Was hat Apple eigentlich noch vor?

Gibt es im Oktober noch einen Apple-Event, kommt ein neues Macbook oder iPad? Unser Experte hat Antworten.

Apple-Chef Tim Cook präsentierte im September das neue iPhone mit Dreifachkamera. Im Oktober wagt er sich wohl nicht mehr auf die Showbühne.

Apple-Chef Tim Cook präsentierte im September das neue iPhone mit Dreifachkamera. Im Oktober wagt er sich wohl nicht mehr auf die Showbühne. Bild: Reuters

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Hier häufen sich die Leserfragen, ob es denn im Oktober oder immerhin dieses Jahr noch einen Apple-Event gibt, ob ein neues Macbook Pro kommt, ob man mit dem iPad-Kauf noch warten soll und so weiter.

Letztes Jahr hat Apple Ende Oktober das neue Macbook Air und das neue iPad Pro vorgestellt. Anders als der iPhone-Event im September ist ein Oktober-Event bei Apple kein Pflichttermin. Mal gibt es einen. Mal keinen.

Zu spät

Heuer sieht es nicht nach einem Oktober-Event aus. Da die Ankündigung und die Einladungen in der Regel anderthalb Wochen vor einer Veranstaltung verschickt werden, ist es nun schlicht zu spät für eine grosse Veranstaltung im Oktober.

Eine kleine Round-Table-Präsentation mit ein paar wenigen amerikanischen Journalisten wäre aber immer noch möglich. Genauso ein November-Event. Das wäre zwar ungewöhnlich, aber das hat Apple noch nie an etwas gehindert.

Kein Produkte-Chrüsimüsi

Entscheidend ist die Frage, ob Apple genug Neuheiten hat, die gemeinsam einen stimmigen Event ergeben würden. Ein Alles-muss-raus-Event werden die gestrengen Marken-Wächter in Cupertino nicht durchwinken. Dann lieber ein paar periphere Produkte per Pressemeldung ankünden, als einen Chrüsimüsi-Event abhalten und einem wichtigen Produkt die Show stehlen.

Die entscheidende Frage (und die kann nur Apple abschliessend beantworten) ist dann auch: Was hat Apple denn noch im Köcher?

Zwei Apple-Neuheiten sind für 2019 noch gesetzt:

TV+:Am 1. November startet Apples eigener TV-Streamingdienst namens Apple TV+. Angekündigt wurde der zwar schon im Frühling, doch viele Fragen blieben damals offen. Inzwischen weiss man, der Dienst kostet 6 Franken pro Monat, doch mit dem Kauf mancher Apple-Geräte gibts ein Jahr TV+ inklusive. Wie gross das Angebot an Serien ist, zeichnet sich auch erst langsam ab. Ob die Serien wirklich so hochwertig und vor allem gut sind, wie es der Technologiekonzern verspricht, wird sich zeigen, wenn der Dienst am 1. November startet. Ein grosser Event mit Millionen von Zuschauerinnen und Zuschauern kurz vor dem Start wäre ideal gewesen, um noch einmal so richtig die Werbetrommel zu rühren. Aber vielleicht will Apple lieber etwas zurückhaltender starten und später berichten, wie viele Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer sie bereits haben?

Mac Pro: Im Sommer hat Apple den neuen Computer für Profis, den Mac Pro, für Ende Jahr angekündigt. Anders als der Streamingdienst richtet sich dieser Computer an ein Nischenpublikum: Profis, denen es nicht schwindlig wird beim Gedanken, 15'000 Franken für einen Arbeitscomputer inklusive Monitor auszugeben. Wie viel der Mac Pro in welcher Konfiguration genau kostet, ist noch offen. Fest steht nur, dass er noch vor Ende Jahr kommen soll. Da wäre ein Event ideal, um die letzten Details zu verraten und den Computer noch mal herumzuzeigen. Ähnlich wie die Formel-1-Boliden der Autokonzerne dient der Mac Pro nämlich auch dazu, Innovationspotenzial zur Schau zu stellen mit dem Hintergedanken, dass manche Neuerungen dann vorzu in tiefere Preiskategorien weitergereicht werden.

Ein Profi-Computer und ein Streaming-Dienst würden kombiniert einen sehr seltsamen Apple-Event ergeben. Die Entwicklung des Mac Pro wurde 2017 an einem Round-Table-Gespräch mit amerikanischen Journalisten angekündigt. Der neue Streaming-Dienst wurde mit viel Hollywood-Prominenz angekündigt. Die zwei Produkte passen schon mal sehr schlecht zusammen.

Was für Geräte könnten denn bei Apple noch in der Pipeline stecken?

Macbook Pro:Schon ziemlich lange hält sich das Gerücht, dass Apple an einem neuen Premium-Laptop arbeitet. Der soll einen etwas grösseren Bildschirm oder weniger Rand um den Bildschirm oder beides haben. Neu zur Gerüchteliste hinzugekommen ist eine rundum neue Tastatur. Mit den aktuellen Laptops gibt es immer wieder Meldungen über Tastaturprobleme. Apple hat sich dafür inzwischen sogar öffentlich entschuldigt und umfangreiche Reparaturprogramme lanciert. Ein neuer Laptop mit einer neuen Tastatur wäre ein dringend nötiger Befreiungsschlag. Aber will bei Apple wirklich jemand auf die Bühne stehen und sagen: «Schaut her, jetzt haben wir eine viel bessere Tastatur!»?

iPad Pro: Nach einem Jahr schon wieder neue iPad-Pro-Modelle? Persönlich hätte ich gewettet, dass es erst im Frühjahr 2020 neue Pro-iPads gibt. Dann dafür mit 5G. Wir erinnern uns: Apple brachte schon 4G zuerst im iPad und erst Monate später im iPhone. Nun gibt es aber Stimmen und Anzeichen, die darauf hindeuten, dass neue Pro-iPads doch schon heuer kommen könnten. Abgesehen vom neuen A13X-Prozessor drängen sich kaum Verbesserungswünsche auf. Eine Dreifachkamera wäre ja doch etwas übermotorisiert, nicht? Man sollte sich mit dem Kauf eines Pro-iPads auf jeden Fall noch zwei bis drei Wochen gedulden, bis klar ist, was Apple noch vorhat. Das günstigste iPad mit dem neuen 10,2-Zoll-Bildschirm kann man allerdings bedenkenlos schon kaufen. Das ist gerade erst ins Sortiment gekommen. Ein Test folgt in den nächsten Wochen.

