Läutet das U12+ das HTC-Comeback ein?

Das neuste Smartphone des taiwanesischen Herstellers soll an vergangene Erfolge anknüpfen. Wir haben es schon mal genauer angeschaut.

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HTC? HTC wer?

Ja, HTC, die Firma, die im letzten Jahr einen Grossteil ihrer Handyingenieure an Google verkauft hat. HTC, die Firma, die mal Beats gekauft und wieder verkauft hat. HTC, die Firma, die so oft zuerst war und dann nichts draus gemacht hat.

Elegantes Glasdesign und schneller Prozessor

Diese Firma hat heute ihr neustes Handy vorgestellt. Das U12+ ist das neuste Topmodell der Marke. Für 879 Franken bietet es nahezu alles, was man von einem Handy dieser Preiskategorie erwarten kann.

Das Glasdesign ist elegant, und die Farboptionen gefallen. Ein Hingucker ist die Variante mit leicht transparenter Rückseite. Auch bei der Leistung dürfte man keine Abstriche machen müssen. Im Inneren steckt der neuste Qualcomm-Prozessor und reichlich Arbeitsspeicher (6 GB) und erweiterbare 64 GB Speicherplatz.

Der Bildschirm ist mit 6 Zoll weder gigantisch noch winzig. Aber wer lieber kleine Handys hat, wird am U12+ kaum Freude haben. Eine Nicht-Plus-Variante des U12 gibt es nämlich nicht.

Nix mit Randlosbildschirm und Drahtlosladen

Bevor wir zu den Alleinstellungsmerkmalen und Highlights kommen, noch schnell ein Schwenker zu den Lücken in den technischen Details: Der Akku ist mit 3500 mAh ordentlich gross. Doch lässt er sich nicht drahtlos laden, und das Huawei P20 Pro, der aktuelle Primus in dieser Android-Preisklasse, hat 4000 mAh. Wie ausdauernd das U12+ tatsächlich ist, muss sich in einem ausführlichen Test zeigen. Akkugrösse allein ist nämlich nur die halbe Miete. Softwaretricks sind genauso wichtig.

Ebenfalls dürfte der eine oder die andere einen randlosen Bildschirm vermissen, wie ihn immer mehr Hersteller verbauen. Das U12+ hat oben und unten am Bildschirm einen deutlichen, schwarzen Rand.

Wer sich immer noch nicht damit abgefunden hat, dass Kopfhöreranschlüsse ausgedient haben, sucht auch beim U12+ vergebens nach einem solchen. Dafür sind in der Schachtel ein paar lärmunterdrückende USB-Kabel-Kopfhörer.

Und damit sind wir schon bei den interessantesten Aspekten:

Die Kamera

Ohne Doppelkamera geht in dieser Preisklasse nichts mehr. Es gibt allerdings grosse Unterschiede bei der Technologie dahinter. Manche Hersteller nutzen die zweite Kamera für Zoom, andere für Schwarzweissfotos. Und das Huawei P20 Pro hat bekanntlich sogar drei Kameras auf der Rückseite. HTC hat auf der Rückseite eine 12-Megapixel-Kamera mit Weitwinkel, wie man sie seit Jahren von Handys kennt.

Die zweite Kamera hat ein 2x-Zoom-Objektiv und 16 Megapixel. Erste Testfotos sahen vielversprechend natürlich aus. Aber einen wirklichen Test ersetzt so ein erster Eindruck in kontrollierter Atmosphäre freilich nicht.

Auch in Sachen Selfies setzt Huawei auf eine Doppelkamera. Dort versprechen zwei 8-Megapixel-Kameras Selfies mit verschwommenem Hintergrund, wie man es von Profifotos kennt.

Die berührungsempfindliche Kante

HTC hat als erster Hersteller ein Handy vorgestellt, das man zusammendrücken kann, um Funktionen wie die Kamera zu öffnen. Die Funktion steckt auch im neusten Handy. Allerdings kann sie jetzt mehr. Wenn man an die Kante klopft, geht ein spezielles Menü auf. Das mag wie eine Spielerei klingen. Es zeigt aber, wie viel ungenutztes Potenzial noch in den Kanten von Geräten steckt. Gerade jetzt, wo die Oberfläche von immer frontfüllenderen Bildschirmen beansprucht wird.

Ob HTC mit der Quetsch- und Klopfkante einen Volltreffer gelandet hat oder ob man die Funktion gleich wieder ausschalten kann, muss ein ausführlicher Test zeigen. Interessantes Detail: Der Power-Knopf und die Lautstärke-Knöpfe sind gar keine richtigen Knöpfe mehr. Vibrationen gaukeln einem vor, dass man auf richtige Knöpfe drückt. Das Prinzip kennt man schon von den iPhones 7 und 8, deren Home-Knöpfe sich auch nicht mehr bewegen.

Erster Eindruck: Das U12+ schickt sich an, ein rundum solides und vernünftiges Handy im Topsegment zu werden. Eine Trendwende für HTC wird das Gerät aber nicht einläuten. Es ist zwar in allen Bereichen vorne mit dabei, aber wirklich herausragend ist es mindestens auf dem Papier in keiner Kategorie.

Erstellt: 23.05.2018, 14:53 Uhr

Technische Innereien

Software: Android Oreo
Prozessor: Snapdragon 845
Arbeitsspeicher: 6 GB
Speicherplatz: 64 GB (erweiterbar)
Bildschirm: 6 Zoll
Kamera: 12 Megapixel / 16 Megapixel
Akku: 3500 mAh
Gewicht: 188g
Preis: 879 Franken (ab Mitte Juni)

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