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Unverhofft selbst zum Softwareentwickler geworden

Seit iOS 12 kann man auf Apple-Geräten im Baukastensystem ein bisschen programmieren. Unser Autor kam damit weiter als gedacht.

Erstaunlich, was mit Shortcuts möglich ist. Aber aktuell ist es nur etwas für geduldige Bastler. Bis es massentauglich wird, muss es noch viel einfacher und intuitiver werden.
Erstaunlich, was mit Shortcuts möglich ist. Aber aktuell ist es nur etwas für geduldige Bastler. Bis es massentauglich wird, muss es noch viel einfacher und intuitiver werden.
zei
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Künstliche Intelligenz könnte so nützlich sein: Keine repetitiven Aufgaben mehr erledigen, nicht immer dieselben Apps hintereinander öffnen und nicht mehr jeden Morgen dieselben Knöpfe drücken. Noch sind wir davon weit entfernt. Unsere smarten Telefone sind weiterhin ganz schön dumm.

Statt auf allerhand Automatismen und andere Tricks zu setzen, hat Apple diesen Sommer mit Shortcuts eine Art Baukasten-Programmiersprache vorgestellt. Damit kann man Siri für Routineaufgaben eine Art Abkürzung beibringen und so ganze Arbeitsabläufe zu einem Befehl kombinieren.

Um die Funktion zu testen brachte ich Siri bei auf den Zuruf «Was läuft im Radio?» nicht die eingebaute Songerkennung zu nutzen, sondern die von mir favorisierte Variante der Soundhound-App.

Spielerei für Bastler

Selbst für einen Laien wie mich war das einfacher als gedacht. Genutzt hab ich den Trick seither vielleicht fünfmal. Meist war es deutlich bequemer, einfach den entsprechenden Knopf in der Soundhound-App zu drücken. Mein Fazit damals: eine lustige Spielerei für Hobby-Programmierer und Bastler. Aber solange man Siri neue Tricks nicht wie einem Kind per Sprache beibringen kann, bleibt das eine Nischenfunktion.

Matthias Schüssler zeigt Siri-Shortcuts.

Und nun, ein paar Monate später, bin ich mit Shortcuts unverhofft doch noch zum Programmierer und Entwickler geworden. Für Artikel zur Apple Watch brauche ich häufig Screenshots (Bildschirmfotos von Zifferblättern).

Damit die besser aussehen, nutzte ich bisher eine App namens Lightscreen (5 Franken). Die kombinierte die Bildschirmfotos jeweils mit einem Foto der Apple Watch.

Man kann in der App sogar zwischen drei verschiedenen Apple-Watch-Modellen wählen. Zu wenig für einen Uhren-Fan wie mich. Als mich auf Twitter dann noch jemand anstiftete, das Problem doch mit Shortcuts zu lösen, wars um mich geschehen.

Ich lud mir von einer entsprechenden Website verschiedene Shortcuts herunter, die Bildschirmfotos mit allerhand Geräterahmen kombinieren. Wenn die Apple Watch eine Option war, dann gab es meist nur eine Variante. Ich studierte die verwendeten Bausteine, imitierte, liess Überflüssiges weg und baute schliesslich meinen eigenen Shortcut mit sechs Uhrenmodellen zur Auswahl.

Aufwendiger als das Programmieren waren dabei die Uhrenrahmen. Bei Apple selbst gibt es zwar im Shop zahlreiche Bilder, aber die waren nicht gleich gross. Also musste ich alle in mühseliger Arbeit auf dieselbe Grösse bringen.

Endlich fertig, teilte ich meine Bastelei mit ein paar befreundeten Journalisten und Bloggern.

So funktioniert der Shortcut.

Mehr aus Jux stellte ich den Shortcut auch auf meinen persönlichen Blog und auf Reddit. Wie oft er tatsächlich heruntergeladen wurde, kann ich nicht sagen. Aber ein paar Tage später meldete sich jemand aus Japan.

Er fragte, ob ich dieses eine spezielle Modell der Apple Watch nicht auch in meinen Shortcut aufnehmen würde. Wie konnte ich da Nein sagen. Als Dankeschön bekam ich ein paar Tage später per Mail aus Japan gleich noch vier weitere fertig zugeschnittene Uhrenrahmen, die ich inzwischen auch in den Shortcut eingebaut habe.

Wünsche und Probleme

Seither bekomme ich immer wieder Zuschriften. Etwa wenn Probleme auftauchen oder weil sich jemand noch mehr Uhrenrahmen wünscht. Gerade die Probleme haben es in sich. Mal stellt sich nach viel Experimentieren heraus, dass Apples iCloud und nicht der eigene Shortcut schuld ist, mal dass ein Programm die Dateinamen unerlaubt verändert hat.

Schwieriger wird es mit Wünschen. Manche hätten gerne eine spezielle Kombination aus Uhrengehäuse und Armband. Das ist schon ziemlich aufwendig, da es nicht von allen Kombinationen offizielle Aufnahmen gibt. Gänzlich unmöglich wird es, wenn jemand gerne Screenshots einer älteren Apple Watch oder der kleineren 40-mm-Version der aktuellen Uhr verwenden würde. Dazu müsste man alles noch mal mühsam für die entsprechenden Uhren aufbereiten.

Da muss ich dann jeweils sagen, was mich als Nutzer jedes Mal nervt, wenn ich es von Programmierern zu hören bekomme: «Sorry, das kommt vielleicht später mal.»

So fühlt sich das also an, wenn man Softwareentwickler ist.

Dass ich als Laie so ein kleines Projekt trotzdem hinbekommen habe, ist beeindruckend und ein grosses Kompliment an Apples Shortcuts. Aber an meinem ersten Eindruck ändert es nichts: Es müsste alles noch viel einfacher und intuitiver sein.

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