Such-und-finde-Dinger: Diese Ankündigung war eigentlich für den September-Event erwartet worden. Da der Event überraschend kurz ausfiel, wurde spekuliert, dass die Ankündigung kurzfristig verschoben wurde. Worum geht es? Um eine Art Anhänger oder Kleber, die man an Gegenstände anbringt, die man nicht verlieren möchte. Dank dem U1-Chip in den neuen iPhones sollten sich diese Anhänger präzise orten lassen. Was sich nur schwer beschreiben lässt, dürfte im Alltag äusserst praktisch sein. Man stelle sich vor, man bekommt gerade noch rechtzeitig eine Warnung, wenn man die Kopfhörer im Zug liegen lässt oder den Wohnungsschlüssel im Büro. Da das ein relativ komplexes Produkt ist und alles andere als selbsterklärend, wird es Apple kaum per Pressemitteilung vorstellen. Gut möglich also, dass die Such-und-finde-Dinger ins nächste Jahr rutschen.

Lärmschluckende Airpods: Mit den Airpods hat Apple den drahtlosen Kopfhörern zum Durchbruch verholfen. Anfangs verlacht und mit Zahnbürsten oder Wattestäbchen verglichen, sind die weissen Kopfhörer inzwischen in sehr vielen Ohren und fallen kaum noch auf. Andere Hersteller haben nachgezogen und ähnliche Kopfhörer vorgestellt. Manche, zum Beispiel Sony, bieten sogar solche mit Noise Cancelling an. Bei Apple gibt es seit Jahren Gerüchte, dass die Airpods diese angenehme Funktion auch bekommen sollen. Es gibt auch Gerüchte, dass Apple an Over-Ear-Kopfhörern arbeitet. Beides wären ideale Weihnachtsgeschenke. Aber so gut, wie sich die aktuellen Airpods verkaufen, dürfte es Apple kaum eilig haben.

Update: Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass es bereits in den nächsten Tagen neue Airpods geben könnte. Vielleicht sogar in verschiedenen Farben.

Apple TV: Nun da die Apple-TV-Box (nicht der fast gleichnamige Streamingdienst) dank Apple Arcade und der Möglichkeit, Playstation- und Xbox-Controller zu verbinden, doch noch zur Spielkonsole geworden ist, wäre eine Variante mit leistungsfähigerer und aktuellerer Hardware sehr willkommen. Die immer noch erhältlichen Boxen kommen langsam in die Jahre. Bei der Gelegenheit könnte Apple auch die vielerorts (nicht beim Autor) ungeliebte Fernbedienung ersetzen oder mindestens verbessern. Für eine leicht verbesserte Box bräuchte es wie bei den Kopfhörern keinen eigenen Event.

Die Brille: Wenn man sich ganz ganz weit auf die Äste hinauswagt, könnte man sich vielleicht mit ganz viel Fantasie und noch mehr Wunschdenken irgendwie zusammenreimen, dass Apple die Computerbrille zeigen möchte. Ein gut mit Chinas Fabriken vertrauter Analyst behauptete kürzlich, die Brille könnte schon im zweiten Quartal 2020 auf den Markt kommen. Da wäre eine Präsentation ein paar Monate vorher nicht unüblich. Das iPhone, das iPad oder die Apple Watch wurden auch Monate vor dem Verkaufsstart angekündigt. Aber eben, die Chancen sind verschwindend gering. Dass Apple an so einem Produkt arbeitet, ist dagegen sehr wahrscheinlich. Aber das dürfte noch geraume Zeit im Labor bleiben. Die Apple Watch hat der Konzern auch ein Jahr zu früh lanciert und damit manchen Kunden vergrault und mässige Kritiken eingefahren. Mit der Brille wird er (gerade nach dem abschreckenden Google-Glass-Flop) sicher vorsichtiger sein. Zudem würde eine Ankündigung für irgendwann 2020 so kurz vor dem lukrativen Weihnachtsgeschäft zweifellos dafür sorgen, dass sich manche Kundin und mancher Kunde zweimal überlegt, ob sie eine Apple Watch kaufen oder nicht lieber auf die Brille warten sollen.

Ein Blick in die Gerüchteküche stiftet aktuell wenig Klarheit. Da gibt es zu viele teils widersprüchliche Spekulationen und wenig Konkretes oder gar Verbindliches zu Produkten und vor allem zum Timing.

Darum rate ich allen, die fragen, mit dem Kauf eines Macbook Pro oder iPad Pro die nächsten zwei bis drei Wochen abzuwarten. Aber schlussendlich ist der Gerätekauf immer eine Lotterie. Dass nur Wochen später ein viel besseres Produkt kommt, kann man nie völlig ausschliessen. Weder bei Apple noch bei der Konkurrenz.

Haben Sie Fragen zu möglichen Apple-Neuheiten, unser Autor beantwortet sie gerne auf Twitter und Telegram:

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Erstellt: 26.10.2019, 15:51 Uhr

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