Neues Tophandy kann nicht von Huaweis US-Problemen ablenken

Der chinesische Telecomkonzern kann das neu Mate 30 Pro vorerst nicht nach Europa bringen. An der Präsentation blieb vieles unklar.

Viele Fragen blieben offen: Huawei-Präsentation in München

Viele Fragen blieben offen: Huawei-Präsentation in München

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Huawei rührt gerne mit der grossen Kelle an. An den Präsentationen des Konzerns kommt es schon mal zu Gedränge, und immer mal wieder schaffen es nicht alle Gäste in die Halle. So gross war das Interesse am aufstrebenden Telecomkonzern aus China. War.

Dieses Jahr in München hielt sich das Gedränge in Grenzen, und manche Sitze blieben frei. Ganze Länderdelegationen seien gar nicht erst angereist, und auch die sonst zahlreichen Influencer fehlten.

Ganz überraschend kommt das nicht. Die Firma ist im Frühjahr von der US-Regierung auf eine schwarze Liste gesetzt worden. Damit ist es US-Firmen verboten, Geschäfte mit Huawei zu machen. Ausnahmebewilligungen, Fristerstreckungen und ganz viel Verwirrung waren die Folge.

Huaweis Versprechen

Huawei versprach, die bereits lancierten Geräte auch künftig mit Android-Updates zu versorgen. Doch was ist mit künftigen Geräten? Um die Frage zu klären, machte ich mich heute auf nach München an die Präsentation des neuen Mate 30 und Mate 30 Pro.

Die Mate-Serie ist Huaweis Topreihe. Der Konzern stellt jährlich im Herbst neue Modelle vor, die Fotofans begeistern und die Konkurrenz in den Schatten stellen sollen. Doch heuer interessierte vielmehr, welche Software auf den Geräten läuft. Denn Google darf seine Dienste nicht mehr auf Huawei-Geräten vorinstallieren lassen. Und ohne Google ist Android mindestens ziemlich eingeschränkt, wenn nicht für Nichtprogrammierer unbrauchbar.

Die drängendste Frage

Daher war die grosse Frage unter allen Journalisten, wie löst Huawei dieses Dilemma. An einer vor der offiziellen Präsentation anberaumten Pressekonferenz für europäische Journalisten liess der Konzern alle Fragen offen.

Walter Ji, der verantwortliche Europachef, erzählte stattdessen noch mal, wie Huawei vom kleinen Ein-Mann-Betrieb zur heutigen weltweiten Nummer 1 bei Handynetzen und zur Nummer 2 bei Smartphones geworden ist.

Auch ein Marketingmanager berichtete im Anschluss lieber von einer zwar erfreulichen App für taube Kinder, aber was denn nun mit dem Trump-Bann und dem neuen Handy passiert, blieb offen und hinterliess rund 200 frustrierte Journalisten.

Auch der Chef schweigt

An der offiziellen Präsentation in den Münchner Messehallen hielt sich auch der Chef des weltweiten Handygeschäfts Richard Yu mit Informationen zurück. Stattdessen schwärmte er vom neuen Mate 30 Pro und Mate 30. Gerade die Kamera klingt in der Theorie sehr vielversprechend. Wie gut es sich damit fotografiert, wird aber ein Test zeigen müssen.

Sowieso gehört die Hardware zum Besten, was es aktuell zu kaufen gibt. Doch Hardware ist bekanntlich nur die halbe Miete. Bei der Software gab sich Richard Yu merklich zugeknöpfter.

Die neue Benutzeroberfläche Emui 10 (die Huawei jeweils über Android legt) machte einen aufgeräumten und eleganten Eindruck. Aber statt über Google-Apps zu sprechen, schwärmte Richard Yu lieber über den Immer-an-Bildschirm, den die Software ermöglicht, und den neuen Dunkelmodus. Auffällig war aber, dass auf allen Bildern keine Google-Dienste zu sehen waren.

Porsche, Uhr und Fernseher

Statt Details zu Software und der Zukunft der Plattform zu verraten, gönnte Huawei sich und den Journalisten keine Pause. Ein neues Porsche-Handy, eine neue Smartwatch und sogar ein neuer Huawei-Fernseher. Aber auf den Trump-Bann kam Richard Yu kein einziges Mal zu sprechen.

Immerhin warb er zum Schluss der Präsentation für Huaweis eigenes App-Ökosystem, in das die Firma eine Milliarde Dollar investieren wolle. Bei den neuen Handys nannte er nur die Preise, das Mate 30 soll 799 Euro, das Mate 30 Pro soll 1099 Euro kosten. Ein Verkaufsdatum nannte er aber nicht.

Auch wenn es keiner der Firmenchefs selber sagen wollte, teilte Huawei auf Nachfrage mit, dass das Mate 30 und das Mate 30 Pro aktuell nicht nach Europa kommen würden. Es soll aber noch dieses Jahr so weit sein. Man müsse die Geräte noch für den europäischen Markt (in anderen Worten: den Trump-Bann) optimieren.

Wann und wie, liess Huawei aber offen. Die neuen Handys sollen dem Vernehmen nach erst einmal in Asien und vor allem China auf den Markt kommen. Dort spielen Google-Dienste keine Rolle, und somit hat auch der Trump-Bann keinen Einfluss auf diese Geräte.

Für europäische Konsumentinnen und Konsumenten ist diese Unsicherheit ein schlechtes Zeichen. Dass es Huawei bis heute nicht gelungen ist, eine Antwort auf den Trump-Bann zu präsentieren, und so viele drängende Fragen rund um das neue Mate 30 und die Zukunft der eigenen Handysparte offenlässt, wird nicht nur die an der Präsentation anwesenden Journalisten verunsichern. Manche zogen bereits Parallelen zu Nokia, als der einstige Handy-Primus zwar noch Neuheiten ankündigte, aber das nahe Ende bereits absehbar war.

Ganz so dramatisch wird es der Smartphone-Sparte von Huawei kaum ergehen. Solange der Trump-Bann vor allem europäische Kunden betrifft. Ein verglichen mit anderen Märkten wichtiger, aber Jahr für Jahr kleinerer Markt.

Erstellt: 19.09.2019, 16:56 Uhr

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