TV oder Netflix? Was Schweizer öfter schauen

Neue Zahlen zeigen, wie viele Nutzer hierzulande Serien und Filme streamen – und welche Rolle das Einkommen und die Bildung spielen.

Frauen streamen weniger, allerdings ist der Unterschied nicht gross: 30 Prozent</nobr> bei den Männern stehen <nobr>26 Prozent</nobr> bei den Frauen gegenüber. Foto: iStock

Frauen streamen weniger, allerdings ist der Unterschied nicht gross: 30 Prozent bei den Männern stehen 26 Prozent bei den Frauen gegenüber. Foto: iStock

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Netflix boomt. Fast 152 Millionen Abonnenten zählt der Streamingdienst inzwischen weltweit. Aber wie viele sind es in der Schweiz? Das ist schwierig zu sagen. Denn wie etliche andere amerikanische Unternehmen veröffentlicht Netflix keine entsprechenden Zahlen. Wenn solche genannt werden, handelt es sich immer um Hochrechnungen oder Schätzungen.

Umso spannender sind deshalb die Erkenntnisse des «IGEM-digiMonitor 2019». Für die jährlich erscheinende Studie werden Schweizerinnen und Schweizer nach ihrer TV- und Videonutzung gefragt. Sie können mittlerweile aus zahlreichen Angeboten auswählen – und entscheiden sich immer häufiger für Netflix.

Jeder Zehnte nutzt den Streamingdienst täglich, weitere 14 Prozent immerhin wöchentlich und 4 Prozent gelegentlich. Damit hat Netflix Zattoo, Swisscom Air TV und zahlreiche andere digitale Angebote überholt und links liegen gelassen.

Nur das klassische Fernsehen und Youtube sind noch beliebter als Netflix. Das Kino kommt zwar auf 53 Prozent. Diese Angabe bezieht sich aber nur auf den Anteil der Schweizerinnen und Schweizer, die ab und zu respektive mindestens einmal im Monat einen Kinosaal aufsuchen. Das ist keine wirkliche Konkurrenz.

Während Kinos mit sinkendem Interesse kämpfen, hat Netflix auch hierzulande einen steilen Aufstieg hingelegt. 2014 startete der Streaminganbieter in der Schweiz, ein Jahr später erhob der «IGEM-digiMonitor» erstmals Zahlen. 5 Prozent schauten damals gelegentlich Netflix. Heute sind es schon 28 Prozent und damit mehr als fünfmal so viele. Hochgerechnet, stieg so die Zahl der Nutzer von gut 300’000 auf fast 1,8 Millionen.

Schweizer Männer streamen häufiger Filme und Serien auf Netflix als Frauen. Allerdings ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern nicht allzu gross: 30 Prozent bei den Männern stehen 26 Prozent bei den Frauen gegenüber.

Ein Grossteil der Nutzer ist jung. Mehr als die Hälfte der 15- bis 29-Jährigen hat Netflix. In der Altersgruppe 30–39 sind es noch 41 Prozent. Mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil der Nutzer immer mehr ab. Bei den über 60-Jährigen ist der Streamingdienst nicht mal ansatzweise so beliebt.

Dass ein vergleichbar neues digitales Angebot vor allem bei Jungen zieht, ist zu erwarten. Die Erhebung des «IGEM-digiMonitor» hält aber ein paar Überraschungen bereit: So kommt es zum Beispiel auf die Schulbildung an, wie stark Netflix verbreitet ist. 31 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer, die eine Universität oder eine Fachhochschule besucht haben, nutzen den Dienst. Bei solchen mit einem obligatorischen Abschluss sind es lediglich 25 Prozent.

Noch deutlicher ist der Unterschied nach Verdienst. Nur jeder zehnte Haushalt mit einem Bruttoeinkommen bis 4000 Franken hat Netflix. Bei solchen mit einem Einkommen bis 8000 Franken ist es fast jeder Vierte, und bei Haushalten, die mehr als 8000 Franken pro Monat zur Verfügung haben, schon mehr als jeder Dritte.

Je höher der Lohn, desto eher wird also Netflix konsumiert: Das gilt für alle Altersgruppen – ausser der jüngsten. Eine mögliche Erklärung ist, dass das Streamen besonders bei Studierenden beliebt ist, die über eine höhere Bildung verfügen, aber in einer WG mit geringem Einkommen leben.

Schon frühere Studien haben gezeigt, dass der Streamingdienst insgesamt öfter von Besserverdienern genutzt wird. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass das Standardabo mit HD-Qualität und gleichzeitiger Wiedergabe auf zwei Geräten nur 16.90 Franken monatlich kostet. Die Variante mit einem Gerät und Standardauflösung ist sogar noch 5 Franken günstiger.

Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Möglich ist, dass Haushalte mit wenig Geld ganz auf einen Internetanschluss verzichten. Denn internetfähige Smartphones sind inzwischen so weit verbreitet, dass es nicht zwingend WLAN zu Hause braucht. Und Filme zu schauen auf dem kleinen Handybildschirm, ist nicht jedermanns Sache.

Auch Ältere sind zunehmend mobil unterwegs und streamen immer häufiger. Die Zahl der Netflix-Nutzer in der Schweiz dürfte also auch in den kommenden Jahren weiter steigen. Allerdings darf sich der Marktführer nicht ausruhen. Denn der Tech-Riese Apple, der Unterhaltungsgigant Disney sowie die Mediensparte Warner Media des Telecomkonzerns AT&T lancieren demnächst eigene Streamingplattformen. Die Markteinsteiger wollen vom lukrativen Geschäft ein Stück abschneiden und Netflix Kunden abjagen.

Erstellt: 27.08.2019, 16:28 Uhr

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