Trump greift nach dem schnellen 5G-Netz

Die US-Regierung überlegt, den modernen 5G-Mobilfunkstandard selbst zu bauen – um Geheimnisse für sich zu behalten. Sie will den chinesischen Weltmarktführer Huawei umgehen.

An Fachmessen wird bereits die Werbetrommel für 5G gerührt.

An Fachmessen wird bereits die Werbetrommel für 5G gerührt. Bild: Reuters

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Einen ganzen Spielfilm aus dem Internet herunterzuladen, ist auch 25 Jahre nach Erfindung der ersten Webbrowser oft noch ein ziemlich nerviges Unterfangen. Doch nun ist Abhilfe in Sicht: Was bisher Stunden dauern kann, wird mit der Einführung der fünften Generation mobiler Datenübertragung, kurz 5G, in Sekunden erledigt sein.

Die Technik ist so bedeutsam, dass die US-Regierung jetzt erwägt, den Aufbau des Netzes nicht wie bisher Mobilfunkkonzernen wie AT&T und T-Mobile zu überlassen, sondern selbst tätig zu werden. Eine Verstaatlichung wäre die grösste Umwälzung seit Erfindung des Telefons vor 150 Jahren.

Sicherheitspolitische Gründe

Bekannt gemacht hat die Planspiele die Nachrichten-Webseite Axios, der eine 30-seitige Präsentation ranghoher Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats vorliegt.

Darin wird angeregt, aus wirtschaftlichen wie aus sicherheitspolitischen Gründen binnen drei Jahren ein «landesweites, zentralisiertes» 5G-Netz aufzubauen. Unternähmen die USA nichts, werde man insbesondere gegenüber China massiv und dauerhaft ins Hintertreffen geraten – «politisch, wirtschaftlich, militärisch».

Was 5G zu leisten imstande ist, wird die Welt schon in wenigen Tagen bewundern können: Bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang soll eine Vorabversion zum Einsatz kommen.

Rasend schnell

Die neue Technik, mit der sich enorme Datenmengen rasend schnell per Funk übertragen lassen, dürfte das Leben der Menschheit einmal mehr massiv verändern, denn die Wirtschaft will sie auch in die vielen Milliarden Mini-Sensoren einbauen, die bald überall zu finden sein werden: in Autos, Maschinen und Strassen, in Häusern, Wohnungen und Kleidern.

Alles soll mit allem kommunizieren, man spricht vom «Internet der Dinge» oder von «Industrie 4.0». Vor allem für die Firmen ergeben sich durch die Vernetzung von Produktion, Lieferketten und Vertrieb zahllose Möglichkeiten, die Produktivität zu steigern und die Kosten zu senken. Zudem schafft 5G ein Höchstmass an Transparenz, da sich etwa Menschen oder Autos fast immer und überall orten lassen.

Experten befürchten das Schlimmste, wenn das Netz ausfällt

Die ersten Staaten, denen der Aufbau eines flächendeckenden 5G-Netzes gelingt, werden nach Ansicht der US-Regierungsmitarbeiter gegenüber anderen Ländern massive wirtschaftliche Wettbewerbsvorteile haben. Allerdings muss das Netz sicher gegen Angriffe von innen wie aussen geschützt sein. Gelänge es nämlich privaten oder staatlichen Hackern, das Mobilfunknetz eines anderen Lands zu infiltrieren, auszuspionieren oder gar lahmzulegen, wären die Folgen womöglich verheerend.

Experten befürchten, dass es bei einem Ausfall des Netzes binnen Tagen Tote geben würde, weil die gesamte Infrastruktur – vom Verkehr über die Nahrungsmittel- bis zur Gesundheitsversorgung – zusammenbräche. Terroristen oder Schurkenstaaten erhielten somit Zugriff auf eine Waffe, die noch gefährlicher ist, als Anschläge und militärische Gewalt es sind.

Zwei Wege

In der Präsentation werden zwei Wege aufgezeigt, wie der Staat auf die Herausforderung reagieren kann: Entweder er baut das 5G-Netz selber auf - wobei dann zu klären wäre, ob er es auch selbst betreibt oder Lizenzen an private Unternehmen vergibt. Oder aber diese Unternehmen errichten wie bislang eigene Netze und konkurrieren miteinander.

Die zweite Möglichkeit hätte aus Sicht der Regierungsexperten den Vorteil, dass die Verwerfungen in der Mobilfunkbranche weniger gross wären. Insgesamt aber lassen sie eine klare Präferenz für Variante eins erkennen, da nur sie sicherstelle, dass der Staat das Netz ausreichend gegen Angriffe schützen könne.

Angst vor Huawei

Was die Fachleute vor allem umtreibt, ist die Tatsache, dass der chinesische Huawei-Konzern den Weltmarkt für Telekom-Infrastruktur dank massiver staatlicher Hilfe und einer aggressiven Preispolitik mittlerweile in Teilen beherrscht. Beteiligten US-Firmen Huawei am Aufbau ihrer 5G-Netze, öffne dies, so die Sorge, chinesischen Geheimdiensten Tür und Tor für Manipulationen. Errichtete die US-Regierung das Netz dagegen selbst, könnte sie Huawei von allen Aufträgen ausschliessen.

In der Wirtschaft allerdings wird bereits scharfe Kritik an der Idee einer Verstaatlichung laut. Der Branchenverband CTIA erklärte, die USA könnten das Rennen um die 5G-Weltmarktführerschaft nur gewinnen, wenn sie auf die Kräfte des Marktes vertrauten.

Ähnlich äusserte sich Ajit Pai, der von Trump eingesetzte Chef der Regulierungsbehörde FCC. Sollte der Staat sich tatsächlich daranmachen, selbst ein Mobilfunknetz aufzubauen, wäre dies «teuer und kontraproduktiv», erklärte er. Trumps Sprecherin Sarah Sanders betonte, die Debatte über den richtigen Weg habe gerade erst begonnen. «Es gibt noch keine einzige Entscheidung», sagte sie. Das Einzige, das feststehe, sei die Erkenntnis, «dass wir ein sicheres Netz brauchen». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.01.2018, 10:50 Uhr

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