SMS-Nachfolger: Google wagt Alleingang

Der Warterei überdrüssig, setzt sich Google in Grossbritannien und Frankreich über die Telecomfirmen hinweg. Was bedeutet das für die Schweiz?

Wo bleibt der SMS-Nachfolger? Bild: Fotalia

Wo bleibt der SMS-Nachfolger? Bild: Fotalia

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«Google und Swisscom greifen Facebook an» oder «Whatsapp bekommt Konkurrenz»: So sahen in den letzten Jahren die Schlagzeilen aus, wenn es um den SMS-Nachfolger namens RCS (Rich Communication Services) ging.

Die Wurzeln des SMS-Nachfolgers reichen bis in die Nuller-Jahre zurück. Doch durchgesetzt hat sich der Whatsapp-ähnliche Dienst bis heute nicht. In der Schweiz sowieso nicht. Und auch weltweit nicht, obwohl er von einzelnen Telecomfirmen teilweise schon seit 2012 angeboten wird.

Darin liegt dann auch gleich die Erklärung, warum RCS bis heute keine Konkurrenz für Whatsapp und Co. geworden ist: Das vertrackte Zusammenspiel von Telecomfirmen, Handyherstellern und Techkonzernen machte dem neuen Standard das Leben schwer. Während RCS vor sich hin dümpelte, wuchsen App-basierte Alternativen wie Whatsapp oder Wechat rasant.

Unerwartete Hilfe

Im Frühling 2018 bekam RCS Hilfe von überraschender Seite: Google kündigte an, künftig die wenig erfolgreichen eigenen Messenger-Apps zu pausieren, umzufunktionieren und ganz auf RCS zu setzen.

Seither ist erneut nicht viel passiert. Das Pingpong zwischen Telecomfirmen, Geräteherstellern und nun Google ging weiter. Eine kleine Ankündigung hier, eine Willensbekundung da, aber unter dem Strich ging es nicht voran.

Doch nun berichtet das amerikanische Techmagazin The Verge, in dem Google 2018 schon die neue RCS-Strategie ankündigte, dass der Internetkonzern genug habe von der Warterei und die Sache in die eigene Hand nehmen werde. Noch im Juni würde Android-Nutzerinnen und -Nutzern in Frankreich und Grossbritannien die Möglichkeit geboten, RCS zu nutzen.

Alleingang statt abwarten

Das Erstaunliche dabei: Google wagt den Alleingang. An den Telecomfirmen vorbei will Google in diesen beiden Ländern RCS lancieren. Weitere Länder sollen folgen, heisst es im Artikel. Welche das sind, lässt Google offen. Auf Nachfrage dieser Zeitung konnte Google Schweiz nicht bestätigen, ob für die Schweiz ein ähnliches Vorgehen geplant sei.

Fragt man bei den Schweizer Telecomfirmen nach, hört man wenig Neues. Die Swisscom, die bereits angekündigt hat, auf RCS zu setzen, richtet aus, Googles Alleingang in Frankreich und Grossbritannien ändere nichts an der eigenen Strategie. Man arbeite mit Google und anderen Partnern zusammen, um RCS einzuführen.

Das Ziel sei es weiterhin, den Dienst im zweiten Halbjahr zu lancieren. Aktuell befinde sich die Swisscom mitten im Aufbau der dazu notwendigen Infrastruktur. Zudem werde RCS bereits mit ersten Kunden getestet.

Keine Planänderung

Sunrise gibt sich wolkig und schreibt, dass das Unternehmen neue Trends beobachte und einen möglichen RCS-Start prüfen werde. Salt schliesslich teilt mit, dass es RCS nicht einführen wolle und sich daher durch Googles Vorpreschen nichts an den eigenen Plänen ändern würde.

Nach wie vor ungelöst sind zwei technische Probleme mit RCS. Einerseits bietet der Dienst, wie Google im «Verge»-Artikel bestätigt, mindestens in der jetzigen Form nicht dieselben Sicherheitsstandards wie andere Messenger.

Zudem soll er auch ähnlich wie Whatsapp nur auf einem Smartphone und einem gekoppelten Browser funktionieren. Andere Messenger wie Telegram oder Apples iMessage sind da flexibler. Weiterhin unklar ist auch, ob Apple den RCS-Standard ebenfalls unterstützen wird.

Erstellt: 18.06.2019, 20:52 Uhr

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