«DAB im Tunnel wird kommen»

Die grösste Lücke in der DAB-Versorgung soll rasch geschlossen werden, bis dann springt UKW in die Bresche.

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Wird man als Hörer von den UKW‑Angeboten abgeschnitten, wenn man ein DAB+-Radio kauft?

Keine Angst, das ist nicht der Fall. Jedes Gerät, das DAB+ empfangen kann, empfängt auch alle UKW-Programme der jeweiligen Region. Im Ausland, wo die DAB+-Abdeckung noch nicht so gut ist wie in der Schweiz, hört man also einfach wie bislang Radio über UKW.

In der Schweiz ist die Abdeckung mit DAB+ gut, doch in den Strassentunneln bleibt es bei UKW. Was ist dort so schwierig?

Grundsätzlich wäre es einfach. Aus Sicher­heits­gründen ist jedoch vorgeschrieben, dass die Tunnel-Leitstelle Durchsagen an die Radiogeräte im Tunnel machen kann. Die Ausrüstung der Tunnel gestaltet sich deshalb aufwendiger und nimmt mehr Zeit in Anspruch. Eine Reihe von Stadt- und Autobahntunneln ist bereits mit DAB+ versorgt. Im Juli wird das Bundesamt für Strassen die Richtlinie für die Ausrüstung der Nationalstrassentunnel in Kraft setzen. Danach sollen diese im Rahmen der Unterhaltsplanung ausgerüstet ­werden. Geplant ist, dass DAB+ 2018/19 in den wichtigsten Tunnels empfangbar ist.

Auch der Empfang im Innern von Gebäuden lässt zu wünschen übrig. Warum höre ich DAB+ im Schlaf­zimmer, aber nicht im Bad?

Derzeit sind in der Schweiz über 550 DAB+-Radio-Modelle in allen Preis­klassen erhältlich. Es gibt grosse Unterschiede bei der Qualität. Ein qualitativ hochstehendes, modernes Gerät kann schwierige Empfangssituationen oft entschärfen. Ein schwacher Empfang im Gebäudeinnern ist kein DAB+-spezifisches Problem, es besteht bei UKW genauso.

Beliebte deutsche Sender reichen auf UKW weit in den Raum Zürich, aber nicht auf DAB+.

Das hängt davon ab, welche Sender in Grenznähe welche Programme verbreiten. Empfangbar sind üblicherweise nur die einheimischen Radioprogramme. Denn Funkfrequenzen sind historisch bedingt nur innerhalb nationaler Grenzen nutzbar. An der ITU Regional Radio Conference 2006 wurde beschlossen, möglichst viele digitale Radiosignale pro Land zu nutzen. Versorgungen über Landesgrenzen hinweg waren grundsätzlich nicht vorgesehen.

DAB+ könnte Text und Bilder ­übertragen. Warum sieht man ­davon noch nichts?

Einige Zusatzdienste wie die Übermittlung von Songtiteln, CD-Covern oder Breaking News sind bereits on air. Weitere Anwendungen werden derzeit entwickelt. Wer solche Services in Zukunft nutzen möchte, sollte beim Kauf eines DAB+-Radios auf ein grösseres Farb­display achten.

Dass zuerst DAB eingeführt wurde und dann DAB+, hat das Publikum verärgert. Gab es keinen Weg für einen kompatiblen Übergang?

Leider nein. Sonst hätten wir ihn beschritten. Seit 2009 werden alle Privatradioprogramme in DAB+ ausgestrahlt. Die SRG hatte sich verpflichtet, den Wechsel Ende 2012 zu vollziehen. Sie verbreitet in der Deutschschweiz aber die Programme SRF 1, SRF Musikwelle und SRF 4 News noch bis 2015 parallel über DAB und DAB+. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.06.2014, 02:53 Uhr

Managing Partner bei MCDT. Die SRG-Tochter­firma bündelt alle Kräfte rund um Digitalradio in der Schweiz und vernetzt die Branche.

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