Was Android besser machen muss

Vor zehn Jahren hat das erste Galaxy S von Samsung dem Betriebssystem von Google zum globalen Siegeszug verholfen. Zeit für unsere Verbesserungsvorschläge für Android.

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1. Einheitliche Steuerung
Android und Samsung haben erfolgreich die Hardwareknöpfe unterhalb des Displays eliminiert und frontfüllende Bildschirme populär gemacht. Dabei haben die beiden die Bedienung vernachlässigt: Apple hat mit dem iPhone X gezeigt, wie viel eleganter eine konsequente Gesten-Bedienung ist. Im Android-Universum ist das ein einziges Drama. Google hat eine komplizierte eigene Variante entwickelt, Huawei kopiert Apple, und Samsung versteckt die Knöpfe uninspiriert hinter Wischgesten. Zurück ans Zeichenbrett!

2. Schluss mit Fake-Apps
Googles Playstore setzt, anders als Apples App Store, nicht auf restriktive (teilweise kleinliche) Kontrollen. Google prüft laufend, und fällt ein Bösewicht auf, wird die App verbannt. Dass hin und wieder eine bösartige App durch die Maschen schlüpft, ist der Preis, den man für diesen sympathischeren Ansatz bezahlt. Dennoch ist es beunruhigend, wie verbreitet sogenannte Fake-Apps sind. Das Spektrum reicht von Klonen beliebter iOS-Apps bis zu Spiele-Apps, die verdächtig wie das Original aussehen.

3. Keine unlöschbaren Apps
Man kennt die Masche aus der Windows-Welt. Vorinstallierte Programme nerven mit Abobegehren oder mit Werbung. Das gleiche Problem gibt es auch bei Android: Eine nervige News-App hier, ein Security-Tool da, und natürlich ist Facebook auch schon drauf. Wenn man die App entfernen kann, ist das halb so wild. Aber hin und wieder lassen sich solche unerwünschten Apps und Dienste nicht einmal entfernen.

4. Schnelle Updates für alle
Android hat von jeher das Problem, dass Updates mit viel Verzögerung oder gar nicht ausgeliefert werden. Auch neue Geräte laufen mitveralteterund unter Umständen unsicherer Software. Google hat versucht, dieses Problem mit dem Project Treble anzugehen. Bislang mit relativ wenig Erfolg. Nun sollen schärfere Lizenzbestimmungen helfen. Die Updatefreudigkeit variiert nach Hersteller: Einen guten Ruf haben Nokia, Sony, Xiaomi und inzwischen auch Samsung.

5. Messenger-Chaos ausmisten
Einer der grössten Trümpfe des Apple-Universums ist iMessage. Die App vermischt SMS und Kurznachrichten gekonnt. Google unternimmt alle paar Jahre einen Versuch, etwas Gleichwertiges zu lancieren. Erst scheiterte Hangouts, und nun geht der Versuch, mit RCS einen globalen Standard zu lancieren, den Bach runter: Whatsapp, Telegram, Signal oder Threema springen in die Bresche. Aber vielleicht hat Google nächstes Mal mehr Glück. Oder iMessage schafft es doch noch auf Android.

6. Freier Datenverkehr
Die meisten Leute benutzen ihr Smartphone in Kombination mit einem PC, Mac oder Tablet. Apple tut alles, diese Zusammenarbeit reibungslos zu gestalten – zumindest solange alle beteiligten Geräte von Apple stammen. Die App «Ihr Smartphone» von Windows 10 oder Dritt-Apps wie Airdroid sorgen für Datenaustausch. Doch besser wäre, Android würde es Nutzern von Haus aus erlauben, via Computer SMS zu verfassen, das Smartphone fernzusteuern oder die an einem Gerät begonnene Arbeit an einem anderen fortzusetzen.

7. Kommunikation ohne Umweg
Bei Apple ist es auch ohne WLAN und Mobilfunk möglich, schnell ein paar Fotos an das Smartphone eines Freundes zu schicken oder einen Kontakt zu übermitteln: Per Airdrop kommunizieren die Geräte direkt. Android hatte mit Beam eine ähnliche Funktion, die erst vernachlässigt und mit der letzten Version 10 eliminiert worden ist. Ein Nachfolger namens Nearby Sharing ist in Arbeit. Wann er fertigt sein wird, ist bislang unbekannt.

8. Weg mit den Basteleien
Die Hersteller und Mobilfunkbetreiber dürfen sich Android nach ihrem Gusto zurechtbiegen. Doch diese Anpassungen fressen oft unnötig Ressourcen, und sie machen die Bedienung inkonsistent. Google zertifiziert mit dem Label «Android One» Geräte, die ein weitgehend unverändertes Betriebssystem verwenden. Leider machen von dieser Möglichkeit nur wenige Hersteller Gebrauch: etwa Nokia, Motorola, LG und Xiaomi.

