Siri, was ist ein Offside?

Unser Autor hat den Sprachassistenten von Apple und Google 18 Fragen über die WM gestellt. Die Antworten: mal einwandfrei, mal haarsträubend.

Redaktor Rafael Zeier zeigt, wie sich Siri und Google im Vergleich geschlagen haben. (Video: Kathrin Egolf)

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Die Paarung könnte spannender nicht sein. Siri lancierte 2011 die Kategorie der Sprachassistenten. Doch statt den Vorsprung auszubauen, liess Apple Konkurrenten wie Google gleich- oder je nach Betrachtungswinkel gar vorbeiziehen. Kann der alte Meister mit dem jungen Herausforderer noch mithalten?

18 Fragen werden die Spreu vom Weizen trennen. Für passable Antworten gibt es einen Punkt, für gute Antworten zwei Punkte. Möge das Spiel beginnen:

Wie steht das aktuelle Spiel?
Google schlägt als Link Sport.de vor. Stellt man dieselbe Frage noch mal und fragt stattdessen nach dem WM-Spiel, gibts die aktuellen Zwischenstände der Partien Iran - Portugal und Spanien - Marokko mit Infografik und dem Hinweis, dass Portugal bereits gegen Marokko gewonnen hat.
Siri liest eine lange Liste von Sportarten vor. Entscheidet man sich für Fussball, sagt sie, wie es bei den beiden Abendspielen steht. Dazu gibt es eine kleine Infografik. 1:1

Mit welchen Teams ist die Schweiz in der Gruppe?
Google: «Übermorgen gegen Costa Rica.» Zur Erinnerung die Frage wurde am Montagabend gestellt. Dazu gibt es als Text den Hinweis, dass Shaqiri an 5 der letzten 6 Schweizer WM-Tore direkt beteiligt war (4 Tore, 1 Vorlage). Die restlichen Teams der Gruppe nennt Google aber nicht.
Siri macht eine Websuche und verweist auf Artikel der NZZ und der «Aargauer Zeitung» zur Gruppenauslosung. 1:2

Welcher Spieler hat an der WM die meisten Tore geschossen?
Google: «Den Rekord hält Miroslav Klose (Google spricht ihn Klos aus) mit insgesamt 16 Toren.» Fragt man spezifisch nach der aktuellen WM, nennt Google fälschlicherweise Cristiano Ronaldo mit 4 Toren.
Siri weiss die korrekte Antwort. Ohne Umschweife gibts eine Liste mit den 7 besten Torschützen. An erster Stelle steht der Engländer Harry Kane mit 5 Toren. 1:4

Was ist ein Doppeladler?
Google zeigt die Definition aus dem Wörterbuch: «Als Wappentier oder Münzbild verwendetes symbolische Bild eines doppelköpfigen Adlers.»
Siri setzt auf Wikipedia und liest den entsprechenden ziemlich langen Artikel vor. 2:5

Wie lang dauert ein Fussballspiel?
Google: «In einem Fussballspiel dauern beide Hälften jeweils 45 Minuten. Die Halbzeitpause dazwischen beträgt 15 Minuten. Auch die Verlängerungen sind in zwei Hälften zu 15 Minuten aufgeteilt. Die Nachspielzeit wird normalerweise nicht in die Hälfte miteinberechnet.» Dann folgt ein Link zum Wikipedia-Artikel über Halbzeit. Die korrekte Antwort «90 Minuten» nennt Google nie.
Erst versteht Siri «Wie lang dauert Fussballspiel» und schlägt zwei Weblinks vor. Der erste zu Weltfussball.com verspricht Fussballregeln. Der zweite führt wie zuvor Google auch zum Wikipedia-Artikel über die Halbzeit. Beim zweiten Versuch versteht Siri die Frage zwar korrekt, doch statt der gewünschten Antwort gibt es einen Überblick über alle WM-Partien zwischen Montag und Donnerstag. Zwischendurch unterbricht sie den Monolog und fragt: «Möchtest du die nächsten fünf Spiele auch hören?» 3:6

Welches Land hat die Fussball-WM am häufigsten gewonnen?
Der Google-Assistent beantwortet die Frage ziemlich unverständlich mit «Gern geschehen» und zeigt dann einen Link zu Teamsportbedarf.de. Tatsächlich findet man im Webshop nebst Trikots, Kühlboxen und Trinkflaschen die korrekte Antwort: Brasilien.
Auch Siri hadert mit der Frage. Obwohl sie sie korrekt versteht, gibts zur Antwort: «Das Spiel ‹Fussball-Weltmeisterschaft› Endspiel ist am 15. Juli 2018 um 17:00 im Stadion ‹Luzhniki Stadium›, Russland.» 4:6

