Hintergrund

Der dünnste TV-Star

Noch in diesem Jahr beginnt die Massenproduktion grossformatiger Oled-Fernseher. Die Schweizer Unterhaltungselektronik-Unternehmen stehen bereits in den Startlöchern.

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Die neue Bildschirmtechnik Oled (Organic-Light-Emission-Diode) bietet fast nur Vorteile: Dank organischen Leuchtdioden liefert sie ein besonders kontrast- und detailreiches Bild ab, sie braucht keine stromfressende Hintergrundbeleuchtung und das Display ist so dünn wie eine Folie. Ein Problem ist (oder war) allerdings die geringe Lebensdauer der dünnfilmigen Bauelemente – mit ein Grund, warum die Technik bislang vorwiegend auf kleinen Bildschirmen Einsatz fand.

Produktionsstart im Juli

Die Hindernisse scheinen überwunden: Sieben Jahre nach der Präsentation des ersten Oled-Prototypen durch Samsung zeigte LG Electronics an der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas im vergangenen Januar einen 140-Zentimeter-Fernseher mit Oled-Display, einer Dicke von gerade mal vier Millimetern und einem Gewicht von 7,5 Kilogramm.

Nicht kommuniziert wurde damals, ob das Gerät mit dem sperrigen Namen 55EM9600 massentauglich ist. Diese Unsicherheit hat der südkoreanische Hersteller mittlerweile ausgeräumt: Die Produktion startet im Juli, das an der CES zum besten Fernseher gekürte Gerät soll noch dieses Jahr in den Verkauf kommen. Zum Preis machte LG keine Angaben (gerüchtehalber ist von 8000 Dollar die Rede).

Schweizer Unterhaltungselektronikunternehmen sind bereits in den Startlöchern: «Eine neue Technologie zu produzieren, bedeutet für den Hersteller eine sehr hohe Investition. Jetzt werden jedoch viele Produzenten auf Oled-TV als nächste Technologie setzen. Dann werden die Preise auch markttauglich und die Technologie wird sich durchsetzen», sagt Migros-Mediensprecherin Monika Weibel. Melectronics werde, wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis mit den strategischen Grundsätzen des Unternehmens übereinstimme, diesen TV ins Sortiment aufnehmen.

Bislang kaum bezahlbar...

Bei Interdiscount fiebert man dem Verkaufsstart entgegen: «Oled wird 2012 zu einer der wichtigsten neuen Technologien im TV-Bereich», so Unternehmenssprecherin Andrea Bergmann. Die optischen Vorteile sind für Bergmann offensichtlich: «Die Geräte sind noch dünner, noch leichter und haben ein noch schöneres Design als die bisherigen LED-TV. Hinzu kämen technische Komponenten mit noch besserer Bildqualität dank tiefen Schwarzwertkontrasten, welche bisher nur Plasma-Geräte hätten bieten können.»

Dass sich Oled-TV bisher im Grossabsatz nicht durchgesetzt haben, ist laut den von Tagesanzeiger.ch/Newsnet befragten Experten vor allem im Verkaufspreis begründet: So habe bis etwa vor einem Jahr ein Oled-Fernseher mit einer bescheidenen 38-Zentimeter-Bilddiagonalen noch mit mehreren Tausend Franken zu Buche geschlagen, hört man bei Interdiscount. Migros-Frau Monika Weibel sagt: «Sony hat ein Modell auf dem Markt, das momentan für den Durchschnittskonsumenten kaum bezahlbar ist.»

...aber die Preise werden sinken

Auch die ersten grösseren Oled-TV dürften im oberen Preissegment angesiedelt sein: Séverine de Rougemont, Sprecherin von Mediamarkt, ist überzeugt, dass diese Technik «selbstverständlich zum Start teurer sein wird». Dies aufgrund der «vielen Vorteile und Investitionskosten». Allerdings sei zu erwarten, dass die ersten Geräte Ende 2012 auf den Markt kommen und mit zunehmender Produktionsmenge dann erschwinglich sein werden. Bei Melectronics gibt man sich diesbezüglich bescheiden: «Die hohen Preise werden den Oled-TV zum Verkaufsstart zu keinem Produkt für den Massenmarkt machen, früher oder später werden die Preise jedoch sinken», ist Monika Weibel überzeugt.

Erstellt: 10.02.2012, 10:13 Uhr

Preise bleiben hoch

Das Marktforschungsunternehmen IHS iSuppli geht davon aus, dass dieses Jahr nur gerade 34'0000 Oled-Fernseher verkauft werden.

Bis 2015 sollen aber bereits 2,1 Millionen Geräte über den Ladentisch gegangen sein. Hauptvoraussetzung dafür, LCD-TV nachhaltig zu konkurrenzieren, ist für IHS iSuppli eine deutliche Preisreduktion. Ein Oled-TV dürfe höchstens 20 Prozent mehr kosten als ein LCD-Gerät.

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