Amazon lauscht im Wohnzimmer

Mit einem sprachgesteuerten Lautsprecher zeigt Amazon, wo das Unternehmen in Zukunft hinwill.

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Amazon wandelt in den Fussstapfen von Siri und Co. Das US-Unternehmen hat eine Art persönlichen Assistenten vorgestellt, der wie die Apple-Konkurrenz auf Sprachbefehle reagiert. Zum Repertoire von Echo gehört unter anderem das Vorlesen von Nachrichten, das Steuern von Musikplayback oder das Erstellen von To-do-Listen.

Vor allem aber reagiert Echo auf einfache Fragen in natürlicher Sprache. Etwa: «Wie spät ist es?» oder «Wie hoch ist der Mount Everest?» Damit das klappt, hört Echo ständig mit, was seine Besitzer sagen. Echos Stärke, durch eine Cloud-Anbindung die Rechenkapazitäten in Amazons Serverzentren zu nutzen, weckt darum Datenschutzbedenken.

Echo hört ständig mit

Zwar horcht Echo offenbar auf ein selbst wählbares «Aufwachwort», bevor es eine Sprachaufzeichnung an die Amazon-Server verschickt – in einem Amazon-Werbevideo auf den Namen «Alexa». Um das Kommando zu identifizieren, muss das Gerät allerdings laufend jedes Geräusch im Raum überwachen. Und auch wenn die Beschränkung mit dem Aufwachwort greift: Fetzen einer parallel im selben Raum geführten Unterhaltung könnten sich leicht unter die hochgeladenen Sprachbefehle mischen. In den sozialen Medien finden sich denn auch erste Reaktionen, die der Echo-Idee kritisch gegenüberstehen.

Amazon hat sich für seinen Sprachassistenten eine zunehmend populäre Hardwareplattform ausgesucht, die drahtlose Audio-Box. Echos Funktionen fussen passend dazu auf seinem Bau als Lautsprecher: Das Augenmerk liegt auf Service, der per Sprachausgabe funktioniert, und – wenig überraschend – dem Abspielen von Musik. Der 360-Grad-Lautsprecher spielt Amazons eigenen Musikdienst Prime Music, aber auch weitere Anbieter wie iHeartradio oder Tunein – gesteuert wird die Wiedergabe per Sprachbefehl oder per App für Android oder Amazons hauseigenes Firephone. Echo spielt auf Wunsch beliebige Radiosender oder Künstler, versteht aber auch generische Befehle wie «Rockmusik abspielen». Das Gerät enthält wie viele Hi-Fi-Produkte zwei Lautsprecher, je einen für Tiefen und Höhen.

Auch auf dem Smartphone

Sieben Mikrofone im oberen Teil des 24 Zentimeter hohen Zylinders sorgen für die Rundum-Lauschfähigkeiten. Echo kommt fast ohne physische Steuerungselemente aus. Die Lautstärke wird durch einen Ring auf der Oberseite justiert, ein Mikrofon-Aus-Knopf macht Echo auf Wunsch taub. Die Steuerung funktioniert in diesem Fall nur noch über die Begleit-App. Weiter verfügt Echo neben Wi-Fi auch über eine Bluetooth-Schnittstelle.

Die Sprachsteuerung ist unter Techkonzernen ein kräftig beackertes Feld. Nach Apples Siri und Googles Pendant hatte zuletzt Microsoft nachzogen und stellte diese Jahr Cortana vor. Da diese Produkte sämtlich auf mobile Geräte zielen, ist zu erwarten, dass Amazon die Echo-Software bald auch auf den eigenen Smartphones und Tablets nachreichen wird. Das Onlinemagazin «The Verge» spekuliert bereits, dass Amazon grosse Pläne mit der Technologie habe und dereinst wohl auch Fernseher oder gar Paketlieferdrohnen auf Sprachbefehle reagieren werden. Für Amazon ist es essenziell, durch den Verkauf von Hardware wie E-Readern oder anderen Geräten auch physisch in der Umgebung seiner Kunden vertreten zu sein. Da der Verkauf digitaler Güter zunehmend wichtiger wird, profitieren Unternehmen, die diese nah am Kunden anbieten können.

Wanzen im Wohnzimmer

Echo ist nicht das erste Gerät, das im Wohnzimmer auf Befehle wartet. Spielkonsolen der neusten Generation wie die Xbox One oder die Playstation 4 erlauben auch Spracherkennung. Beide Geräte können per Kommando aus dem Standby geweckt werden. Besonders beim Start der Xbox traf diese Idee auf Kritik aus den Reihen der Spieler. Microsoft-Manager Phil Harrison betonte allerdings, dass die Konsole nur auf das Kommando «Xbox on» warte und ungefragt keine Sprache aufzeichne und versende: «Wir spionieren niemanden aus.»

Spracherkennung gehört mittlerweile zum Standardrepertoire zahlreicher mobiler Geräte und wird teilweise nicht einmal mehr stark beworben. Android-Smartphones reagieren auf Wunsch auf das Kommando «Okay, Google». Und mit iOS 8 bringen Apples iPhones die Fähigkeit mit, auf «Hey, Siri» den gleichnamigen Assistenten zu öffnen. Voraussetzung ist, dass man das Feature zunächst in den Einstellungen aktiviert.

Datenschutz in den USA weniger ein Thema

Dass Amazon Echo zunächst in den USA auf den Markt bringt, dürfte kein Zufall sein. Zum einen pflegt das Unternehmen diese Strategie auch mit seinen anderen Produkten, etwa den Smartphones und Tablets der Fire-Reihe. Zum anderen ist das Thema Datenschutz für amerikanische Konsumenten traditionell weniger wichtig als in Europa oder besonders im deutschsprachigen Raum.

Echo soll in den kommenden Wochen in den USA in den Handel kommen, für einen Preis von 199 Dollar. Amazon hat eine Anmeldeseite für Vorbestellungen eingerichtet. Zu einem Verkaufsstart in Europa oder zu einer Unterstützung von anderen Sprachen als Englisch ist zur Stunde noch nichts bekannt.

Erstellt: 07.11.2014, 14:53 Uhr

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