«Als würde ein Schleier vor dem Bild weggezogen»

«Digitalpapst» Albrecht Gasteiner über den HDTV-Nachfolger 4K, die Kehrseite von Riesenbildschirmen und ungeahnte Qualitäten von preisgünstigen Durchschnittskameras.

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Albrecht Gasteiner, an der CES waren die 4K-Fernseher das grosse Thema. Ist Ultra-HD wirklich das «Next Big Thing»?
Ganz offensichtlich. Alle bedeutenden Hersteller zeigten in Las Vegas mindestens ein 4K-Modell, sogar chinesische Unternehmen mischen mit. Die ganz grossen, etablierten Weltmarken haben schon Modelle in verschiedenen Grössen. Das zeigt, dass es die Branche ernst meint. Nach dem Sprung von Standardqualität zu HDTV kündigte sich in Las Vegas der nächste Schritt an: von HDTV zu Ultra-HD. Wobei sich pikanterweise die Geschichte offenbar wiederholt: Zu Beginn des HDTV-Zeitalters waren HD-Programme Mangelware, heute erleben wir dasselbe. Wenn die neuen Bildschirme im Laufe des Jahres langsam in die Läden kommen werden, wird es kaum Programmmaterial in dieser neuen Qualitätsklasse geben.

Dann hat der Konsument von einem 4K-Fernseher noch gar nichts?
Doch, denn alle Ultra-HD-Geräte bieten eine Upscaling-Funktion. Konventionelle HD-Programme werden von einer aufwendigen Elektronik auf, sagen wir einmal Pseudo-4K hochgerechnet. Das liefert eindrückliche Ergebnisse.

Aber es ist schon klar, dass Original-UHD-4K-Programme dann noch einmal deutlich schärfer und detailgenauer sind.
Ja. Darum arbeitet die Contentindustrie fieberhaft daran, so rasch wie möglich Filme aller Art und Videospiele als 4K-Material anzubieten. Sei es auf Discs, sei es via Downloads. Aber wir sollten nicht vergessen, dass es auch schon Ultra-HD zum Selbermachen gibt: Es sind bereits 4K-Camcorder im Handel, und schliesslich zeigt Ihnen der 4K-Bildschirm – und nur dieser – die Fotos aus Ihrer Digitalkamera in bester Auflösung

Was meinen Sie mit «bester Auflösung»?
Selbst preisgünstige Durchschnittskameras liefern Bilder, die viel mehr Feinheiten enthalten, als Sie das auf einem Computermonitor oder einem Full-HD-Bildschirm jemals sehen werden. Erst der 4K-Bildschirm mit seinen 8 Megapixeln zeigt Ihnen, wie scharf die Fotos in Wirklichkeit sind. Es ist, als würde ein Schleier vor dem Bild weggezogen, ein wirklich tolles Erlebnis.

Die Auswahl an 4K-Fernsehern wird riesig sein. Worauf muss der Käufer achten?
Eigentlich auf die gleichen Punkte, die bereits heute die Wahl eines Fernsehgerätes bestimmen: Welche Grösse ist für mich die richtige, welches Design gefällt mir, welche Sonderausstattungen hätte ich gern, und so weiter. Die Ultra-HD-Geräte werden sich in ihrer Bildqualität voneinander unterscheiden. Es ist zu erwarten, dass es besonders im Bereich der aufwendigen Upscaling-Elektronik – beim  Hochrechnen von HD-Inhalten – deutliche Unterschiede geben wird. Wer da wohl die besten Resultate liefern wird?

Neben 4K scheint sich auch an der CES das Motto «Big is beautiful» fortzusetzen. Die Fernseher werden immer grösser und sogar die 4K-Modelle sind riesig.
Das ist auch richtig so, denn erst auf grossen Bildschirmen kommt der faszinierende Detailreichtum der Bilder wirklich zur Geltung. Spielfilme werden für die Wiedergabe auf grossen Leinwänden produziert, sie entwickeln im Wohnzimmer nur auf einem sehr grossen Bildschirm ihre volle Faszination. Zusammen mit Surround-Sound ist das wirklich umwerfend. Das eindrucksvolle Riesenbild hat aber auch eine Kehrseite. Denn anders als Spielfilme werden Fernsehprogramme seit jeher für relativ kleine Bildschirme produziert. Wenn man die auf einem zwei Meter breiten Bildschirm wiedergibt, kann der Kopf eines Nachrichtensprechers durchaus bedrohliche Ausmasse annehmen.

Das bedeutet?
Wenn extrem grosse Bildschirme im Wohnzimmer zur Normalität werden – und das ist, wenn auch erst in etlichen Jahren, durchaus wahrscheinlich –, dann muss sich mit der Zeit auch die Produktion von Fernsehsendungen dieser neuen Situation anpassen. Für die Zukunft ist abzusehen, dass der Bildschirm eines Tages eine ganze Wand im Wohnzimmer ausfüllen wird. Für die Übertragung eines Fussballspiels wird es nur noch eine einzige Kamera brauchen, die das gesamte Spielfeld einfängt. Der Zuschauer sitzt dann sozusagen auf dem besten VIP-Platz und kann von seiner Loge aus das gesamte Geschehen optimal verfolgen.

Wie geht es mit Oled weiter?
Die Einführung dieser neuen Technik erfolgt deutlich langsamer, als man das vor einem Jahr erwartet hat. Aber immerhin geht es jetzt los. LG beginnt in Korea noch in diesem Monat mit dem Verkauf, im März sind die USA dran. An der CES wurden sogar Modelle mit leicht geschwungenem Bildschirm gezeigt.

Die Messe aller Dinge: Lesen Sie hier das Dossier zur Consumer Electronics Show, die am 11. Januar zu Ende ging. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.01.2013, 12:17 Uhr

Albrecht Gasteiner ist Gründer des HDTV-Forums Schweiz. (Bild: Anatol Heib)

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