Wetter-Apps im Test: Nur Buchelis Stimme fehlt

Sie stimmen nie, der Schweizer Wettergott attestiert ihnen gar Untauglichkeit – und doch haben sie alle: Wir haben vier Wetter-Apps getestet.

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Luxuriös: Weather Pro

Zahlen und Fakten

Klar sind Gratis-Apps okay. Aber sie sind halt meist durch Werbung finanziert. Und wenn es hart auf hart kommt – wettermässig gesprochen: um Sturmwinde und Starkregen geht – hilft eben doch nur die «Pro»-Version. Wobei man sich bei der WeatherPro-App wenn-schon-denn-schon das Premium-Jahresabo leisten sollte. Weil einem so nämlich eine 14-Tage-Prognose für weltweit über zwei Millionen Orte zur Verfügung steht. Plus Wetterkarten, Radar- oder Satellitenbilder, das Ski- und Badewetter, Niederschlags- und Windströmungsfilme. Und das selbstredend werbefrei. Tja, das kommt davon, wenn mit Meteo-Group Europas grösster privater Wetterdienst all seine State-of-the-Art-Ressourcen in ein Prognose-Programm steckt.

Für iOS, Android, Windows; Light­version gratis, Standardversion 1 Franken, Premiumversion 9 Franken pro Jahr.

Prototypische Nutzer

Aktuelle User-Zahlen gibt es nicht, sie dürften aber aufgrund der Popularität der App bei mehreren Millionen Menschen liegen. Für die meisten ist diese App dabei ein reines Status-Symbol, frei nach dem Motto: «Wieso soll ich den Daewoo nehmen, wenn ich auch den Rolls Royce haben kann?»; sie machen von den meisten Gadgets niemals Gebrauch. Für Wetterfühlige jedoch sind diese Dienstleistungen wie Antidepressiva – die hellen die Stimmung auf.

Coolness-Faktor

Wie bereits erwähnt: Es ist der Rolls-Royce (oder, je nach Vorliebe, der Dreamliner, der Heiko Nieder, das Burj Al Arab Jumeirah in Dubai oder der Large Hadron Collider in Genf) der Wetter-Apps – cooler geht nicht.

Möglicher Werbeslogan

«WeatherPro – alles andere ist Klimawandel.»

Das fehlt

Eigentlich nichts … aber eine Hotline, bei der eine Art Siri mit Jörg Kachelmanns Stimme Wetter- und Klimafragen beantwortet, wär schon noch geil. (thw)


Kultig: Landi Wetter

Zahlen und Fakten

Die Wetter-App der Landi wurde von der Swiss-Development GmbH konzipiert und entwickelt, die Daten stammen von der Meteonews AG. Trägerschaft ist die Fenaco Agrargenossenschaft (Slogan: «natürlich nah»). Die App ist gratis und hat den Charakter jedes typischen Landi­-Produkts: Gmögig, handlich, schlicht und praktisch. Via GPS-Ortung stellt sie den Standort des Users fest. Im obersten Fenster präsentiert sie eine Schnellübersicht mit den Wetteraussichten sowie Tiefst- und Höchsttemperaturen für die nächsten 12 Tage. Direkt darunter findet man links einen (verblüffend genauen) Niederschlagsradar mit einer auch manuell steuerbaren Prognosespanne von über 24 Stunden, rechts davon eine Temperatur­karte (deren Sinn sich nicht restlos erschliesst). Eine Etage weiter ist eine im geschwurbelten Fachjargon verfasste Prognose zu lesen. Schliesslich, zuunterst und gut versteckt, das Nonplusultra: Ein Video mit der Wetterfee, das dreimal täglich aufdatiert wird.

Für iOS, Android, Windows; gratis.

Prototypische Nutzer

«Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht» – dieses Bonmot ist bekannt. Weniger geläufig: Was der Bauer kennt (und mag), dem hält er eisern die Treue. So auch der Wetter-App von Landi: Selbst wenn andere virtuelle Petrusse ab und zu präziser prognostizieren – unsere Landwirte (und deren Fans) schwören auf die kleine Grüne.

Coolness-Faktor

Kann cool sein, was gmögig, handlich und schlicht ist? Die Jungen würden sagen: «No way!» Wir Älteren lächeln milde und denken: «Aberschosicher!»

Möglicher Werbeslogan

«Landi – da weiss man, was man hat!»

