Zum Hauptinhalt springen

Geht Nokia das Geld aus?

Im Handybusiness geht die Talfahrt der Finnen ungebremst weiter. Die neuen Flaggschiff-Modelle der Lumia-Smartphonereihe werden in Espoo sehnlich erwartet.

Im ersten Quartal 2012 musste Nokia-Chef Stephen Elop einen operativen Verlust von 1,6 Milliarden Franken bekannt geben
Im ersten Quartal 2012 musste Nokia-Chef Stephen Elop einen operativen Verlust von 1,6 Milliarden Franken bekannt geben
AFP
Elop setzte im Juni ein drastisches Sparprogramm mit dem Abbau von 10'000 Arbeitsplätzen in Gang. Insgesamt haben die Finnen in zwei grossen Wellen 24'000 Stellen im Konzern gestrichen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal beschäftigt Nokia nun knapp ein Viertel weniger Mitarbeiter.
Elop setzte im Juni ein drastisches Sparprogramm mit dem Abbau von 10'000 Arbeitsplätzen in Gang. Insgesamt haben die Finnen in zwei grossen Wellen 24'000 Stellen im Konzern gestrichen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal beschäftigt Nokia nun knapp ein Viertel weniger Mitarbeiter.
Keystone
Olli-Pekka Kallasvuo (Bild), von 2006 bis 2010 Nokia-Chef: Er musste den Hut nehmen, weil das Unternehmen den Trend von Multimedia-Telefonen wie dem iPhone von Apple zu spät erkannt hat. Im September 2010 wurde er durch den Kanadier Stephen Elop ersetzt.
Olli-Pekka Kallasvuo (Bild), von 2006 bis 2010 Nokia-Chef: Er musste den Hut nehmen, weil das Unternehmen den Trend von Multimedia-Telefonen wie dem iPhone von Apple zu spät erkannt hat. Im September 2010 wurde er durch den Kanadier Stephen Elop ersetzt.
Reuters
1 / 9

Der Handykonzern Nokia verbrennt weiter Hunderte Millionen Euro im Monat. Zwar konnten die Finnen das Minus in ihrer Bilanz im dritten Quartal etwas eindämmen - dennoch lief von Juli bis September unter dem Strich ein Verlust von 969 Millionen Euro auf, wie Nokia am Donnerstag mitteilte (Redaktion Tamedia berichtete). Im zweiten Quartal hatte der Fehlbetrag noch bei 1,4 Milliarden Euro gelegen, insgesamt summiert sich das Minus in diesem Jahr damit auf rund 3,3 Milliarden Euro.

Es sei das erwartet schwierige Quartal gewesen, sagte Nokia-Chef Stephen Elop bei der Vorlage der Zahlen. Die Hoffnungen ruhen nun auf den neuen Smartphones mit Microsofts Software Windows Phone 8 (siehe Bildstrecke). Die beiden ersten Modelle sollen im November in ausgewählten Ländern in die Läden kommen, kündigte Elop an.

Die neuen Flaggschiff-Modelle der Lumia-Reihe werden in Espoo sehnlich erwartet. Denn die leichte Verbesserung beim Nettoergebnis ist vor allem durch Einsparungen erreicht worden. «Wir machen sehr gute Fortschritte in unserem Sparprogramm», sagte Finanzvorstand Timo Ihamuotila. Insgesamt hatten die Finnen in zwei grossen Wellen 24'000 Stellen im Konzern gestrichen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal beschäftigt Nokia nun knapp ein Viertel weniger Mitarbeiter.

Absturz der Smartphone-Verkäufe

Im eigentlichen Kerngeschäft geht die Talfahrt dagegen ungebremst weiter. So fielen die Umsätze der Handysparte im Vergleich zum Vorquartal nochmals um elf Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Auch die Verkaufszahlen machen wenig Mut: Von seinen Smartphones verkaufte Nokia im dritten Quartal nur noch 6,3 Millionen Stück - 38 Prozent weniger als im vorhergegangenen Vierteljahr. Insgesamt gaben die Erlöse des Konzerns um vier Prozent auf 7,2 Milliarden Euro nach.

Den Trend will Nokia nun mit den neuen Lumias stoppen. Der Konzern «konzentriere sich darauf, unsere Verkaufs- und Marketing-Aktivitäten zu optimieren» und investiere deshalb zusätzlich in Werbung für die neuen Handys und Windows Phone 8, sagte Elop.

Sorgen um die Barreserven

Der einst grösste Handyhersteller der Welt steckt seit längerem in einer existenzgefährdenden Krise und hat vor allem bei Smartphones den Anschluss an Konkurrenten wie Apple oder Samsung verloren. «Unser Fokus liegt darauf, mit Android und Apple zu konkurrieren», sagte der Nokia-Chef deshalb im Hinblick auf Windows Phone 8, das er als dritte grosse Plattform etablieren will.

Zugleich betonten Elop und Ihamuotila mehrfach, dass sie weiter grosses Augenmerk auf die Barreserven des Konzerns legen werden. Dazu würden auch weiterhin Randgeschäfte verkauft. Zuletzt hatte Nokia unter anderem seine Luxus-Handymarke Vertu abgestossen. Dennoch waren die verfügbaren Mittel von Nokia allein im zweiten Quartal um 15 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro geschrumpft.

Sorgenkind mit Rekord-Quartal

Den einzigen echten Lichtblick in der Bilanz lieferte am Donnerstag der Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks (NSN). Das Gemeinschaftsunternehmen der Finnen mit dem Münchner Industriekonzern - jahrelang ein Sorgenkind - verzeichnete ein Rekord-Quartal. So stieg der Umsatz von NSN auf Jahressicht um drei Prozent auf 3,5 Milliarden Euro, zudem arbeitete die Tochter im zweiten Quartal in Folge profitabel.

(dapd)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch