«Smartwatch wird so wichtig sein wie der tägliche Kaffee»

Zwei Zürcher Entwickler arbeiten bereits an einer App für Apples Smartwatch. Dazu bauten sie Protoypen der Apple Watch aus Papier.

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Gestern hat Apple weitere Details zu seiner Smartwatch bekannt gegeben. Was war für Sie als Entwickler einer Smartphone- und Smartwatch-App (Der Einkaufszettel, der nie verloren geht) besonders interessant?
Marco Cerqui: Wichtig war für uns der Zeitplan: Wann kommt die Uhr in die Läden und in welche Ländern? Unsere App ist abgesehen von ein paar Feinschliffen parat. Darum wollen wir die erste Schweizer App für die Apple Watch sein. Dazu muss man natürlich den Zeitplan kennen.

Sandro Strebel: Für uns als Entwickler war vor allem spannend zu sehen, was für Apps von anderen Entwicklern gezeigt werden. Grosse Überraschungen gab es aber nicht.

Ist Ihnen eine der gezeigten Apps ins Auge gestochen?
Strebel: Ich fand die App, die Hotelzimmer öffnen kann, innovativ. Man bucht, checkt ein und hat den Zimmerschlüssel gleich auf der Uhr. Solche Gedanken fliessen natürlich auch in die Entwicklung unserer App ein.

Cerqui: Gerade solche Verbindungen von Uhr und Gegenständen wie Türschlössern, Autos oder Garagentoren sind spannend. Auch wenn es insgesamt jetzt nicht wirklich neu ist und man ähnliche Sachen schon von Android Wear kennt.

Sie sind aktuell daran, eine App für die Apple Watch zu entwickeln. Wie schwierig ist es, eine App für ein Gerät zu bauen, das man noch nie in der Hand hatte?
Strebel: Einfach ist es nicht, gerade wenn man es wie wir den Benutzern möglichst einfach machen möchte. Da ist es wichtig, dass man das an einem richtigen Gerät im richtigen Kontext testen kann. Darum haben wir uns aus Papier Prototypen gemacht. Dann kann man wenigstens so mal in den Supermarkt und die App ansatzweise testen. So testen wir etwa, ob die Knöpfe gross genug sind und wie sich die Uhr bedienen lässt, wenn man einen Einkaufswagen schiebt.

Gab es schon Reaktionen, als Sie jemand mit so einer Papieruhr gesehen hat?
Cerqui: Bis jetzt nicht. Vermutlich wollte einfach niemand mit den zwei komischen Typen mit den Papieruhren sprechen. (lacht) Alles kann man mit der Papieruhr freilich nicht testen. Etwa Fragen wie: Wie gut ist der Bildschirm bei grellem Sonnenlicht, oder wie gut sieht man die Informationen, wenn man in einem Supermarkt mit Kunstlicht ist?

Apple bietet für ausgewählte Entwickler spezielle Workshops an, um ihre Apps fit zu machen für die Uhr. Sie sind auch eingeladen, was versprechen Sie sich davon?
Strebel: Ja wir können vor dem Verkaufsstart unsere App an so einem Workshop bei Apple in London testen und weiterentwickeln. Das ist für uns natürlich sehr wichtig. So können wir sicherstellen, dass unsere App dann auch funktioniert und parat ist, wenn die Uhr auf den Markt kommt.

Cerqui: Es ist für uns auch sehr spannend mit Apple direkt in Kontakt zu kommen und das Unternehmen mal von innen zu sehen. Wir müssen dann wohl auch die Kameras unserer Handys abkleben. Das wird sicher spannend.

Wie ist es denn, eine App für Apples Uhr zu entwickeln? Sie haben ja bereits eine iOS-App. Kann man daran anknüpfen, oder muss man das von Grund auf neu entwickeln?
Strebel: Da kann man darauf aufbauen. Technisch ist es einfach eine Erweiterung unserer App. Die Möglichkeiten sind aktuell noch limitiert, da ist gar nicht viel mehr möglich. Von der Logik und der Technik können wir darum recht viel wiederverwenden.

Was passiert, wenn ich im Supermarkt merke, ich habe mein iPhone vergessen. Kann ich Bring dann auf der Uhr trotzdem nutzen?
Strebel: Heute ist es noch nicht möglich, Apps zu programmieren, die nur auf der Uhr laufen. Das Telefon muss immer als Compagnon dabei sein. Das wird von Apple so vorgegeben.

Cerqui: Im Moment ist die Uhr vor allem ein intelligenter Bildschirm, der Inhalte des Telefons anzeigt. Bei Googles Smartwatch-Platform Android Wear ist das ähnlich. Dort gibt es aber bereits die Möglichkeit, Apps exklusiv auf der Uhr laufen zu lassen. Mit der neusten Sony-Uhr kann man dank GPS seine Jogging-Runde aufzeichnen und dazu Musik hören, alles ohne verbundenes Telefon. Ich denke, auch Apple wird seine Uhr in diese Richtung weiterentwickeln. Das ist nur eine eine Frage der Zeit.

Das wäre für Sie als Entwickler wünschenswert?
Cerqui: Im Alltag bin ich mir nicht sicher, ob die Leute ihr Telefon gerne zu Hause lassen würden, wenn sie einkaufen gehen. Beim Sport macht das sicher Sinn. Für uns als Entwickler von Bring spielt das nicht so eine zentrale Rolle. Bei uns gehts nicht ums Joggen, sondern ums Einkaufen. Dafür wollen wir dem Benutzer die beste Watch-App anbieten.

Sie haben vorher Android Wear erwähnt. Darauf gibt es Bring schon. Wie unterscheidet sich diese App von der zukünftigen für die Apple Watch?
Strebel: Bei den Funktionen wird es keinen grossen Unterschied geben. Unterschiede gibt es aber, was die Plattform angeht. Android Wear hat eine andere Philosophie als die Apple Watch. Wear setzt eher auf einen Content-Stream mit Kacheln, wie man sie von Google Now kennt. Apple setzt eher auf eine ähnliche Idee wie beim iPhone mit einem Homescreen voller Apps. Aber sonst sind beide Apps sehr ähnlich. Bei beiden geht es darum, dass man das Telefon im Supermarkt in der Tasche lassen kann und beide Hände für den Einkauf frei hat.

Für welche Plattform ist es einfacher, Apps zu entwickeln?
Strebel: Ich glaube nicht, dass man das so sagen kann. Es ist immer da am einfachsten, wo man sich zu Hause fühlt. Als iOS-Profi findet man vielleicht iOS einfacher, als Android-Nutzer tendiert man eher zum Google-Betriebssystem. Ich glaube, das ist Geschmacksache.

Cerqui: Bei iOS haben wir vielleicht noch den Vorteil, dass wir es nur mit einer Uhr zu tun haben. Bei Android Wear gibt es mehrere Hersteller und verschiedene Formen. Das macht generell die Android-Entwicklung ein bisschen aufwendiger. Ganz so deutlich wie bei den Smartphones ist es aber nicht, da Android Wear nicht gleich offen ist.

Wie schätzen Sie die Erfolgschancen der Apple Watch ein?
Cerqui: Es wird zu Beginn einen rechten Boom geben, vorausgesetzt, es gibt genug Uhren in den Läden. Man muss dann längerfristig schauen, ob die Uhren einen Platz im Alltag der Menschen finden. Ich bin überzeugt, dass die Smartwatch in fünf Jahren genauso wichtig sein wird wie der tägliche Kaffee. Ob das aber schon mit den aktuellen Geräten klappt, wird sich jetzt dann zeigen.

Strebel: Der Erfolg von Android Wear ist nach einem Jahr doch eher mittelmässig. Wenn Apple nun einen Boom auslöst, kann das beide Plattformen nur beflügeln. Der Erfolg der Uhr wird aber sicher auch von den Apps abhängen. Wenn es wirklich gute Apps gibt, die auf der Uhr Sinn machen, kann es ein Erfolg werden.

Cerqui: Bring ist für uns so ein Beispiel einer App, die am Handgelenk Sinn macht. Aber davon braucht es natürlich noch mehr. Mit 10 bis 15 wirklich guten Apps kann die Uhr ein Erfolg werden.

Werden Sie sich denn privat eine Apple Watch kaufen?
Strebel: Wir kaufen uns sicher eine fürs Büro, um die App weiterzuentwickeln. Da ich privat ein iPhone habe, werde ich die dann sicher auch privat testen und mit Bring am Handgelenk einkaufen gehen.

Erstellt: 10.03.2015, 17:58 Uhr

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