Der Fluch von Las Vegas

Die grösste Technikmesse in den USA sollte eigentlich ein gutes Sprungbrett für neue Produkte sein. Viele in der Vergangenheit präsentierte Produkte konnten die Hoffnungen indes nicht erfüllen.

Im Gegensatz zu Microsoft-Chef Steve Ballmer hält er an der CES fest: Sony-Chef Howard Stringer.

Im Gegensatz zu Microsoft-Chef Steve Ballmer hält er an der CES fest: Sony-Chef Howard Stringer. Bild: Keystone

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Die grösste Messe in den USA sollte eigentlich ein gutes Sprungbrett für neue Produkte sein. Genau das war die International Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas aber in den letzten Jahren nicht. Sie war eher eine Showbühne für Dinge, die wenig später wieder scheiterten. Es bleibt also noch abzuwarten, welche der von den 2'800 Ausstellern angepriesenen Neuerungen sich tatsächlich durchsetzen können.

Von vielen Stars vergangener Jahre ist jedenfalls nicht viel übrig geblieben. 2009 waren die Netbooks, die kleinen, billigen Notebooks, der Renner auf der CES. Ein Jahr hielt der Boom an, dann machte 2010 das iPad von Apple diese Kategorie überflüssig.

Das Warten auf den 3-D-Durchbruch

Mit grosser Spannung wurde 2009 auch die Vorstellung des Betriebssystems WebOS von Palm erwartet, welches die Basis einer neuen Generation von Smartphones werden sollte. Die Geräte bekamen allerdings nur gute Kritiken, der Absatz war schlecht. Ein Jahr später wurde Palm an Hewlett-Packard verkauft, das die Produktlinie 2011 einstellte.

2010 waren es dann die 3D-Fernseher, die für grosses Aufsehen sorgten. Die Hersteller hofften von der Popularität von 3D-Filmen wie «Avatar» profitieren zu können. Die Absatzzahlen blieben aber enttäuschend, auch weil es noch zu wenig in 3-D zu sehen gab. Verschwinden wird die Technik nicht, aber 3-D wird nur eines unter vielen Merkmalen sein, die einen modernen Fernseher auszeichnen.

Viele Produkte schafften es nicht einmal bis in die Läden

Auf der CES im vergangenen Jahr waren Tablet-PCs von mehr als hundert Marken zu sehen, die alle den Erfolg des iPads nutzen wollten - viele schafften es dann nicht einmal bis in die Läden. Und die, die in den Handel kamen, hatten gegen Apple nichts zu bestellen. Als ernster Herausforderer des iPads zeichnete sich dann gegen Ende des Jahres das Kindle Fire von Amazon ab - aber das hatte mit der CES nichts zu tun.

Teil des Fluchs der CES ist, dass das Unternehmen, das seit Jahren die Trends der Computer- und Unterhaltungselektronikindustrie bestimmt, Apple, gar nicht zur Messe kommt. Das hat nichts mit der CES zu tun, Apple geht grundsätzlich nicht zu Messen. Wenn es etwas Neues gibt, wird es auf einer Pressekonferenz vorgestellt. So hat das Unternehmen alles im Griff.

Der Abschied von Microsoft

Das will jetzt auch Microsoft so machen. Im vergangenen Monat gab der Softwarekonzern bekannt, dass er in diesem Jahr zum letzten Mal zur CES kommt. Das Problem für Microsoft ist offensichtlich. Die neue Version des Betriebssystems Windows wird erst gegen Ende des Jahres erwartet. Auf der CES wird es deshalb bestenfalls frühe Prototypen von Produkten mit Windows 8 geben.

Die Consumer Electronics Association (CEA), die die CES seit 1967 veranstaltet, weist den Gedanken, dass die Messe an Relevanz verliere, aber von sich. «Fast jede Neuerung in der Geschichte unserer Industrie wurde auf der CES vorgestellt», erklärte CEA-Präsident Gary Shapiro. «Bei rund 20'000 Produkten, die auf der Messe vorgestellt werden, können und werden natürlich viele scheitern.»

«Wir sind sehr zufrieden»

Bestätigt sieht er sich auch durch die Besucherzahlen. Die werden nach dem rezessionsbedingten Einbruch 2009 in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge vermutlich wieder steigen und vielleicht schon wieder das Niveau des Rekordjahres 2006 erreichen. Von Bedeutung ist das vor allem, weil zur CES nur Fachbesucher zugelassen sind. Die Konsumenten bleiben bei dieser Consumer Electronics Show aussen vor. «Wir sind sehr zufrieden damit, das wir die wichtigste Technik-Veranstaltung der Welt sind», sagte Shapiro. Und das Fernbleiben von der CES ist schliesslich auch kein Erfolgsgarant.

Erstellt: 10.01.2012, 08:56 Uhr

Neuheiten, die sich bewähren müssen

Windows 8: Das Betriebssystem von Microsoft dürfte zwar eine der wichtigen Neuerungen 2012 werden. Da es aber erst Ende des Jahres auf den Markt kommt, müssen die PC- und Tablet-PC-Hersteller wohl noch lange auf den erhofften Verkaufsschub warten. Gerade auf Tablets scheint Windows 8 viel zu bieten zu haben, aber viele Analysten glauben, dass Microsoft den Markt schon an Apple verloren hat.

Ultrabooks: Das sind eigentlich nur Windows-Versionen des MacBook Air von Apple. Sie sind leichter, schmaler, aber auch teurer als herkömmliche Notebooks.

Kleinere, billigere Tablets:
Geräte für um die 500 Dollar haben es schon im vergangenen Jahr nicht geschafft, dem iPad Konkurrenz zu machen. Viele Hersteller werden es aber weiter probieren, die Gewinnmargen sind allerdings dünn in diesem Bereich.

Smart-TV: Das ist an sich nichts Neues. Es wird sich noch zeigen müssen, ob sich die Steuerung eines mit dem Internet verbundenen Fernsehers über Sprache und Gesten durchsetzen kann. Spekuliert wird auch schon länger, dass Apple an einem Fernseh-Set arbeitet und dass die Sprachsteuerung «Siri» der letzten iPhones nur eine «Trockenübung» für die künftige Fernbedienung der Apple-Fernseher wird. Das Unternehmen selbst hat sich dazu bislang, wie üblich, nicht geäussert. (DAPD)

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