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Hinters Licht geführt

Über 3500 Schweizerinnen und Schweizer haben sich 2010 an die Schlichtungsstelle Ombudscom gewandt. Zugenommen haben vor allem die Streitigkeiten wegen hoher Kosten für Mobiltelefonie im Ausland.

Starke Zunahme der Beschwerden: Philipp Metzger, Vizedirektor des Bundesamtes fuer Kommunikation (BAKOM) und Abteilungsleiter Telecomdienste (rechts), neben Ombudsmann Oliver Sidler.
Starke Zunahme der Beschwerden: Philipp Metzger, Vizedirektor des Bundesamtes fuer Kommunikation (BAKOM) und Abteilungsleiter Telecomdienste (rechts), neben Ombudsmann Oliver Sidler.
Keystone

Im Jahr 2010 stieg die Gesamtzahl der Anfragen bei Ombudscom um 13 Prozent auf 3567. Ombudsmann Oliver Sidler sagte dazu vor den Medien in Biel, Hauptgrund sei der gestiegene Bekannheitsgrad der Schlichtungsstelle. Denn seit Anfang 2010 müssen Telekomanbieter auf den Rechnungen auf die Ombudscom verweisen.

Zwei Drittel der Anfragen (2402) konnten geklärt werden, ohne dass es zu einem Schlichtungsverfahren kam. Ombudscom behandelte damit im Berichtsjahr 1165 Fälle, 66 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon wurden 332 mit einem Schlichtungsvorschlag des Ombudsmanns beendet, 354 mit der Einigung der Parteien und 164 mit dem Rückzug des Schlichtungsbegehrens. Die restlichen 315 Fälle waren Ende 2010 noch hängig.

Die Erfolgsquote blieb laut Ombudscom konstant hoch. In 86 Prozent der Fälle konnte eine Einigung zwischen dem Kunden und dem Anbieter erzielt werden. Lediglich bei 98 Fällen kam keine Schlichtung zustande.

Internetnutzung im Ausland kann teuer werden

Die starke Zunahme der Beschwerden spiegle die gestiegene Konkurrenz zwischen den Festnetzanbietern: Zahlreiche neue Anbieter seien in den Schweizer Markt getreten, die vor allem per Telefon neue Kundinnen und Kunden anwarben, erklärte Sidler. Viele Kunden hätten nach Erhalt der Rechnung gerügt, keinen Vertrag abgeschlossen zu haben und in vielen Fällen habe die Schlichtungsstelle dies nachweisen können.

Zugenommen haben ebenfalls die Beschwerden über hohe Roaming- Kosten, also für Mobiltelefonie im Ausland. Dies begründet der Ombudsmann insbesondere mit der Ausbreitung von Smartphones und der damit verbundenen Internetnutzung. Sidler erwähnte etwa das Suchen der nächsten Gaststätte via Google-Maps oder Videokonsum via Youtube, beides datenintensive Anwendungen.

Etwas zurückgegangen, aber immer hoch häufig sind die Beschwerden wegen Mehrwertdiensten. Dabei ging es oft um Abonnemente für Klingeltöne oder Wettbewerbe.

Kündigungsmöglichkeiten ungenügend

Immer wieder zu behandeln hatte die Schlichtungsstelle automatische Vertragsverlängerungen. Ombudscom erachte die Kündigungsmöglichkeiten als ungenügend und zu einseitig auf die Interessen der Anbieter ausgerichtet, erklärte Sidler. Es sei erfreulich, dass einige grosse Telekomanbieter auf die fixen einjährigen Vertragsverlängerungen verzichtet hätten.

Eine Kündigungsgebühr sei bei einem Ausstieg im ersten Jahr durchaus angebracht, erhalte man doch oft ein verbilligtes Handy. Nach mehreren Jahren Vertragsdauer müsse die Kündigung aber flexibler möglich sein.

Im laufenden Jahr erwartet Ombudscom ähnlich viele Fälle wie 2010. Laut Sidler besteht die Tendenz zu mehr Kurzfällen und Einigungen der Parteien ausserhalb des Schlichtungsverfahrens. Dies zeige, dass die Ombudscom wirke und die Anbieter eher einlenkten als früher.

SDA/rek

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