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Warum Steve Jobs falsch liegt

Neue gründliche Tests beweisen: Das iPhone 4 hat gravierende Empfangsprobleme. Konkurrenzprodukte schneiden viel besser ab – ganz im Gegensatz zu den Behauptungen des Apple-Chefs.

Gerät zunehmend in Bedrängnis: Apple-Chef Steve Jobs.
Gerät zunehmend in Bedrängnis: Apple-Chef Steve Jobs.
AFP

Laut Apple-Chef Steve Jobs ist das iPhone 4 nicht das einzige Smartphone mit Empfangsproblemen. Auch bei Konkurrenzprodukten müsse man damit rechnen, dass die Empfangsleistung zurückgeht oder Gespräche sogar abreissen. Bei der Präsentation am vergangenen Freitag erklärte der Apple-Chef, das Problem trete in Gebieten mit schlechtem Netz-Empfang mit nahezu jedem Smartphone und bestimmten Handhaltungen auf.

HTC, Nokia und RIM haben am Wochenende diesen Versuch, die Konkurrenz anzuschwärzen und von den eigenen Problemen abzulenken, aufs Schärfste verurteilt. Am Dienstag meldete sich auch Samsung: Der südkoreanische Hersteller erklärte, das Unternehmen verwende ein Antennendesign, das den Benutzern jede Art von Griff erlaube. Es seien bisher keine Beschwerden von Nutzern über die Samsung-Antennen bekannt.

Drastisch schlechter als die Konkurrenz

Eine Analyse der Stiftung Warentest zeigt, dass Jobs Unrecht hat: Zwar sei es tatsächlich so, dass bei direkter Umklammerung des Gehäuses auch bei iPhone-Konkurrenten die Empfangsleistung zurückgehe, aber nur um 25 Prozent. Damit seien selbst Gespräche in schwachen Netzen noch möglich. Nicht so aber beim neusten Apple-Handy: Dort sinkt laut den Testergebnissen des grössten deutschen Konsumentenportals die Sendeleistung um nicht weniger als 90 Prozent. Sogar die Antenne des Vorvorgängermodells 3G funktioniere besser, als das laut Steve Jobs «vielleicht beste Produkt», das Apple bislang auf den Markt gebracht habe.

Unterstützung erhält Stiftung Warentest vom Magazin «Connect». Laut der Telekom-Zeitschrift sind die Empfangsprobleme des iPhone 4 drastisch. «Connect» erklärt auch, warum dies so ist: Von seitlich links nach oben zieht sich im das Gehäuse einfassenden Metallrahmen die Antenne für Bluetooth, WLAN und GPS; der Rest des Metallbandes sei für den Empfang von GSM und UMTS zuständig. Eine kleine Nahtstelle links unten an der Umrandung trenne diese Teile.

Die gute Nachricht: Die Hülle wirkt

Bedeckt man diesen kleinen Schlitz mit der Hand, breche die Empfangsleistung des Mobilfunknetzes massiv ein oder reisse gar komplett ab, berichtet «Connect». Denn bei der Verbindung der beiden getrennten Antennen gehe die hohe Optimierung der für den Mobilfunkbereich zuständigen Antenne verloren. Die Messergebnisse beweisen laut «Connect», dass es sich definitiv nicht um ein Softwareproblem handelt.

Was nicht überrasche, denn die Antennenoptimierung im Gigahertzbereich sei eine sensible Aufgabe. Die gute Nachricht für das Unternehmen und seine Fans: Die Schutzhülle schützt tatsächlich vor Empfangsproblemen, wie ein Test von «Connect» zeigt. Und: Die Empfangsqualität des Apfel-Handys der neusten Generation sei an sich «exzellent» – wenn man es nur nicht in den Händen halten müsste.

Analysten warnen

Welche Folgen hat «Antennagate» für das erfolgsverwöhnte Unternehmen? Noch keine, glauben Analysten. Telekom-Spezialist Jeff Kagan indes warnt, dass weitere Probleme bei der neuen Apple-Hardware die Umsätze nachhaltig schädigen. Auch imagemässig vertrage es nicht mehr viel: Die Erwartungen an Apple seien so hoch, «dass auch kleinere Probleme die Kundenunzufriedenheit schnell hochkochen» lassen, fasst die «Computerwoche» die Analystenmeinungen zusammen.

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