So fotografiert es sich mit der Leica CL

Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat die neuste Kamera des deutschen Fotografie-Pioniers ausprobiert.

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Ein sehr gutes Fotografie-Jahr liegt schon fast hinter uns. Smartphones sind dank Doppelkameras und allerhand Softwaretricks noch mal bedeutend besser geworden und machen in immer mehr Situationen den deutlich grösseren Amateur- und sogar Profikameras Konkurrenz.

Mit der A9 hat Sony ein kleines Technologiewunder lanciert. Die Vollformatkamera ist rasend schnell, mucksmäuschenstill zuverlässig, und der Sucher wird nicht mehr schwarz. Es wäre die perfekte Amateurkamera für die Smartphone-Generation, wenn sie nicht 5500 Franken kosten würde. Doch die Technologie wird in den nächsten Jahren bezahlbar werden und in immer mehr Kameras auftauchen.

Weiteres Highlight

Und nun ganz zum Schluss des Jahres gesellt sich noch ein weiteres Highlight dazu. Mit der Leica CL (2850 Franken) kommt ein Kameraklassiker aus den 70er-Jahren in digitaler Form zurück. Die CL war damals eine etwas kleinere, leichtere und vor allem günstigere Variante der M, der Topkamera im Sortiment.

Die Neuauflage der CL dagegen erinnert im Gebrauch und mit ihrem APS-C-Sensor eher an die 2014 lancierte Leica T. Sie nutzt dieselben Objektive und hat Autofokus (für M-Objektive braucht es einen Adapter). Anders als die T ist die neue CL aber weniger vom Touchscreen abhängig.

Aufs Nötigste reduziert

Das aufs Nötigste reduzierte Bedienkonzept mit ein paar wenigen Rädchen und Knöpfen gefällt ausserordentlich. Auch ohne Anleitung hat man nach einer halben Stunde den Bogen raus. Kommt dazu, dass alles äusserst gut verarbeitet ist. Die Knöpfe haben einen präzisen Druckpunkt, die Rädchen wackeln nicht, und es macht einfach Freude, die Kamera zu bedienen. Da können sich alle anderen Hersteller ein grosses Stück davon abschneiden.

Wenn mir etwas an meiner privaten Sony A7 nicht gefällt, ist es das Bedienkonzept und die teils wackligen Knöpfe. Wer will, der kann mit der Leica CL übrigens ganz ohne den grossen Bildschirm fotografieren. Auf der Oberseite hat sie nämlich einen kleinen Minibildschirm, der Blende und Verschlusszeit anzeigt.

Die Farben

Wie fotografiert es sich mit der CL? Sehr bequem und zuverlässig. In der Woche, in der ich die Testkamera ausprobieren konnte, liess mich die Leica nie im Stich. Im Gegenteil: Selbst banale Alltagssituationen, die man nur beiläufig geknipst hat, sahen im nachträglichen Foto auf einmal speziell und besonders aus. Ich musste mir richtig Mühe geben, schlechte Fotos zu schiessen.

Für gewöhnlich fotografiere ich fast nur noch manuell, da ich den Automatiken nicht traue. Der Leica traute ich nach einem Tag alle möglichen Situationen zu. Sie traf einfach keine dummen Entscheidungen und war immer schnell genug und sofort einsatzbereit. Natürlich macht es nach wie vor am meisten Freude, wenn man alles manuell einstellt, aber wenns mal schnell gehen muss, kann man ohne Sorge auch einen Automatikmodus wählen, wie etwa dieser Winterspaziergang gezeigt hat.

Die grösste Stärke der Leica aber sind die Farben. Die Fotos sahen direkt ab Kamera so schön und ausgewogen aus, dass ich kurz überschlug, wie viel meine Kameraausrüstung auf dem Gebrauchtmarkt noch wert ist. Dass ich mit meiner Kamera die Farben einfach nicht so hinbekam, lag sicher auch am vorzüglichen 35-mm-Objektiv (entspricht einem 50 mm bei Vollformat, 2530 Franken) mit 1.4er-Blende, das bei der Testkamera dabei war.

Fotografieren statt nachbearbeiten

Die Farben waren durchs Band so gut, dass ich nie in Versuchung kam, etwas nachträglich zu ändern. Wer wie ich lieber etwas mehr Zeit ins Fotografieren statt in die Nachbearbeitung steckt, wird an der Leica CL viel Freude haben. Wer gern Fotos nachträglich bearbeitet, wird staunen, wie viel Leistung im Fotosensor steckt.

Ich selbst habe nach meiner Woche mit der Leica bei meiner Sony angefangen, mit Farbeinstellungen zu experimentieren und die Rauschunterdrückung reduziert. So kann ich den Leica-Effekt etwas nachahmen.

Fazit: Für die Farben, die Bedienung und ihre Intelligenz verdient die Leica CL Höchstnoten. So macht Fotografieren Spass! Schade ist, dass die meisten Hobbyfotografen all diese Vorzüge nie ausprobieren werden, denn fürs gleiche Geld gibt es bei der Konkurrenz eine komplette Fotoausrüstung mit allem Drum und Dran. Man muss schon sehr viel Freude am Fotografieren (und das entsprechende Budget) haben, um den Schritt zur Leica zu wagen. Wer aber schon immer mit diesem Schritt geliebäugelt hat, der sollte sich die CL unbedingt einmal genauer anschauen.

Erstellt: 20.12.2017, 14:09 Uhr

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