435 Quadratzentimeter gutes Gewissen

Ein Solarpanel erzeugt Strom für das Smartphone – und lässt Bäume wachsen.

Karitatives Kraftwerk: Pro 400 Wattstunden wird ein Baum gepflanzt.

Karitatives Kraftwerk: Pro 400 Wattstunden wird ein Baum gepflanzt. Bild: PD

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Das Gewissen hat einen schweren Stand. Bei unseren Entscheiden als Smartphone- und Tabletnutzer hat es nur selten wirklich die Oberhand. Im inneren Zwiegespräch unterliegt es entweder der irrationalen, kindlichen Freude an Gadgets oder der eiskalt kalkulierten, rationalen Nutzenrechnung. Doch ganz zum Schweigen bringt man das Gewissen nicht – ab und zu fragt man sich zum Beispiel: «Wie viele Stunden die Woche arbeitet wohl jemand, der diese Teile zusammensetzt und zu welchem Lohn?», «Woher stammen eigentlich all die dafür nötigen Rohstoffe und unter welchen Bedingungen werden die abgebaut?» oder «Muss es wirklich sein, dass meine Gadgets so viel Strom verbrauchen?»

Die Sonne lädt das iPhone

Zumindest jene Gewissensbisse, die den Stromverbrauch betreffen, lassen sich lindern. Etwa mit dem Solarpanel der Firma Element 5 aus Stäfa. Seit 2006 stellt das Jungunternehmen bereits Solar­taschen her und bietet neu auch ein handliches Solarpanel für zu Hause an. Dessen Solarzelle misst 15 x 29 cm – das gute Gewissen misst 435 Quadratzentimeter. Das ganze Panel samt Rand ist etwas grösser als ein A4-Papier und wird mit zwei Saugnäpfen beispielsweise an einem Fenster fixiert. Der vom Sonnenlicht produzierte Strom gelangt über ein Kabel in einen bohnenförmigen, weissen Akku, wo er zwischen­gespeichert wird. Daran wiederum schliesst man mit einem passenden USB-Kabel sein Smartphone oder Tablet an, um es zu laden. Für einen Laptop oder andere grössere Gadgets liefert das Panel allerdings nicht genug Saft.

Wir haben das Solarpanel ausprobiert und sind zufrieden damit. Es ist an einem Fenster mit Südausrichtung angebracht, wo es von morgens bis in den späten Nachmittag Sonne hat – sofern diese scheint. An einem wolkenfreien Tag kommt genug Strom zusammen, um das Smartphone aufzuladen, auch wenn es gefühlt etwas langsamer geht als an der Steckdose.

Dem 26-jährigen Pascal Landolt zufolge, einem der Gründer von Element 5, sollen bei voller Leistung sogar drei Stunden Sonne reichen und bei Bewölkung innerhalb eines Tages immer noch genug Strom für eine Smartphone-Ladung zusammenkommen. Ist der Akku voll, geht das Laden gleich schnell wie am Stromnetz. Besonders praktisch ist, dass sich der Akku vom Panel trennen lässt. So kann man sein Telefon oder Tablet damit laden, wo es gerade passt. Selbstverständlich lässt sich das Panel selbst auch an verschiedenen Orten nutzen, etwa im Auto oder unterwegs beim Picknick.

Die inneren Werte zählen

Ästhetisch wertet das weisse, mit den Herstellerlogos bedruckte Panel die Wohnung nicht gerade auf, doch man verzeiht es ihm angesichts dessen, dass man damit gleich mehrere gute Taten vollbringt. Es ist in Kooperation mit der Berliner Firma Changers entstanden. In der gleichnamigen Webcommunity können sich Solarpanel-Inhaber über die von ihnen produzierten Kilowattstunden Strom austauschen. Wer seinen Panel-Akku an den PC anschliesst und auf Changers.com registriert, kann sich fortan mit anderen darin messen, möglichst viel Solarstrom zu generieren. Meine ersten 22 Wattstunden bescheren mir immerhin Rang 454 auf der globalen Liste.

Doch damit nicht genug. Element 5 geht noch einen Schritt weiter. Je mehr Solarstrom die Element-5-Community produziert, desto grosszügiger unterstützt der Hersteller gemeinnützige Projekte in Schwellenländern. Pro 400 Wattstunden wird in Brasilien ein Baum gepflanzt, bei 800 ein zweiter gesetzt und zudem einem Kind in Indien einen Monat lang die Schule finanziert. Und bei 50'000 Wattstunden wird in Kamerun ein Brunnen gebaut. Das Solarpanel ist das erste Produkt, mit dem die Nutzer zu diesen Projekten beitragen können, künftig soll das auch mit den Solar­taschen von Element 5 möglich sein.

Gefertigt werden die Panels übrigens in Deutschland, gewisse Innenteile des Akkus stammen aus China. Pascal Lan­dolt versichert, dass «Produktions- und Umweltbedingungen von persönlichen Kontakten vor Ort überwacht» werden. Einem guten Gewissen, zumindest einem ruhigeren als zuvor, steht also nichts im Weg.


Changers Starterkit von Element 5, Solarpanel mit Akku und Energiezähler, diverse Verbindungskabel, 179 Franken bei E5resource.com oder www.digitec.ch.

Erstellt: 05.11.2012, 08:42 Uhr

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