Die Achillesferse der digitalen Zukunft

Wir brauchen immer mehr Akkus, nicht nur für das Handy in der Hosentasche. Das birgt Gefahren.

Image-Desaster für Samsung: Das Galaxy Note 7. Foto: zei

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Das Galaxy Note 7 war ein hervorragendes Smartphone. Bis das erste zu brennen begann. Dann noch eins. Und noch eins.

Vor lauter Chips, Pixel und Prozessoren geht vergessen, dass in Smartphones ein chemischer Prozess für Strom sorgt. So ubiquitär die smarten Mobiltelefone in gerade mal zehn Jahren geworden sind, so unverändert ist ihre Abhängigkeit von Akkus geblieben. Sie werden bis an ihre Leistungsgrenzen strapaziert.

In Flammen aufgehen

Wird ein Akku beschädigt, etwa weil das Gerät herunterfällt oder bei der Produktion gepfuscht wurde, kann das ganze Gerät in Flammen aufgehen.

Letzteres sei beim Note 7 passiert, teilte Samsung Anfang September mit. Der Konzern lancierte eine weltweite Rückrufaktion und wechselte den Akku-Lieferanten. Der Imageschaden war gross, doch immerhin: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.

Doch übers Wochenende brannte ein ausgetauschtes Note 7. Dann noch eins. Und noch eins.

Amerikanische Telekomkonzerne nahmen das Telefon aus dem Sortiment und Samsung stoppte erst die Produktion und schliesslich den Verkauf. Kommt jetzt der zweite Rückruf? War es am Ende doch kein Akku-Fehler, der das schlanke und wasserdichte Smartphone in Flammen aufgehen liess?

Was auch immer der Grund war, Samsung ist nun so gefordert, wie es der Konzern noch nie war seit er zum Weltmarkführer geworden ist. Antennen, die nicht zuverlässig funktionieren oder Handys die sich verbiegen, sind ärgerlich für uns Kunden und peinlich für die Hersteller. Aber Handys, die in Hosentaschen zu brennen beginnen, sind eine Gefahr.

Samsung muss das verspielte Vertrauen wiederherstellen und beweisen, dass es die Sicherheit seiner Kunden nicht für ein paar Minuten mehr Akku und ein minimal dünneres Gerät aufs Spiel gesetzt hat.

Schadenfreude fehl am Platz

Aber auch andere Hersteller sind gefordert: Sie sollten sich die Schadenfreude verkneifen und in die Akku-Forschung investieren. Solange chemische Akkus die Achillesferse unserer mobilen Gesellschaft sind, ist äusserste Vorsicht geboten.

Zumal wir Akkus schon bald nicht mehr nur in den Hosentaschen, sondern in allerhand neuartiger Geräte an – oder gar in – unserem Körper tragen werden. Drahtlose Kopfhörer und smarte Uhren sind erst der Anfang.

Erstellt: 11.10.2016, 07:43 Uhr

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