Apple gegen Trump

Der Streit um das Entsperren von iPhones eskaliert mal wieder. Nun hat sich der US-Präsident eingeschaltet.

Im November besuchte Donald Trump eine Apple-Fabrik in Austin, Texas.

Im November besuchte Donald Trump eine Apple-Fabrik in Austin, Texas. Bild: Reuters

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«Wir helfen Apple ständig bei Zöllen und anderen Problemen, und im Gegenzug verweigert es uns, die Smartphones von Mördern, Drogendealern und anderen gewalttätigen Kriminellen zu entsperren», polterte der US-Präsident in einem Tweet (Trump erhöht den Druck auf Apple).

Er nimmt damit Bezug auf die seit Anfang Woche wieder anziehende Debatte um das Entsperren von iPhones und das Einbauen von Hintertüren. Schon 2016 waren sich Apple und das FBI darüber in die Haare geraten.

Das FBI forderte von Apple, das iPhone eines Attentäters zu knacken und eine spezielle Software, die es erlauben würde, in ähnlichen Fällen Sicherheitsmassnahmen des Apple-Telefons auszuhebeln. Apple weigerte sich. Ehe der Fall vor Gericht entschieden wurde, gelang es dem FBI in Eigenregie, das iPhone des Attentäters zu knacken, und die Debatte war fürs Erste vergessen (Überraschende Wende in FBI-Apple-Streit).

Trump statt Obama

Nun wiederholt sich das Ganze unter einer neuen US-Regierung. 2016 war bekanntlich noch Obama Präsident.

Anfang Dezember hat ein saudiarabischer Soldat auf einer US-Militärbasis 3 Menschen getötet. In der Folge haben die US-Behörden Apple vorgeworfen, der Aufklärung des Falls im Weg zu stehen. Apple widersprach und verwies auf Gigabytes übergebener Daten und dass es erst verspätet von einem zweiten iPhone des Täters erfahren hätte. Das ganze Apple-Statement gibt es bei «Buzzfeed».

Auch dieses Mal geht es bei der Debatte mehr um Säbelrasseln, das Prinzip und sowieso das grosse Ganze als um die zwei iPhones des Täters. Tatsächlich dürfte es den US-Behörden sehr wohl möglich sein, die zwei Geräte zu knacken. Bloomberg beispielsweise hat mit Sicherheitsprofis gesprochen, die genau diese Dienstleistung verkaufen.

Möglich machen das Fehler und Unachtsamkeiten in der Software. Diese Sicherheitslücken erlauben es findigen Angreifern, in Geräte einzudringen und deren Sicherheitsmassnahmen auszuhebeln. Rund um solche Sicherheitslücken ist ein ganzer Wirtschaftszweig entstanden.

Wie Katz und Maus

Wer eine solche Lücke findet, kann sie auf verschiedene Weisen zu Geld machen. Man kann den Softwarehersteller warnen und auf eine Belohnung hoffen. Lukrativer ist es, die Lücken an Sicherheitsfirmen oder gar Kriminelle zu verkaufen.

Wie in einem Katz-und-Maus-Spiel versuchen sich Softwarehersteller und Sicherheitslückenhändler zu übertrumpfen. Wird eine solche Sicherheitslücke publik, wird sie postwendend geschlossen und wertlos. Das musste auch die Zürcher Kantonspolizei erfahren, die ebenfalls bei einer solchen Firma eingekauft hatte (Das riskante Geschäft mit Sicherheitslücken).

Auch im aktuellen Fall in den USA dürften solche Sicherheitslücken schliesslich den US-Behörden den Zugriff auf die iPhones des Täters erlauben. Denn Apple wird nicht nachgeben, ehe es von einem US-Gericht dazu gezwungen wird.

Apple stellt sich auf den Standpunkt, dass eine sogenannte Hintertür in den iPhones eben nicht nur wohlwollenden Sicherheitsbehörden Tür und Tor öffnen wird, sondern auch allerhand zwielichtigen Gesellen. Hintertüren seien ein zu grosses Risiko für die gesamte Kundschaft, als dass tragische Einzelfälle sie rechtfertigen würden. Diese Meinung teilen auch zahlreiche Sicherheitsexperten.

Gute Werbung?

Apples Position hat auch einen interessanten Nebeneffekt, wie dieser Analyst in Erinnerung ruft:

Die Debatte sei beste Werbung für Apple, argumentiert Geoff Blaber von CCS Insight. Schliesslich wirbt Apple gerne damit, wie sicher die eigenen iPhones seien und wie wichtig dem Unternehmen Datenschutz und Privatsphäre seien.

Die Forderungen der US-Behörden und nun der Tweet des US-Präsidenten seien der beste Beweis dafür, wie ernst es Apple mit der Sicherheit der eigenen Kunden ist.

Mässige Freude

Bei Apple selbst wird man sich über diese Werbung nur mässig freuen. Wie die Debatte um Hintertüren für Sicherheitsdienste ausgeht und in welche Richtung die öffentliche Meinung kippt, ist keineswegs sicher. Auch wenn man schlussendlich bei Sicherheitskennern einen guten Ruf hat, hilft das wenig, wenn man von der grossen Mehrheit als Terrorhelfer angesehen wird.

Im Hintergrund rüstet sich Apple derweil laut «New York Times» bereits für einen Rechtsstreit mit dem US-Justizdepartement. Ob es so weit kommt, werden die nächsten Wochen und vielleicht sogar Monate zeigen.

Gut möglich, dass die Debatte wieder so schnell verschwindet wie 2016. Aber das Dilemma wird bleiben: Soll der Staat Firmen zwingen, Hintertüren in die Software einzubauen?

Erstellt: 15.01.2020, 10:53 Uhr

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