Offene Fragen zum Galaxy Note 8

Samsung hat ein neues Top-Handy vorgestellt. Es kann und kostet viel.

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Das Erstaunlichste am Galaxy Note 8 sind nicht die vielen Funktionen oder der hohe Preis (1050 Franken), sondern schlicht die Tatsache, dass es das Telefon überhaupt gibt. Nach dem Desaster um das Vorgängermodell hätte es nicht überrascht, wenn Samsung die Modellreihe beerdigt und bei der Marketingabteilung einen neuen Namen bestellt hätte.

Doch da ist es also das Note 8. Wie schon der Vorgänger packt Samsung alles, was technisch aktuell möglich ist, ins Gerät (siehe Infobox). Zur Erinnerung: Die Note-Reihe ist Samsungs Vorzeigereihe. Mit den vielen Funktionen, dem hohen Preis und vor allem dem Stift richtet sich das Note an ein deutlich kleineres Publikum als das Galaxy S8.

Nach Debakel: Samsung will mit Galaxy Note 8 zurück in die Erfolgsspur. (Video: AFP)

Doppelkamera und Riesenbildschirm

Die herausragendsten Neuerungen: Wie das S8 verfügt auch das Note 8 über einen nahezu frontfüllenden Bildschirm (Wie ein Hologramm zum Anfassen). Zum ersten Mal verbaut Samsung eine Doppelkamera, wie man sie von Huawei und Apples iPhone 7 Plus kennt.

Doch auch wenn das Handy nun offiziell vorgestellt wurde, auf den Markt kommt es erst am 15. September. Bis dahin bleiben ein paar Fragen offen, die nur ein ausführlicher Test beantworten kann:

  • Die Frage aller Fragen beim neuen Note ist natürlich die nach der Sicherheit. Das Vorgängermodell hinterliess im letzten Jahr bei der Präsentation und beim anschliessenden Test einen sehr guten Eindruck. Bis die ersten Handys zu brennen begannen. Bei den vorher und seither veröffentlichten Smartphones hatte Samsung keine vergleichbaren Probleme. Ein kleinerer Akku dürfte Teil der Lösung sein, wirft aber auch eine nächste Frage auf.

  • Der Akku des Note 8 ist mit 3300 mAh kleiner als der des Vorgängers (3500 mAh). Dafür ist der Bildschirm des neueren Handys grösser (6,3 Zoll statt 5,7 Zoll). Natürlich kann man hier nicht wie in der Primarschule einen Dreisatz rechnen. Schliesslich spielen bei der Akkulaufzeit viel mehr Faktoren mit. Dennoch darf man gespannt sein, wie lang der neue Akku im Alltag durchhält.

  • An Handypräsentationen können Journalisten die Geräte jeweils kurz ausprobieren. Wenn der Hersteller seine Hausaufgaben gemacht hat, sorgt er gewöhnlich dafür, dass es in den Demo-Räumen gute bis sehr gute Lichtverhältnisse gibt. So ist es fast nicht möglich, schlechte Fotos zu schiessen. Wie gut eine Handykamera wirklich ist, zeigt sich darum erst im Alltag. Wo es auch mal dunkel ist oder andere Faktoren nicht ideal sind. Trotzdem macht Samsungs neue Doppelkamera einen vielversprechenden ersten Eindruck. Wenn die Doppelkamera mit Porträt-Modus des iPhone 7 Plus aber etwas gezeigt hat, dann, dass Software und Technologie dahinter noch nicht perfekt sind. Mit jedem iOS-Update wird die Illusion, man verwende eine deutlich grössere Kamera, besser. Samsung wird kaum um regelmässige Updates für die Kamerasoftware herumkommen. Doch bei Android und den dazwischen geschalteten Telecomfirmen war das mit schnellen und regelmässigen Updates bis jetzt nicht immer ganz einfach.

  • Apropos Software: Beim Note 7 machte im Test die Software trotz den Hochleitungs-Chips einen lahmen und ruckelnden Eindruck. Schuld war wohl Samsungs eigene Benutzeroberfläche. Ob dieses Mal die Software mit der Hardware mithalten kann?

  • Ein weiteres Problem des Note 7 war das Entsperren per Gesichtserkennung. Bei mir klappte es nie so richtig zuverlässig. Auch beim neueren Galaxy S8 hatte ich meine Probleme. Das Note 8 hat nun den Fingerabdrucksensor ebenfalls auf der Rückseite gleich neben der Kamera platziert. Als Notlösung sicher eine gute Option. Aber das setzt voraus, dass das Entsperren per Gesicht rasend schnell und zuverlässig klappt. Auch das ein Fall für einen Alltagstest.

  • Die vorletzte offene Frage betrifft Bixby, den digitalen Assistenten von Samsung. Den gibt es aktuell nur in Englisch und Koreanisch. Ob der bald Deutsch kann und dann auch noch in die Schweiz kommt? Das Beispiel Bixby zeigt übrigens sehr gut, wie aufwendig die Entwicklung solcher Sprachassistenten ist. Google, Amazon, Apple und Microsoft haben da klare Vorteile gegenüber Samsung. Das südkoreanische Hardware-Unternehmen muss sich in diesem neuen Geschäftsfeld erst zurechtfinden. Mit Geld und Zukäufen allein, das hat Bixby bis jetzt gezeigt, ist es nicht getan.

  • Zu guter Letzt ist da noch der Preis: Man darf gespannt sein, wie gross das Interesse an einem Handy für 1050 Franken ist. Das Vorgängermodell kostete zum Vergleich noch 850 Franken. Ob der Preis gerechtfertigt ist – schliesslich gibt es schon für ein paar hundert Franken gute Handys und für ähnliche Beträge Handys mit deutlich mehr eingebautem Speicherplatz –, muss freilich jede und jeder für sich selbst entscheiden. Preise sind aber immer auch ein Marketing-Instrument. Nun da sich abzeichnet, dass Apples neustes iPhone ebenfalls in der Preisliga spielen wird, hätte ein günstigeres Note 8 schon bald wie eine Budget-Alternative ausgesehen. Das wäre kaum im Sinn von Samsung.

Erstellt: 24.08.2017, 20:30 Uhr

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Technische Innereien

Software: Android 7.1.1
Bildschirm: 6,3 Zoll
Prozessor: Exynos 8895
Arbeitsspeicher: 6 GB
Speicherplatz: 64 GB (erweiterbar)
Akku: 3300 mAh
Kamera: 2x 12 Megapixel (stabilisiert)
Sonstiges: Wasserdicht, Doppel-SIM
Gewicht: 195g
Preis: 1050 Franken (ab 15. September)

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