Mit dem GA war alles besser. Bis jetzt

Nach Bank- und Kunden-Karten kann man nun auch den Swiss Pass aufs Handy laden. Wir haben es ausprobiert.

Endlich! Der Swisspass auf dem Handy statt im Portemonnaie.

Endlich! Der Swisspass auf dem Handy statt im Portemonnaie. Bild: schü.

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Der SBB-Swiss-Pass und ich waren nie Freunde. Dass die rote Karte an den Rändern langsam ausfranst, ist nur das letzte einer langen Reihe von Ärgernissen. Als Profipendler vergeht kein Tag, an dem ich dem alten und deutlich bequemeren GA nicht wenigstens ein bisschen nachtrauere.

Immerhin klappt das Scannen inzwischen bedeutend besser, seit die Kontrolleurinnen und Kontrolleure statt der alten Samsung-Handys neuere Geräte von Huawei (erkennbar an der roten Hülle) bekommen haben. Da kann man den Swiss Pass auch mal einfach nur hinhalten und muss ihn nicht jedes Mal extra aus der Hand geben. Aber trotzdem, mit dem GA war alles besser. Bis jetzt.

Auch auf alten Handys

Nun kann man den Swiss Pass auch aufs Handy laden. Man braucht dazu ein iPhone oder ein Smartphone mit mindestens Android 4.4 oder neuer. Wenn man nicht gerade ein Uralthandy hat, sollte jedes Gerät diese Hürde schaffen.

Die SBB planen den anonymen Swiss Pass: In Zukunft sollen digitale Billette auf eine unpersönliche Karte geladen werden können.

Als Zweites braucht man eine App namens SBB Preview. Diese Vorab-App dient dazu, neue Funktionen zu testen, kann aber in den App Stores von jedermann bezogen werden. In der App findet man rechts neben «Reisen und Billette» nun die Option «Mein Swiss Pass». Dort kann man sich anmelden und hat fortan die Karte immer mit dabei – vorausgesetzt, der Akku macht nicht schlapp.

Hilft beim Kartenersetzen

Selbst habe ich mir als Vorsatz für dieses Jahr vorgenommen, mein dickes Portemonnaie auszudünnen. Tatsächlich verwende ich inzwischen ein deutlich kleineres, das gerade mal Platz für sechs Karten bietet. Bargeld vermeide ich ziemlich erfolgreich mit Apple Pay, und die Kundenkarten der Supermärkte habe ich durch die entsprechenden Apps ersetzt.

Die einzige Karte, die ich noch zwingend gebraucht habe und die mich auch gelegentlich gezwungen hat, noch mal nach Hause oder ins Büro zu sprinten, wenn ich mal wieder das Portemonnaie vergessen hatte, war der Swiss Pass. Seit der Lancierung der roten Karte warte ich darauf, bis man sie auf dem Smartphone hinterlegen kann.

Kunden reagieren positiv

Erste Versuche mit dem digitalen Swiss Pass verliefen äusserst erfreulich. Statt der Karte hält man nun das Handy hin, und die Kontrolleurin oder der Kontrolleur scannt den QR-Code. Fertig. Für sie mache es keinen Unterschied, ob ihr jemand eine Karte oder ein Handy hinhalte, sagte neulich eine Kontrolleurin. Das Scannen des digitalen Swiss Pass sei kein Mehraufwand.

Einzig einmal, als der Zug just beim Scannen rumpelnd über eine Weiche fährt, dauert es gefühlt etwas länger. Aber auch nur ein, zwei Sekunden. Das Suchen nach dem Portemonnaie, jedes Mal wenn ein Kontrolleur naht, kann ich mir so künftig sparen. Zumal ich das Handy meist griffbereit, wenn nicht sogar in der Hand habe.

Interessierte Mitreisende

Ein lustiger Nebeneffekt der neuen Funktion sind die Gespräche mit Kontrolleuren und Mitreisenden. Alle wollen wissen, wie es klappt und funktioniert. Die meisten planten, die App und den digitalen Swiss Pass bei der nächsten Gelegenheit ebenfalls zu installieren.


Das Schweizer GA – einer Liebesgeschichte droht das Ende Das GA ist wie die Harley im Hosensack. Doch plötzlich steht der Freipass unter Druck. Was ist nur los? (Abo+)


Meinen positiven ersten Eindruck bestätigt SBB-Sprecher Oli Dischoe. Für ein Fazit sei es nach nicht mal einer Woche mit dem neuen Angebot zwar noch zu früh, aber die ersten Kundenreaktionen gegenüber dem Zugpersonal würden bisher positiv ausfallen, sagt Dischoe.

Nicht mehr zurück

Nach diesem vielverspechenden Start läge eine zügige Lancierung der Funktion in der regulären SBB-App auf der Hand. Doch dazu erklärt Dischoe, dass es aktuell noch offen sei, wann man auch in der regulären App den Swiss Pass hinterlegen könne. Bis also alle Pendler statt der ungeliebten Plastikkarte das Handy zücken, dürfte es noch etwas dauern.

Mir persönlich reicht die Preview-App aber schon jetzt völlig aus, Hauptsache, ich muss nicht mehr zurück ins Büro, wenn ich mal wieder das Portemonnaie auf dem Pult vergessen habe.


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(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.07.2018, 05:58 Uhr

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