Google will härter gegen Fake-News vorgehen

Google setzt beim Kampf gegen Fake-News vermehrt auf menschliche Hilfe. Den eigentlichen Job soll aber der Algorithmus erledigen.

Menschliche Interaktion solls richten.

Menschliche Interaktion solls richten. Bild: Reuters

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Google hat eine Initiative gestartet, um stärker gegen gefälschte Nachrichten und Hassbotschaften im Netz vorzugehen. Der Internetkonzern kündigte am Dienstag das «Project Owl» (Projekt Eule) an, mit dem «minderwertiger Content» aus seinen Suchergebnissen und anderen Diensten weitgehend verbannt werden soll. Dabei sollen menschliche Testpersonen den Suchalgorithmus entsprechend trainieren, sagte Google-Ingenieur Pandu Nayak.

Für Google seien seit geraumer Zeit weltweit Zehntausende Internetanwender aktiv, um Änderungen der Suchformel in einem Blindtest zu bewerten. Dabei bekommen die Tester die Suchergebnisse vor und nach der Algorithmus-Änderung zu sehen und müssen beurteilen, welches Ergebnis besser ist.

Anhand von ausführlicheren Beispielen zu Webseiten von minderer Qualität wolle Google es Bewertern erleichtern, Seiten angemessen zu melden und zu kennzeichnen, die irreführende Informationen, unerwartet anstössige Suchergebnisse, Falschmeldungen und unbestätigte Verschwörungstheorien enthalten.

«Dieses Feedback hat keinen unmittelbaren Einfluss auf das Ranking einzelner Seiten, hilft uns jedoch dabei, Daten zur Qualität unserer Suchergebnisse zu sammeln und Bereiche mit Verbesserungsbedarf zu erkennen», schrieb Ben Gomes, VP of Engineering, Google Search, in einem Blogeintrag.

Algorithmus trainieren

«Es gibt ähnlich wie bei Spam-Mails Leute, die unser System austricksen wollen. Dagegen werden wir nun noch schärfer vorgehen», sagte Nayak. Die Testpersonen sollen im Auftrag von Google allerdings nicht massenhaft ungeeignete Seiten aus den Suchergebnissen herausfiltern, sondern den Algorithmus der Suchmaschine auf eine bessere Erkennung der minderwertigen Inhalte trainieren.

Als Beispiel nannte Nayak die Suchanfrage, ob der ehemalige US-Präsident Barack Obama einen Staatsstreich plane. Bis zum März hatte Google dabei noch an erster Stelle auf einen obskuren Artikel der Website «Secrets of the Fed» verwiesen, in dem Obama vorgeworfen wurde, zusammen mit «kommunistischen Chinesen» einen Coup zu planen. Künftig sollten solche Fehlleistungen vermieden werden.

«Project Owl» sieht auch Änderungen beim Ranking vor: Google habe Suchfaktoren mit Signalwirkung angepasst, damit verlässlichere Seiten angezeigt und Inhalte von minderer Qualität herabgestuft werden können.

Tipparbeit ersparen

Die Initiative umfasst weiterhin die Autocomplete-Funktion bei der Google-Suche. Mit der automatischen Vervollständigung von Suchbegriffen will Google den Nutzern Tipparbeit ersparen. Zum Beispiel bei der Eingabe von «women are» (Frauen sind) habe das System aber zuletzt das Wort «evil» (böse) vorgeschlagen, weil die Funktion bislang ohne Wertung die Begriffe anzeigt habe, die im Netz häufig aufgerufen würden.

Google wird künftig bei den Vorschlägen auf Begriffe verzichten, die als sexuelle Beschimpfung, Hassrede oder als Bedrohung bestimmter Gruppen empfunden werden können. Ausserdem bekommen die Google-Anwender die Möglichkeit, Autocomplete-Vorschläge zu bewerten und anstössige Worte zu melden. Diese Funktion wird aber zunächst nur auf Englisch verfügbar sein.

Bei der Suche nach «Angela Merkel ist» schlägt Google auf Deutsch aktuell die Worte «tot», «wahnsinnig», «Polin», «schwanger» und «verheiratet» vor. (SDA)

Erstellt: 26.04.2017, 06:57 Uhr

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