WLAN aus dem Wanderrucksack

Der HTC-Hotspot versorgt alle Geräte in seiner Nähe mit schnellem Internet. Und er kann sogar 5G – wenn man eine Antenne findet. Wir haben ihn getestet.

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Dieser Artikel erschien erstmals am 27. Juli 2019.

Nach einer strapaziösen Reise mit überfüllten, zu kurzen oder gar ausgefallenen Zügen endlich im Tessin eingetroffen, war der Moment meines Triumphes gekommen.

«Na, wie war das Internet so auf der Reise und vor allem unter dem Gotthard?» – «Na ja, normal halt», antwortete die Verwandtschaft. «Ist euch wirklich nichts aufgefallen?» Unisono: «Nein.»

Manchmal ist das Leben eines Produkttesters frustrierend. Mindestens jemand der Reisegruppe hätte doch merken können, dass wir die ganze Reise über per WLAN im Internet waren.

Ich hatte nämlich den von Sunrise ausgeborgten HTC-5G-Router im Rucksack und etwas hinterhältig das WLAN gleich benannt wie das bei uns zu Hause, auf dass sich die Handys automatisch damit verbinden. So war die ganze Verwandtschaft die ganze Zugfahrt über mit meinem Rucksack und nur indirekt mit Handyantennen verbunden. Diese Methode wird gerne auch für Betrügereien und andere düstere Machenschaften genutzt. Auf meinem iPhone tauchte aber, im Tessin angekommen, umgehend die Warnung auf, dass sich unser Heim-WLAN an einem unerwarteten Standort befinde.

Guter Mini-TV für unterwegs

Im Prinzip funktioniert die Box wie ein Handy mit aktiviertem Hotspot. Ja, sie ist eigentlich ein aufgemotztes Handy mit mehr Akku, einem deutlich grösseren Gehäuse und nicht zuletzt einem Lüfter, der gelegentlich anspringt, um die Box zu kühlen.

Als Software dient Android, und auch die Chips im Inneren kennt man von Smartphones. Man kann sogar Apps installieren. Etwa Youtube für Videos oder Tunein für Radio. Da die Box nebst dem Bildschirm auch passable Lautsprecher hat, eignet sich die Box gar als Mini-TV für unterwegs.

Selbst in der hintersten Ecke der Altbauwohnung gab es ausreichend schnelles Internet.

Dank einer Art Stoffüberzug sieht die Box überraschend gut aus. Der Stoff ist dabei stabiler und rissfester, als man vielleicht meinen könnte. Selbst im übervollen Wanderrucksack nahm das Testgerät keinen Schaden. Es wurde einzig ziemlich heiss. Aber dafür hat es ja einen Lüfter.

Dass im Gerät die neusten Handyprozessoren und ein 5G-Modem stecken, schlägt sich auf den Preis nieder. Ähnlich wie die ersten 5G-Smartphones ist auch die HTC-Box kein Schnäppchen. 840 Franken verlangt Sunrise allein für das Gerät. Die Anbieterin hat die Box exklusiv im Angebot. Hinzu kommen dann noch Datenabos. Es empfiehlt sich also, vor einem Kauf genau zu rechnen oder noch etwas zu warten, bis die Preise für 5G-Geräte sinken werden. Aber zu den Ersten zu gehören, ist nun mal immer etwas teurer.

Glasfaser heimlich ersetzt

Ein paar Tage vor der Testfahrt ins Tessin habe ich dasselbe Experiment schon bei uns zu Hause durchgeführt: den Glasfaseranschluss heimlich vom Netz genommen und unseren Haushalt mit allerhand WLAN-Geräten (rund 20) über die HTC-Box laufen lassen. Auch da hat erst niemand etwas bemerkt.

Das Badezimmerradio, der Apple TV, der Google Home Hub und natürlich alle Handys, Tablets und Laptops liefen wie immer. Selbst in der hintersten Ecke unserer Altbauwohnung hatten wir mehr als ausreichend schnelles Internet.

Aufgeflogen ist mein Experiment erst, als die Oma der Junioren zu Besuch kam und feststellte, dass das WLAN nicht mehr bis vor die Haustür reicht. Für gewöhnlich schickt sie nämlich eine Kurznachricht im Familienchat, um die Kleinen nicht beim Mittagsschlaf mit der Türklingel zu wecken. Doch ohne WLAN ging das mit ihrem Abotyp natürlich nicht mehr.

In unserem Alltag hat die Box trotzdem bestens funktioniert und sogar den Glasfaseranschluss probehalber ersetzen können. Datenlimiten gebe es übrigens nicht, versichert Sunrise auf Nachfrage. Tatsächlich ist mir im Test nicht aufgefallen, dass wir ausgebremst oder gar vom Netz abgeschnitten wurden. Obwohl ich nun wirklich nicht sparsam mit Daten umgegangen bin. Und während der Ferien schon gigabyteweise Fotos in mehreren Clouds gesichert habe.

Der HTC-5G-Hotspot bedient die ganze Familie im Zug per WLAN mit Internet. Foto: Rafael Zeier

Hätten wir nicht schon ein deutlich günstigeres Glasfaser­abo, wäre ich nun sehr versucht, auf so eine Box umzusteigen. Das ist umso erstaunlicher, da ich die namengebende Funktion im Alltag gar nicht testen und erleben konnte: 5G.

Weil es bei uns in St. Gallen und auf der Reise ins Tessin noch keine 5G-Masten hat, wurde aus der 5G-Box eine 4G-Box. Möchte man das noch mal schnellere 5G-Tempo testen, muss man sich auf einer Karte eine Antenne suchen. Noch gibt es erst wenige. Aber auch ohne 5G gefiel die Box schon sehr. Allerdings gibt es von diversen Herstellern schon lange portable 4G-Hotspots, die noch eine ganze Spur billiger sind als die getestete 5G-Box. Andrerseits sind die natürlich nicht so zukunftssicher.

Trotzdem lässt einen die HTC-Box schon jetzt etwas in die Zukunft blicken. Mit 5G und allen möglichen Geräten mit eigener Internetverbindung wird das Smartphone unweigerlich an Bedeutung und Aufmerksamkeit verlieren. Doch bis alle (vor allem die portablen) Geräte selber ins Netz gehen, braucht es nicht nur Zeit, sondern auch Übergangslösungen. So gesehen, ist vielleicht nicht ein futuristisches, hauchdünnes und elegantes Glas- und Stahlgerät das Smartphone der Zukunft, sondern genau so etwas wie die 5G-Box.

Sind Kabelanschlüsse bald passé?

Ein ausdauerndes, portables und vor allem pragmatisches Gerät, das andere Geräte mit Internet und vielleicht auch Rechenleistung versorgt. Wenn dereinst smarte Brillen, Uhren oder Kopfhörer unsere wichtigsten Geräte sind, könnte so eine Box im Hintergrund die Fäden ziehen und den so filigranen wie akkuschwachen Geräten entlastend unter die Arme greifen.

Und für den eigenen Haushalt stellt sich für mich nach den Experimenten mit der 5G-Box mehr denn je die Frage, welche Rolle Kabelinternet in den kommenden Jahren noch spielen wird. Einpersonenhaushalte oder Studentenwohnungen kommen schon heute gut mit einem Handy als Hotspot aus. Das klappt leidlich, solange nur ein paar wenige das machen. Aber mit 5G wird das für noch mehr Haushalte möglich, und wer weiss, was 6G bringt.

Erstellt: 01.10.2019, 17:55 Uhr

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