Galaxy S9: Vier Gründe dafür, vier dagegen

Am Freitag kommt das neuste Samsung-Handy in die Läden. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat es bereits eine Woche im Alltag ausprobiert.

Verbesserte Kamera, höherer Preis: das Galaxy S9+.

Verbesserte Kamera, höherer Preis: das Galaxy S9+.

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Wer Ersatz für ein in die Jahre gekommenes Samsung-Handy sucht, kann mit den neusten Galaxys nichts falsch machen. Der südkoreanische Weltmarktführer hat mit dem S9 (ab 899 Franken) und dem S9+ (ab 999 Franken) die Vorjahresmodelle in fast allen Belangen verbessert. Auch am Preis hat Samsung geschraubt. So kosten die neusten Galaxys heuer je 100 Franken mehr als noch im Vorjahr.

Wer nicht zwingend ein Samsung-Handy möchte, tut – bei dem Preis sowieso – gut daran, Konkurrenzangebote zu vergleichen. Bei Huawei gibt es mit dem Mate 10 einen ausdauernderen Akku. Für den Preis kann man sich aber auch in Apples iPhone-Ökosystem einkaufen, und für die Hälfte oder weniger gibt es bekanntlich auch schon sehr gute Smartphones.

Aber schauen wir uns die besten Argumente für und gegen das neue S9 genauer an:

Beeindruckende Kamera

Am lautesten wirbt Samsung heuer für die überarbeitete (oder wie sie es nennen: neu erfundene) Kamera. Tatsächlich ist die Kamera rasend schnell, äusserst zuverlässig und ragt auch nicht unschön aus dem Gehäuse. Das grössere S9+ hat zudem eine Doppelkamera, die beim Zoomen und bei Porträtfotos hilft. Im Alltagstest gefiel die neue Kamera sehr. Selbst mit für Smartphones schwierigen Situationen wie dunklen Räumen oder schnellen Bewegungen kam sie hervorragend zurecht. Egal, was man fotografieren möchte, der Automatikmodus bekommt es hin. Unscharfe oder sonst verpfuschte Fotos waren eine Seltenheit. Die Kamera stellt so schnell und schlau scharf, dass man hin und wieder das Gefühl hat, eine Profikamera für Sportfotografen in den Händen zu halten.

Wer eine genaue Bildidee hat, kann die im manuellen Pro-Modus verwirklichen. Das Handy erlaubt es Enthusiasten, Verschlusszeit, ISO und Blende (dazu später mehr) zu verstellen. Der einzige Nachteil dieser vielen Optionen und Einstellmöglichkeiten: Wenn man einmal falsch wischt, ist man schneller im Selfie-Emoji-Modus, als einem lieb ist.

Eigenständiges Design

Vergangen sind die Zeiten, als Samsung-Handys aussahen wie übermotivierte und untertalentierte iPhone-Kopien. Während aktuell andere Hersteller das iPhone X und vor allem die schwarze Aussparung am oberen Bildschirmrand kopieren, kommt das Galaxy S9 elegant und vor allem eigenständig daher.

Dank dem zu den Seiten abgerundeten Bildschirm hat man immer wieder das Gefühl, ein Hologramm und gar kein Smartphone in den Händen zu halten. Wäre das Handy ohne die schwarzen Balken oben und unten am Bildschirm noch schöner? Unbestritten. Aber dafür sind Technologie und Zeit wohl noch nicht ganz reif.

Toller Bildschirm

Handybildschirme sind ein Fachgebiet von Samsung. Die Firma beliefert viele Konkurrenten (selbst Apple) mit Bildschirmen aus den eigenen Fabriken. Dass sich Samsung beim S9 nicht lumpen lässt, ist klar. Es braucht kein Mikroskop, um zu sehen, wie gut der neuste Samsung-Bildschirm ist. Es ist schon fast surreal, wie gut Handybildschirme in den letzten Jahren geworden sind. Ob einem die sehr knalligen Farben gefallen oder etwas zu viel des Guten sind, ist Geschmackssache. Aber ein Hingucker ist der Bildschirm alleweil.

Überraschende Lautsprecher

Handylautsprecher sind in der Regel ein Ärgernis und kein Grund für Komplimente. Doch wenn man (vorzugsweise zu Hause) ohne Kopfhörer einen Film schaut oder Musik hört, erlebt man eine Überraschung. Die winzigen Lautsprecher klingen besser als mancher Bluetooth-Lautsprecher. Übrigens: Das S9 hat als eines der wenigen Handys weiterhin einen Kopfhöreranschluss.

