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«Transaktionsgebühren wären nur eine Hürde»

Die europäische Samsung-Pay-Chefin Nathalie Oestmann erklärt, warum der Dienst die Banken nichts kostet.

Wurde heute vorgestellt: Samsung Pay für die Schweiz.
Wurde heute vorgestellt: Samsung Pay für die Schweiz.
Keystone

Sie haben Samsung Pay schon in 14 Ländern lanciert. Was gab nun den Ausschlag für die Schweiz?

Wenn wir uns entscheiden, wo wir Samsung Pay als nächstes starten sollen, achten wir auf bestimmte Kriterien. Was uns an der Schweiz besonders gefallen hat, ist, wie fortschrittlich hier bezahlt wird. 50 Prozent aller Zahlungen passieren mit einer Karte. Die Schweiz hat sogar die höchste Pro-Kopf-Karten-Nutzung im ganzen EU-Raum. Kommt dazu, dass es auch im Bereich des mobilen Bezahlens schon ein paar Angebote gibt.

Die vielen NFC-Terminals haben sicher auch eine Rolle gespielt?

Natürlich. 80% ist eine sehr gute Abdeckung. Aber dank MST (Erklärung siehe Box) funktioniert Samsung Pay auch mit nahezu allen anderen Terminals. Es gab aber noch einen weiteren Faktor: die grossen Händler. In der Schweiz sind die Ladenketten gerade mit ihren Kundenprogrammen technologisch sehr weit fortgeschritten.

Da haben Sie aber noch keine Partner angekündigt.

Das wird unser nächster Schritt sein. Jetzt beginnen wir erst einmal mit dem Bezahlen. Aber längerfristig sind wir überzeugt, dass es für ein florierendes Bezahlsystem und schliesslich eine neue Form von Portemonnaie alle Beteiligten braucht: Kunden, Händler und Banken.

Wie engagiert haben Sie denn versucht, Migros und Coop mit den Cumulus- und Superkarten an Bord zu holen?

Wir waren in Kontakt mit allen Firmen, die in der Schweiz Karten herausgeben. Wir passen uns aber an deren Zeitpläne an und werden auch in Zukunft alles daran setzen, sie für Samsung Pay zu gewinnen.

Wo wir von Partnern sprechen: Dank dem Bezahldienst Boon (Apple Pay für alle) kann ich nun auch eine Kreditkarte mit Apple Pay nutzen, obwohl die verantwortliche Bank gar nicht offiziell mitmacht. Wäre das nicht die kundenfreundlichere Lösung gewesen? Warum brauchen Sie die Banken?

Boon von Wirecard ist in vielen Fällen eine gute Option. Wir werden auch mit ihnen zusammenarbeiten. Generell wollen wir mit allen zusammenarbeiten und niemanden ausschliessen. Dabei respektieren wir die unterschiedlichen Zeitpläne.

Habe ich das richtig verstanden, Samsung zwackt keinen Anteil ab, wenn jemand mit Samsung Pay bezahlt?

Das stimmt. Wir verlangen nichts für Transaktionen, die über Samsung Pay laufen. Unser Ziel ist viel weiter gefasst. Wir sehen, dass Leute immer mehr mit ihrem Telefon machen wollen. Und Samsung Pay ist ein weiterer Mehrwert für unsere Kunden. Längerfristig hilft uns das, mehr Geräte zu verkaufen. Darum können wir auf den kurzfristigen Nutzen von Transaktionsgebühren verzichten. Das wäre nur eine unnötige Hürde.

Und trotzdem ist es Ihnen nicht gelungen, mehr Banken für Ihren Dienst zu gewinnen als Apple mit Apple Pay.

Wir arbeiten mit allen Banken zusammen. Doch wir richten uns nach deren Zeitplänen. Aber natürlich hoffen wir, dass sie irgendwann alle dabei sind.

Sie haben ja nicht nur mit Händlern und Banken zu tun. Auch der Lieferant Ihrer Software Google hat mit Android Pay eine eigene Bezahllösung. Wie verträgt sich das mit Ihrem Bezahldienst?

Der Kunde soll entscheiden. Wenn beide Dienste im selben Markt vorhanden sind, kann der Kunde selbst wählen, welchen er standardmässig nutzen möchte. Konkurrenz ist überhaupt kein Problem für uns. So werden alle Dienste mit der Zeit noch besser und noch kundenfreundlicher.

Sie haben in der Vergangenheit Loop Pay gekauft und zu Samsung Pay fusioniert. Wäre es nicht denkbar, dass aus Samsung Pay und Android Pay künftig ein Dienst wird?

Loop Pay haben wir damals wegen der MST-Technologie gekauft. Das war für Märkte wie Korea und die USA sehr wichtig, da dort NFC nicht weit verbreitet ist. Aber wir werden auch künftig schauen, wie wir mit Partnerschaften unser Angebot verbessern können. Doch im Moment ist da nichts geplant.

Wo Sie MST erwähnen, wie funktioniert das genau? Ist das ein Hardware-Bestandteil?

Genau. Das ist eine Kupferspule, die wir seit dem Galaxy S6 in unsere Smartphones und Smartwatches einbauen.

Wie sieht die Zukunft von Samsung Pay aus? Wird es ein Bezahldienst bleiben, oder wäre es auch denkbar, auf dieselbe Weise Zug- oder Flugtickets zu hinterlegen?

Mit Masterpass von Mastercard und Checkout von Visa haben wir zum Beispiel schon Lösungen für Onlinebezahlen im Angebot. So machen wir das Bezahlen im Browser oder in Apps einfacher. Das werden wir sicher ausbauen. So können Sie schon bald Flugtickets kaufen.

Aber was ist mit dem Flugticket? Kann ich das dereinst auch auf dem Handy speichern, damit ich nicht mehr den mühsamen QR-Code nutzen muss?

Das wäre natürlich auch denkbar. (lacht)

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