Googles künstlich intelligenter Chat-Freund

Den Chat-Apps gehört die Zukunft. Darum lanciert Google heute Allo – eine App mit eingebautem Bot.

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Die sozialen Netzwerke sind ein Hype von gestern. Das nächste grosse Ding sind die Messenger. Die vier grossen Chat-Apps haben mit ihren Anwenderzahlen die vier grossen sozialen Netzwerke Mitte 2015 überflügelt, berichtete «Business Insider» kürzlich. Die Entwickler der Apps sind gut darin, die Nutzer bei der Stange zu halten.

Und die Messaging-Plattformen versprechen grosse Umsatzchancen. Sie werden nämlich längst nicht mehr nur für Gespräche in kleinen oder grösseren Grüppchen genutzt. Die chinesische App We Chat erlaubt auch Geldüberweisungen und das Bezahlen von Rechnungen. Man kann mit ihr Spiele spielen, Taxis bestellen, einkaufen und sogar als Nutzer selbst einen Onlinestore betreiben. Die App ist zu einem eigentlichen Portal herangewachsen.

Alle bringen sich in Stellung

Das ist auch den anderen Herstellern nicht entgangen. Apple hat seine iMessaging-App vor kurzem mit vielen Funktionen erweitert, unter anderem einem Store, über den Drittanbieter sich einklinken können. Mark Zuckerberg hat den Facebook Messenger im April für Bots geöffnet: Diese automatischen Dialogsysteme sollen für Unternehmen Konversationen mit den Nutzern führen und Kundennähe erzeugen (oder suggerieren).

Auch Google rüstet sich für das Messaging-Zeitalter. Die Chat-App Allo wurde im Mai vorgestellt und erscheint heute in den Stores von iPhone und Android-Telefonen. Google Allo erlaubt wie andere Apps dieser Art Einzel- und Gruppengespräche. Man kann seinen Standort, Bilder und Videos senden und seine Nachrichten mit Stickern verschönern – das sind kleine, mehr oder minder lustige Bilder, die die aktuelle Gemütsverfassung nonverbal ausdrücken.

Wie man auf Babyfotos reagiert

Der eigentliche Clou ist der Google-Assistent. Er schlägt bei der Kommunikation Antworten vor, die dank des maschinellen Lernens mit der Zeit immer besser zum Nutzer passen sollen. Sendet man ein Bild, dann verwendet die App Bilderkennungsalgorithmen, um passende Antwortvorschläge zu unterbreiten. Erhält man ein Babyfoto, dann steuert der Assistent «So herzig!» als mögliche Reaktion bei.

Der Assistent tritt auch als Dialogpartner in Erscheinung. Man kann ihn nach Restaurants in der Nähe oder nach Routenvorschlägen fragen. Er kennt Sportresultate, Nachrichtenschlagzeilen und das Wetter, übersetzt Sätze in Fremdsprachen, hilft dem Allgemeinwissen auf die Sprünge und erzählt bei Bedarf auch Witze. («Warum verwenden Affen keine Taschenuhren? Weil sie keine Hosen tragen.»)

Der Assistent hat von Google auch ein rudimentäres Selbstverständnis mitbekommen. Fragt man ihn, ob er ein Bot sei, sagt er: «Ich ziehe es vor, mich als deinen Freund zu betrachten, einen Freund, der zufällig künstlich intelligent ist.»

Doch lieber persönlich?

Allo hat in unserem Test gut funktioniert. Aus dem bereits sehr grossen Angebot von Chat-Apps sticht Googles jüngster Streich allerdings nicht heraus. Die Funktion mit den Antwortvorschlägen mag schreibfaule Leute überzeugen. Die meisten Nutzer werden aber (hoffentlich) weiterhin persönlich verfasste Mitteilungen vorziehen.

Die Möglichkeit, dem digitalen Assistenten Fragen zu stellen und Aufträge zu geben, mag sinnvoll sein, wenn man die App bereits intensiv nutzt. Ansonsten ist der Weg zu Siri oder Google Now in aller Regel kürzer. Für sicherheitsbewusste Nutzer dürfte gegen Allo sprechen, dass Nachrichten nur dann verschlüsselt ausgetauscht werden, wenn man einen «Inkognito-Chat» startet. Und schliesslich stellt sich auch die Frage, warum Google ein neues Produkt startet und den Assistenten nicht in die Hangouts-App eingebaut hat.

Erstellt: 21.09.2016, 08:36 Uhr

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