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Kakerlaken und Abfall beim iPhone-Hersteller

Ein chinesischer Journalist schlich sich heimlich in eine Foxconn-Fabrik ein. Sein Bericht über die Arbeitsbedingungen in der iPhone-5-Produktion ist wenig rühmlich.

Arbeiten teilweise ohne Pausen: Arbeiterinnen in einer Fabrik von Foxconn.
Arbeiten teilweise ohne Pausen: Arbeiterinnen in einer Fabrik von Foxconn.
AFP

Die ganze Welt schaute gebannt nach San Francisco, wo gestern Apple-Marketingchef Phil Schiller das iPhone 5, das neue «absolute Juwel» des Computerkonzerns, vorstellte. Während man sich im Westen Gedanken über Dicke des Smartphones, Bildschirmgrösse und Anschlussbuchse machte, lenkte die chinesische «Shanghai Evening Post» das Augenmerk einmal mehr auf die wenig rühmlichen Arbeitsbedingungen in der Produktionsstätte des «Juwels».

Nach eigenen Angaben schleuste die Zeitung einen ihrer Journalisten in die Foxconn-Fabrik, wo das iPhone 5 produziert wird. Der Reporter heuerte als Arbeitskraft an und führte während zehn Tagen ein Tagebuch. Das Digitalmagazin «MIC Gadget» veröffentlichte eine englische Version seiner Aufzeichnungen.

Stinkender Schlafsaal, Kakerlaken im Spind

Darin beschreibt der Journalist der «Shanghai Evening Post» Aufnahmeverfahren, Einarbeitung und Unterbringung bei Foxconn. Die erste Nacht im Schlaftrakt der Fabrik sei ein «Albtraum» gewesen. «Im Schlafsaal stinkt es nach Abfall und Schweiss», heisst es im Bericht. Aus seinem Spind seien Kakerlaken gekrabbelt, und die Bettwäsche sei dreckig gewesen.

Bei der Vertragsunterzeichnung seien sie von der Leitung angehalten worden, bei den Abschnitten zu möglichen Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz stets das Kästchen «Nein» anzukreuzen. Am folgenden Tag seien sie mit den Verhaltensregeln am Arbeitsplatz vertraut gemacht worden. «Ihr müsst einfach die Anweisungen befolgen», habe man den Arbeitern gesagt. Danach hätten sie eine Checkliste bekommen, die 13 Punkte für mögliche Belohnungen und 70 Punkte für Bestrafungen aufwies. Laut des Berichts kommentierte das Management die Arbeitsplatzpolitik wie folgt: «Es mag euch nicht behagen, wie wir euch behandeln, aber es ist alles zu eurem Besten.»

Sieben Stunden Arbeit ohne Pause

Am achten Tag war es schliesslich so weit: Der Reporter der «Shanghai Evening Post» absolvierte seine erste Nachtschicht in der Produktion des iPhone 5. Bei Dienstantritt wurde den neuen Arbeitern erneut gedroht. Wer beim Betreten der Abteilung den Metalldetektor auslöse, werde gefeuert. Des Weiteren hätten die Angestellten sich hinzusetzten und zu tun, was man ihnen sage, heisst es weiter im Bericht.

Der Vorarbeiter habe der Gruppe schliesslich einen Teil des neuen iPhone gezeigt und gesagt: «Das ist die Rückplatte des noch unveröffentlichten iPhone 5; ihr sollt euch geehrt fühlen, diese produzieren zu dürfen.» Der Journalist musste danach mit einem Stift vier Punkte am Gehäuse markieren. Alle drei Sekunden sei eine neue Platte zu ihm gekommen. Der Vorarbeiter habe ihn gescholten, weil er dabei kleckerte.

Am Schluss hätten sie von Mitternacht bis sieben Uhr in der Früh ohne Pause gearbeitet. Er sei zum Schluss total erschöpft und ausgehungert gewesen, berichtet der Reporter. Zu guter Letzt habe man ihnen zum Schichtende nahegelegt, für schlechte Bezahlung Überstunden zu leisten.

Immer wieder Schlagzeilen

Bereits zu Beginn des Jahres hatte der Apple-Zulieferer in China weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Damals drohten 150 Arbeiter der Firma, aus Protest gegen nicht ausbezahlte Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen vom Dach einer Fabrik zu stürzen. Wenig später gab Apple-Chef Tim Cook bekannt, dass die Bedingungen für die Angestellten von Foxconn verbessert werden sollten.

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