Wann kommt an der WM der Videobeweis zum Einsatz?
Google zeigt als Antwort eine Reihe von Videos. Das erste stammt von Focus.de. Nebst viel Werbung erklärt ein Artikel, wann der Videobeweis zum Einsatz kommt, und listet die 13 Video-Schiedsrichter namentlich auf. Das dazugehörige Youtube-Video wird aber nicht angezeigt, da die Fifa das Anzeigen auf dieser Webseite gesperrt habe. In der Youtube-App klappts mit dem Fifa-Video rund um den Videobeweis.
Beim ersten Versuch versteht Siri statt WM «Weser». Beim zweiten Versuch versteht sie «TM». Beim dritten Versuch sage ich «Fussball-WM». Nun versteht sie die Frage, als Antwort sagt sie allerdings wenig hilfreich: «Die Fifa-Weltmeisterschaft 2018 findet von 14. Juni 2018 bis 15. Juli 2018 in Russland statt.» 5:6

Was ist Offside?
Google: «Hier sind Infos über Abseitsregeln.» Es folgt ein Link auf den Wikipedia-Artikel zur Abseitsregel.
Siri versteht bei vier Versuchen immer «auf seit» und entschuldigt sich, dass sie nicht von «Deutsch Schweizen in eine andere Sprache» übersetzen könne. Fragt man Siri statt nach Offside nach Abseits, versteht sie sofort. Als ersten Link empfiehlt sie eine überraschend ausführliche Erklärung von Bravo.de. Nebst dem Teenager-Magazin empfiehlt Siri aber auch den Wikipedia-Artikel zur Abseitsregel. Ausgleich! 7:7

Auf wen könnte die Schweiz im Achtelfinal treffen?
Google empfiehlt einen Artikel von Tagesanzeiger.ch. Da es sich beim verlinkten Artikel um einen Live-Chat mit der Sportredaktion handelt, muss man sich die nötigen Infos erst suchen. Aber sie sind da.
Siri: «Wann genau ist diese Besprechung? Bitte nenne Datum und Uhrzeit.» Präzisiert man und erklärt, dass es sich um das Achtelfinal der Fussball-WM handelt, gibts die in der Situation nicht hilfreiche Tabelle der Schweizer Gruppe. 8:7

Welche Nationalmannschaft hat kurz vor der WM den Trainer gefeuert?
Google zeigt einen Link zu 20min.ch mit der korrekten Antwort: Spanien.
Siri weicht aus und listet stattdessen die Nationalspieler der Schweiz auf. 10:7

Wer wird Weltmeister?
Google: «Wenn nichts dazwischenkommt, dann der Gewinner des Finales. Ich hoffe, diese Mannschaft ist dann noch dabei.»
Siri liest die Wikipedia-Definition von Weltmeisterschaft vor. Präzisiert man und fragt nach Fussballweltmeister, nennt sie Zeit und Ort des Finalspiels. 11:7

Wer hat den Ausgleich geschossen beim Spiel Schweiz - Brasilien?
Google verweist auf den Matchbericht der NZZ, gefolgt von acht Links zu Tamedia-Titeln und dem SRF.
Siri weist darauf hin, dass die zwei Teams nicht heute gegeneinander spielen würden. Das Spiel hätte bereits am 17. Juni stattgefunden. Doch dann folgt eine Infografik, die zeigt, dass Zuber in der 50. Minute ausgeglichen hat. 12:9

Wer war in der Startaufstellung der Schweiz gegen Brasilien?
Google verweist wieder auf den Matchbericht der NZZ (inkl. Aufstellung), gefolgt von einem WM-Blog derselben Zeitung.
Siri gibt Forfait: «Dazu konnte ich leider nichts finden.» Fragt man statt nach Startaufstellung nach Mannschaftsaufstellung, gibt es immerhin die Matchstatistik, aber nicht die komplette Aufstellung. Nachtrag: Bei den Vorbereitungen zum Videodreh für diesen Artikel klappts dann auch bei Siri. Man muss allerdings fragen: «Welche Spieler waren beim Spiel Schweiz gegen Brasilien in der Startaufstellung?» Dann gibts auf Anhieb die korrekte Liste. 14:10