Nützliche Doppelblende?

Auch nach einer Woche und vielen Fotos ist ein Aspekt der neuen Kamera ein Rätsel geblieben. Die Kamera des S9 hat eine variable Blende, wie man sie von Fotokameras kennt. Ähnlich wie eine Sonnenbrille verhindert sie, dass bei grellem Tageslicht zu viel Licht auf den Fotosensor trifft.

Das klingt in der Theorie einleuchtend. In der Praxis liess sich der an sich positive Effekt nur bei sehr genauem Hinschauen erkennen.

Als Ingenieursleistung ist die variable Blende – Stand heute – schon mal beeindruckend. Aber wer weiss, vielleicht müssen Samsungs Programmierer erst noch lernen, was damit alles möglich ist?

Unzuverlässige Gesichtserkennung

Die grösste Schwäche des letztjährigen S8 war die unelegante und unzuverlässige Möglichkeit, das Handy per Gesichts- und Iris-Scan zu entsperren. Beim S9 muss man sich nun immerhin nicht mehr für eine der beiden Methoden entscheiden. Das Handy wählt je nach Situation die bessere. Das klappt insgesamt besser, aber nicht annähernd so reibungslos wie beim iPhone X. Hier sollte Samsung noch mal über die Bücher. Viel besser als beim S8 ist dafür der Fingerabdrucksensor platziert. Da er nun unterhalb der Kamera ist, läuft man nicht mehr Gefahr, beim Entsperren die Kameralinse zu verschmieren.

Versteckte Funktionen

Samsung wirbt gerne mit der vielen Technologie, die der Konzern in den neusten Smartphones verbaut. Doch wenn man das Gerät dann im Alltag braucht, fällt einem erst mit der Zeit auf, dass viel davon standardmässig gar nicht aktiviert ist. Etwa die praktische Möglichkeit, dass der Bildschirm immer die Zeit anzeigt, auch wenn das Handy einfach nur auf dem Tisch liegt, hat Samsung 2016 mit dem S7 gross vorgestellt. Beim S9 ist die Funktion in den Einstellungen versteckt. Dort entdeckt man auch, dass der Bildschirm standardmässig gar nicht die volle Auflösung nutzt.

Vernachlässigte Software

Jahr für Jahr dieselbe Schelte: So gut Samsungs Hardware ist, so vernachlässigt wirkt die Software. Dass sich das Handy trotz neustem Prozessor hin und wieder langsam anfühlt, dürfte den eigenen Softwaremodifikationen geschuldet sein. Kommt dazu, dass man auf Android-Updates traditionell lange warten muss. Aus dem Grund empfiehlt es sich bei Samsung auch nicht, ein günstigeres Vorjahresmodell zu kaufen, da dort das Risiko noch grösser ist, demnächst von Updates abgeschnitten zu werden. Selbst Billiganbieter sind in dem Bereich Samsung deutlich voraus. Das dürfte wirklich nicht sein!

Unnützer Bixby

Samsungs grösste Angst ist es, zum einfachen Hardware-Lieferanten zu werden. Aus dem Grund versucht sich der Konzern mit den oben erwähnten Softwaremodifikationen von der Konkurrenz abzuheben. Auch der eigene Assistenz-Dienst Bixby schlägt in dieselbe Kerbe. Er soll Siri, Alexa und dem Google Assistenten Paroli bieten. Nur tut er das leider nicht. Die Ansätze sind vielversprechend, stecken doch die Siri-Erfinder dahinter. Doch im Alltag ist Bixby schlicht unbrauchbar. Aktuell spricht er sowieso nur Koreanisch und Englisch. Kommt dazu, dass der Dienst einen eigenen Knopf hat, den man immer mal wieder unabsichtlich drückt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.03.2018, 06:01 Uhr

Technische Innereien

Software: Android 8 (Oreo)
Bildschirm: 5,8/6,2 Zoll (Quad HD)
Kamera: 12 Megapixel, variable Blende (1.5/2.4)
Prozessor: 8 Kerne (2.7 GHz Quad + 1.7 GHz Quad)
Arbeitsspeicher: 4/6 GB
Speicherplatz: 64/256 GB (erweiterbar)
Akku: 3000mAh / 3500mAh
Preis: ab 899/999 Franken
Verfügbarkeit: ab 16. März

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