Schweizer Spiele-Entwickler wagen sich in neue Sphären

Mit ihrem ersten Spiel für Konsolen haben die Blindflug Studios Grosses vor. Eine gesellschaftskritische Botschaft inklusive.

Bei «Airheart» gehts immer höher und weiter.

Bei «Airheart» gehts immer höher und weiter. Bild: PD

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Die Spiele-Entwickler von den Zürcher Blindflug Studios haben ein Flair dafür, ihren Spielen eine gesellschaftskritische Botschaft mitzugeben, ohne zu sehr aufs Gutmenschenpedal zu drücken und einem damit den Spass zu vermiesen.

Bei «First Strike» ging es nicht nur darum, die Gegner mit Atomwaffen plattzumachen, sondern auch darum, aufzuzeigen, wie hirnverbrannt und selbstmörderisch das ganze Wettrüsten ist (Das Spiel mit der Bombe).

Unaufdringliche Botschaft

Bei «(re)format Z:» konnte man auf seinen Streifzügen durch ein futuristisches Zürich nebenher und unaufdringlich, aber passend zum 500-Jahr-Jubiläum, so einiges über die Reformation lernen (Das Zürich der Zukunft ist ein finsterer Ort). In «Cloud Chasers» begleitete man einen Vater und seine Tochter durch eine Wüste und wurde dabei auf tragische Weise mit der Flüchtlingskrise konfrontiert (Plötzlich bist du Flüchtling).

Gemeinsam war diesen Spielen aber nicht nur der sozialkritische Unterton, sondern auch die Plattform. Sie alle liessen sich auf Smartphones spielen. Das ist beim neusten Spiel der Zürcher nicht mehr so. «Airheart» wurde für Spielkonsolen (Playstation, Xbox) und PCs/Macs entwickelt.

Kein «Free-to-play»

Auf die Frage nach dem Warum antwortet Moritz Zumbühl, der Blindflug-Chef: «Das Spiel, so wie es sich mein Mitgründer Jeremy Spillmann vorgestellt hat, als er noch im Studium war, verlangte einfach nach der Leistung und den Möglichkeiten von Konsolen. Unser Team hat dann seine Vision aufgenommen und «Airheart» daraus gemacht. Auf dem Weg zu einem richtig guten Spielstudio ist das für uns die logische Entwicklung.»

Zudem sei es als kleine unabhängige Firma schwierig, auf Handys genug Geld einzunehmen – selbst mit dem Free-to-play-Modell, Spielen also, die auf den ersten Blick gratis sind, aber während des Spielens immer wieder zum Kauf von Extras auffordern. Solchen Tricks und Hinweisen wird man bei «Airheart» nicht begegnen. Das Spiel kostet je nach Plattform zwischen 15 und 20 Franken.

Fantastische Welt voller fliegender Fische

Ziel des Spiels ist es, mit einem Flugzeug eine fantastische Welt voller fliegender Inseln zu erkunden. Das erinnert gleichermassen an die poetischen Zeichentrickfilme des japanischen Studio Ghibli wie an die französische Zeichentrickserie «Chasseurs de dragons».

Man schlüpft dabei in die Rolle von Amelia, einer Himmelsfischerin. Mit ihrem Flugzeug macht sie Jagd auf fliegende Fische. Dabei begegnen ihr auch andere Fischer, aber auch Luftpiraten. Je länger man spielt, desto weiter kann man sein Flugzeug aufrüsten und in immer höhere Sphären vordringen.

Sphärischer Reiz

Dieses Sphärensystem macht viel vom Reiz des Spiels aus. Steigt man in eine höhere Sphäre auf, sieht man die vorangegangenen unter sich. Und wehe, man wird abgeschossen, dann donnert man an allen Ebenen vorbei und muss auf seiner Heiminsel notlanden.

«Airheart» wäre aber kein Blindflug-Spiel, wenn es nicht auch einen gesellschaftskritischen Unterton hätte. Fischt man nämlich die luftigen Fischgründe leer, können Arten aussterben. So gesehen ist das Flugzeugspiel gleichzeitig auch eine Warnung vor der Überfischung.

Leicht zugänglich

Das Spiel – mindestens die ersten Sphären, die wir bei einem Studiobesuch vorab ausprobieren konnten –, ist auch für Anfänger leicht zugänglich. Die komplexen Eingaben, die einen Konsolen-Controller verlangen (mit dem einen Daumen steuert man das Flugzeug, mit dem anderen Harpune und Gewehre), dürften es allerdings schwierig machen, das Spiel künftig auf Handys und Tablets zu portieren. Zumbühl meint dazu nur: «Wir werden sehen. Momentan gibt es keine konkreten Pläne.»

Dass das Spiel heute am 24. Juli lanciert wird, ist übrigens kein Zufall. Ist das doch der Geburtstag der 1897 geborenen US-Flugpionierin Amelia Earhart, die als erste Frau den Atlantik in einem Nonstopflug überquerte. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.07.2018, 17:18 Uhr

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