Kabelsalat: Die EU trödelt und verschafft Apple eine Gnadenfrist

Alle Handys sollten ein einheitliches Ladekabel bekommen. Doch die neue Regelung hat Verspätung. Derweil droht schon ein neues Dilemma.

Der tägliche Kabelwahnsinn.

Der tägliche Kabelwahnsinn. Bild: zei

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Im Sommer 2017 hätte es so weit sein sollen: Alle neuen Handys müssen dieselbe Ladebuchse haben und können mit demselben Kabel geladen werden. Egal ob iPhone, Galaxy oder sonst ein Smartphone, alle funktionieren mit allen Ladekabeln.

So klangen 2015 die hochtrabenden Pläne der EU, die die Schweiz dann umgehend übernommen hätte, wie das verantwortliche Bundesamt für Kommunikation (Bakom) damals gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet versicherte. Unkooperativen Handyherstellern, die ihre Handys nicht der neuen Regelung anpassten, drohte ein Verkaufsstopp.

Schon 2015 war absehbar, dass in erster Linie Apple ins Visier dieser neuen Regelung geraten dürfte. Samsung, Huawei und Co. waren bereits daran, ihre Handys und anderen Gadgets vom Micro-USB-Standard auf den neuen USB-C-Standard umzurüsten. Währenddessen setzte Apple mehr denn je auf das eigene Lightning-Kabel.

Baldige Lösung? EU-Kommission ist «zuversichtlich»

Und heute? Aus der Ankündigung von 2015 ist bis heute nichts geworden. Apple setzt weiter auf die eigenen Lightning-Kabel, und die Konkurrenz treibt die Umstellung auf USB-C voran. Einzig bei den eigenen Laptops und Mac-Computern setzt Apple seit Ende 2016 ebenfalls auf USB-C. Nicht aber bei den für das Unternehmen lukrativeren iPhones, iPads und allerhand Zubehörprodukten.

Auf Nachfrage, wie es denn um das einheitliche Kabel stehe, verweist das Bakom auf die EU, die bis heute noch keine entsprechende Regelung erlassen habe. Wann es so weit sein könnte, will das Bundesamt nicht beurteilen.

Die EU-Kommission arbeite inzwischen gar an einer «neuen freiwilligen Verpflichtung» aller Hersteller, erklärte eine Sprecherin im April gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Die für den Binnenmarkt zuständige Kommissarin Elzbieta Bienkowska will eine «erneute Fragmentierung des Markts für Ladegeräte nicht hinnehmen». Die Kommission sei «zuversichtlich», bald eine Lösung zu finden, berichtete die Nachrichtenagentur damals weiter.

Die Entwicklung weg vom Kabel

Damit ist klar: Die für nächste Woche erwarteten neuen iPhones dürften weiterhin auf Apples eigenes Lightning-Kabel angewiesen sein. Juristisch zumindest steht dem Konzern nichts im Weg.

Trotzdem arbeitet Apple bereits an einer Alternative zum Kabel und vor allem an einem Einheitskabel, falls es irgendwann zur Pflicht wird. Die neuen iPhones dürften sich zudem erstmals drahtlos mit Ladematten und Docks aufladen lassen.

Statt künftig die Einheitsschnittstelle und das Einheitskabel zu unterstützen, könnte Apple in den nächsten Jahren genauso gut die Ladebuchse am iPhone ganz weglassen.

Beim drahtlosen Laden könnte sich dasselbe Dilemma wie bei den Kabeln wiederholen.

Dass der Konzern keine Angst hat, alte Zöpfe abzuschneiden, hat Apple im letzten Jahr bereits mit der Kopfhörerbuchse bewiesen. Auch den dort üblichen einheitlichen und bewährten Standard hat Apple beim iPhone abgeschafft und durch Kopfhörer mit dem eigenen Lightning-Stecker und die drahtlosen Airpods ersetzt.

Beim drahtlosen Laden könnte sich dasselbe Dilemma wie bei den Kabeln wiederholen. Ob sich iPhones nämlich auch mit seit Jahren erhältlichen Ladematten der Konkurrenz oder von Möbelherstellern wie Ikea vertragen, ist noch unklar.

Die EU und die internationalen Normierungsgremien wie Cenelec und Etsi seien daran, auch beim drahtlosen Laden eine Regelung zu erlassen, teilt das Bakom mit. Doch mit Blick auf das Versprechen von Regeln für ein einheitliches Kabel ist auch nicht so bald mit einer einheitlichen Lösung für das drahtlose Laden zu rechnen. Ausser Apple setzt bei seinem erfolgreichsten Produkt, dem iPhone, zum ersten Mal auf einen offenen Ladestandard. Am 12. September wissen wir mehr.

Erstellt: 04.09.2017, 08:59 Uhr

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