9. Googles harte Hand
Während die Hersteller gewisse Freiheiten bei der Oberfläche geniessen, macht Google strenge Vorgaben zu den eigenen Apps. Die haben dem Suchmaschinenkonzern ein Kartellverfahren und 2018 eine Rekordbusse der EU-Kommission von 4,3 Milliarden Euro eingebracht, weil die Google-Apps nur im Bundle installiert werden durften. Google hat die Lizenzbestimmungen angepasst, doch an der Vormachtstellung ändert sich nichts: Huawei tut sich nach Donald Trumps Embargo schwer, Alternativen aus dem Boden zu stampfen. Als Nutzer wünschen wir uns mehr Wahlfreiheit – und echte Chancen für Innovatoren.

10. Was ist mit den Tablets?
Wie konnte Google das nur so verpfuschen? Googles erstes Tablet, das Nexus 7, war ein voller Erfolg, kleiner und handlicher als das iPad. Dass Android nur mässig angepasst war, war zu verschmerzen. In den folgenden Jahren lancierte Google zahlreiche Tablets, aber Android machte kaum Fortschritte. Diegrösseren Bildschirme blieben sträflich ungenutzt. Auch spezielle Tablet-Apps blieben Mangelware. Inzwischen macht Google gar keine Tablets mehr. Doch mit den Faltbildschirmen am Horizont (die nichts anderes als Tablets für die Hosentasche sind) ist Google gut beraten, Gas zu geben und sich vom Fokus auf Smartphonebildschirme zu lösen.

11. Und was ist mit den Uhren?
Wie bei den Tablets hat Android auf Uhren vielversprechend gestartet. Doch dann hat der Konzern jedes Interesse verloren und seine Hardwarepartner hängen lassen. Kein Wunder setzen Samsung und Huawei heute lieber auf eigene Betriebssysteme als das inzwischen Wear OS genannte Android für Uhren. Auch hier hätte das Betriebssystem eine echte Chance, wenn sich Google einen Ruck geben würde.

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Erstellt: 13.02.2020, 14:03 Uhr

Warum Hard- und Software so schlecht harmonieren

Analyse Was haben Windows und Android gemeinsam? Beides sind Betriebssysteme, die auf Geräten unterschiedlicher Hersteller laufen. Microsoft stellt den PC-Herstellern das System auf Lizenz bereit. Android seinerseits ist für die Hersteller (in den allermeisten Fällen) sogar kostenlos.

Das klingt ideal: Der eine sorgt für perfekte Hardware, der andere für ein rundum gelungenes Software-Erlebnis für den Nutzer. Doch Windows beweist seit 30 Jahren, dass es mit der Harmonie nicht weit her ist.

Denn die Hardware verrichtet ihren Dienst im Hintergrund. Es ist die Software, mit der die Nutzer interagieren. Um auch auf dem Desktop präsent zu sein, reichern die Hersteller das System mit eigenen Programmen an. Diese Dreingaben werden auch Crapware genannt: softwaremässiger Mist, der oft nur geringen Nutzen bietet und manchmal auch Sicherheitslücken aufweist.

Willkommene Einnahmequelle

Die PC-Hersteller erschlossen sich obendrein eine zusätzliche Einnahmequelle: Sie installieren Programme von Drittherstellern, zum Beispiel Virenscanner, die nach einer kurzen Testphase von den Nutzern entweder deinstalliert oder gekauft werden müssen.

Natürlich ist es sinnvoll, wenn die Hersteller gewisse Einflussmöglichkeiten haben. Das ist sogar nötig, damit sie die Besonderheiten ihrer Hardware voll ausschöpfen können: Wenn ein Hardwarehersteller einen besonders tollen Sensor einbaut, dann muss die Kamera-App auch in der Lage sein, dessen Fähigkeiten voll auszuschöpfen.

Doch es bringt dem Nutzer nichts, wenn die Hersteller alle Möglichkeiten haben, das System zu verschlimmbessern: Und das tun sie – manchmal unter tätiger Mithilfe der Mobilfunkbetreiber: Sie verändern die Optik und Funktionsweise wesentlicher Systemfunktionen wie beispielsweise den Launcher (Homescreen). Sie installieren Zusatz-Apps, die den Gerätespeicher verstopfen. Unter Umständen blockieren sie auch Standard-Apps oder -Funktionen. Und sie sind schuld daran, dass sich das Betriebssystem nur mit viel Verspätung oder gar nicht aktualisieren lässt.

Dass Microsoft den Fehler gemacht hat, war seinerzeit verständlich. Doch dass Google nichts aus dem Crapware-Debakel gelernt hat, ist eine sträfliche Unterlassungssünde. Matthias Schüssler

Android 10 verspricht zahlreiche Verbesserungen. Doch auf den meisten Geräten wartet man noch auf das Update. So es überhaupt kommt. (Bild: zei)

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