Wie heisst der Trainer der Schweiz?
Google wie aus der Kanone geschossen: «Vladimir Petkovic.»
Siri behilft sich mit einer Websuche. Als ersten Link gibt es den Wikipedia-Artikel zu Schweizer Fussballnationaltrainern. Als Zweites den Wikipedia-Artikel zu Vladimir Petkovic. 16:11

Welcher deutsche Spieler hat im Spiel gegen Schweden eine Rote Karte bekommen?
Google setzt auf Weblinks. Der erste von TZ.de zeigt schon in der Vorschau, dass es Jérôme Boateng war.
Ohne zu zögern, wenn auch etwas holprig, antwortet Siri: «Jérôme Boateng erzielte Rote Karte für das Team ‹Deutschland›». 17:13

Wie viele Rote Karten hat es an der Fussball-WM schon gegeben?
Google zieht den Wikipedia-Joker. Der erste Link führt zu Rekorden an Fussball-Weltmeisterschaften, der zweite zu Roten Karten. Die Frage beantwortet keiner der beiden. Als dritten Link gibt es die Kartenbilanz der WM von 2014. Auch die restlichen Links sind eine bunte, aber nutzlose Sammlung an Rekorden und Rückblicken.
Siri weiss, dass es zwischen Montag und Donnerstag 16 Matches gibt. Aber wie viele Rote Karten es schon gegeben hat, weiss sie offensichtlich nicht. 17:13

Welche Mannschaft hat an der Fussball-WM am wenigsten Tore geschossen?
Google zeigt eine Reihe von Links. Wettbüros und historische Statistiken helfen bei der Beantwortung der Frage allerdings nicht.
Siri: «Die Teams Peru und Costa Rica haben diese Spielsaison 0 Tore.» 17:15

Was ist dein Lieblingsteam an der Fussball-WM?
Google versucht es mit krudem Humor, wobei unklar bleibt, ob die Frage wirklich korrekt verstanden wurde: «Wirklich stilsicher bist du. Ich bin dein Fan Nummer 1.»
Siri versteht mal «Thema» und mal «Tier». Beim dritten Versuch versteht sie endlich Team. Doch es gibt eine Fehlermeldung und man solle es noch mal versuchen. Bei fünf Versuchen gibt es jeweils unterschiedliche Fehlermeldungen. Aber kein Lieblingsteam. Fragt man statt nach Team nach Mannschaft, klappts mit der Antwort: «Ich habe kein Lieblingsteam. Aber jeder in der Fussball-Weltmeisterschaft ist doch ziemlich gut, nehme ich an?» 19:16 Endstand!

Fazit: Google holt sich den Weltmeister-Titel mit einer soliden, aber wenig berauschenden Leistung – und vor allem weniger deutlich als man hätte vermuten können. Siri glänzte mit ein paar beeindruckenden Kabinettstückchen, stand sich aber mit teils groben Schnitzern selbst im Weg.

Den Google-Assistenten haben wir auf dem neuen HTC U12+ getestet und Siri auf dem iPhone X.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.06.2018, 16:07 Uhr

Duell um den Weltmeistertitel der Sprach-Assistenten. (Bild: zei)

Bereits in der Vorrunde ausgeschieden

Amazons Alexa: Mit den Echo-Lautsprechern hat Amazon einen Überraschungserfolg gelandet. Das Online-Warenhaus steckt grosse Summen in die Weiterentwicklung des Dienstes. Obwohl er mit Google und Siri mindestens auf Augenhöhe ist, schafft er es nicht in unseren Final, da die Echo-Lautsprecher in der Schweiz noch immer nicht offiziell erhältlich sind.
Microsofts Cortana: Microsofts Sprachassistentin heisst Cortana. Auch sie hat es nicht in den Final geschafft. Da Microsoft aus dem Handygeschäft ausgestiegen ist, läuft Cortana nun fast nur noch auf Windows-PCs. Und wer hat die schon dabei, wenn es um Fussballfragen geht? Darum, auch ausgeschieden.
Samsungs Bixby: Der dritte im Bunde ist Bixby. Samsungs Assistenzdienst hat auf neueren Samsung-Handys zwar einen eigenen Knopf, über den man ihn aufrufen kann, doch kann er leider kein Deutsch. Da hilft es auch nicht, dass die einstigen Siri-Erfinder die Finger im Spiel haben. Bixby scheitert in der Vorrunde.

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