung

Das Pulse Ox hat, wie der Name verrät, einen Sensor, der den Puls und den Sauerstoffgehalt des Blutes misst. Das passiert allerdings nicht kontinuierlich. Eine Messung muss aktiv eingeleitet werden, indem man den Tracker aus der Halterung bzw. dem Armband nimmt und leicht auf einen Finger auflegt. Das Messresultat wird sofort auf dem Display angezeigt und auch in der App registriert. Aber natürlich sind ein paar wenige Datenpunkte nicht so aufschlussreich wie die kontinuierliche Messung, die man beispielsweise mit der Asus Vivowatch erhält (Siehe Asus treibt zur Bewegung an). Dafür braucht man das Armband nicht so eng festzuziehen, was viele Leute (ich eingeschlossen) als sehr viel angenehmer empfinden.

Vermisst habe ich, wie eingangs angedeutet, das wasserdichte Gehäuse, ausserdem die Weckfunktion. Die App macht einen aufgeräumten Eindruck und verteilt Badges für besondere Leistungen – was durchaus motivieren kann. Die Auswertungsmöglichkeiten sind allerdings relativ bescheiden.


(*) Nach Vollendung dieses Beitrags hat sich das Pulse Ox völlig unerwarteterweise wieder erholt. Nach gut einer Woche der Trocknung scheint es keine bleibenden Schäden davongetragen zu haben. Das ist erfreulich und reduziert die Schadensbilanz des Autors bezüglich beschädigter Gadgets beträchtlich. Dennoch wird empfohlen, das Fitness-Gadget zum Duschen abzulegen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.07.2015, 11:58 Uhr

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