Wenn sich Apps das Adressbuch holen

Entwickler von Apps für iPhone und iPad konnten über Jahre ohne Vorwarnung auf Adressbücher der Nutzer zugreifen und herunterladen. Das wurde von Apple zwar verboten, aber nicht technisch verhindert.

Je nach App werden Adressbücher kopiert: iPhone 4.

Je nach App werden Adressbücher kopiert: iPhone 4. Bild: Keystone

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Softwareentwickler Arum Thampi enthüllte vergangene Woche, dass die Social-Networking-App «Path» das komplette Adressbuch des Nutzers auf die Firmenserver kopiert – ohne vorherige Zustimmung des Nutzers. Mittlerweile muss der Nutzer aber aktiv sein Einverständnis geben, wenn die Daten übertragen werden sollen.

Liste ins Netz gestellt

US-Medien haben nun weitere Apps recherchiert, die auf das Adressbuch zugreifen und teilweise die Daten auch auf ihren Servern speichern. So schickte bislang offenbar auch Foursquare ohne Nachfrage die Einträge an die Firmen-Computer Inzwischen hat das Unternehmen ein Pop-up-Fenster in die App gebaut, das den Nutzer warnt. In einer Stellungnahme wird versichert, dass keine persönlichen Daten dauerhaft auf Servern hinterlegt werden. Thenextweb.com hat eine Liste der Apps ins Netz gestellt, die Adressdaten übertragen, und aufgeführt, ob sie den Nutzer darüber informieren.

Es sind meist Social-Media-Dienste, die tatsächlich solche Daten brauchen, damit man seine Bekannten bei ihnen finden kann. Allerdings wüssten auch die Nutzer gerne, wenn ihre gesamten Kontaktlisten irgendwo im Netz lagern, wenn auch verschlüsselt und sicher, wie die Anbieter versichern. Facebook, Linkedin, Gowalla oder Foodspotting übertragen die Daten beispielsweise nur auf ausdrücklichen Wunsch des Nutzers.

Unverschlüsselte Übertragung

Venturebeat.com ist nach der Analyse weiterer Apps gar der Meinung, dass der Zugriff aufs Adressbuch Industriestandard sei. Neben der bereits erwähnten App «Foursquare» habe auch das Fotoprogramm «Instragram» erst nach den Meldungen zur «Path»-App eine Einwilligungsfunktion eingebaut.

Noch bedenklicher findet das US-Portal allerdings, dass die Unternehmen die Möglichkeit hätten, Daten bei der Übertragung zu verschlüsseln, sich aber meist dagegen entscheiden. Das ergäbe gravierende Sicherheitsrisiken. Venturebeat.com will dem Grossteil der App-Hersteller keine böse Absicht unterstellen, doch die Übertragung und Archivierung ungeschützter Datensätze sei geradezu eine Einladung für Hacker und Kriminelle. Theverge.com gab im Test den Apps «Color», «Flipboard», «Google+», «Meebo», «Pandora», «Pinterest», «Shazam» oder «Skype» grünes Licht.

Apple will nachbessern

Die Kritik an Apple wurde nach den Berichten immer lauter, weil der Konzern den App-Entwickler keine technischen Schranken gesetzt habe. Schliesslich sind viele Menschen betroffen: Path hatte Ende vergangenen Jahres rund 300'000 Nutzer - und das iOS-Betriebssystem, mit dem die iPhones und iPads sowie der iPod touch laufen, mehr als 200 Millionen.

In einer künftigen Version der Software werde - wie bereits bei Geoinformationen üblich - der Zugriff von Apps auf Kontaktlisten grundsätzlich nur mit Zustimmung des Nutzers möglich sein, sagte der Apple-Sprecher CNET. Wenige Stunden davor hatten auch US- Kongressabgeordnete von dem Unternehmen offiziell Aufklärung gefordert.

Im vergangenen Jahr stand Apple bereits in die Kritik als bekannt wurde, dass iPhones und iPads dauerhaft alle Aufenthaltsorte ihrer Nutzer speicherten. Dem Konzern zufolge sind die Informationen notwendig, damit Ortungsdienste reibungslos funktionieren; sie seien aber durch einen Softwarefehler länger als geplant gespeichert worden. Inzwischen werden die Daten nach einer Woche gelöscht und verschlüsselt gelagert. (ah/sda)

Erstellt: 16.02.2012, 15:59 Uhr

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