Das fehlt

Wenn man schon eine Videofenster integriert, könnte man da doch als Alternativprogramm auch mal den Dokfilm «Wätterschmöcker» oder Staffeln der «Landfrauenküche» zeigen. (thw)


Seriös: Meteo Schweiz

Zahlen und Fakten

Das Progrämmchen von Meteo Schweiz ist die Steuererklärung unter den Wetter-Apps. Es gibt in der Version 2.3.2 schampar viele Möglichkeiten – Diagramme, Grafiken und Parameter – und doch ist alles aufgeräumt und ordentlich, schlicht und beinahe langweilig, so wie man sich das von einer eidgenössischen Applikation wünscht. Das beste, gerade im Vergleich zur Steuererklärung: Die rund 6 Millionen Nutzerinnen und Nutzer erhalten am Schluss etwas. Eine ordentliche und verlässliche Prognose dessen, was auf sie zukommt. Wobei: Auch hier sind Parallelen zu Private­Tax auszumachen. Dort gibt es am Schluss die Prognose, dass man ordentlich etwas an den Staat abdrücken muss. Zum Beispiel um diesen Wetterdienst zu finanzieren.

Für iOS, Android, Windows; gratis.

Prototypische Nutzer

Ich. Und all die anderen, die an einer Wetter-App neben dem Ausblick das Unmittelbare schätzen: Sie konsultieren den Niederschlagsradar, der mehr als 24 Stunden in die Zukunft reicht. Hier findet man zuverlässig Fenster, um die Einkäufe, Kinder, neue Frisur im Trockenen nach Hause zu bringen. So es diese Fenster denn überhaupt gibt.

Coolness-Faktor

Die Temperatur-Diagramme sehen ein bisschen aus wie Börsenkurse. Und wenn Sie genug cool sind, dann kaufen Sie im Tram am Paradeplatz für alle hörbar ein Paket Put-Optionen auf ein goldenes Herbstwochenende. Wenn Sie im volatilen Wetterbusiness mittun wollen, ist diese App unabdingbar.

Möglicher Werbeslogan

«I wett i hett es Meteo-Schwiiz-Äpp.»

Das fehlt

Die Möglichkeit, sich das aktuelle ­Wetter auf Knopfdruck wahlweise von Rubli und Bucheli, Gian und Giachen, Kliby und Caroline oder Siegfried und Roy vorlesen zu lassen. (bra)


Eigenständig: Meteoblue

Zahlen und Fakten

Meteoblue, wusste jemand, sei bei Bergsteigern und Wanderern sehr beliebt. Bergsteiger und Wanderer teilen sich auf der Liste der beliebtesten Berufe den zweiten Rang, gleich nach Förster. Allen drei Berufen ist eine gewisse Grundglaubwürdigkeit gemeinsam. Meteoblue wurde von der Uni Basel entwickelt, sie erlangte bei Wissenschaftlern, und «Wetter-Profis wie Bergsteigern, Piloten und Astronomen» schnell grosse Beliebtheit. 2006 wurde Meteoblue ein eigenständiges Unternehmen, seit 2008 bietet es ortsgenaue Vorhersagen für mehr als 5 Millionen Orte weltweit an. Die App ist «nur» «für die schnelle Betrachtung von Ortsvorhersagen und wo die Übertragungsbandbreite begrenzt ist», auf dem Web bietet Meteoblue unendlich viele zusätzliche Features.

Für iOS, Android; gratis

Prototypische Nutzer

Sicher Wanderer und Bergsteiger, wahrscheinlich auch Förster, alles Menschen mit gutem Schuhwerk.

Coolness-Faktor

Die Verbundenheit mit der Natur ist cool genug. Da muss das Design, nun, ... Sagen wir es so: Das steht bei den Nutzern nicht im Vordergrund. Grün und Gelb auf dunkelblauem Grund – erinnert chli an die Landi. Und die ist gut, aber nicht cool. Cool ist dieses Feature: Where2go. Es zeigt das beste Wetter im Umkreis eines Ortes auf.

Möglicher Werbeslogan

Für Wanderer: «Wotsch in Sache Näbel sicher si, häsch uf dim Händy Meteoblue däbi.» Für Bergsteiger: «Wotsch nöd, dass dich än Wätterfrosch am Seil abelaat, häsch uf em Händy Meteoblue parat.» Für Förster: «Meteoblue isch fürs Wätter, was d’Chettesagi für de Wald: Es geils Gädschet.»

Das fehlt

Ein Slogan für Fischer. (bra)

Erstellt: 17.10.2018, 18:36 Uhr

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