Der elfte Finger

Tablets wie das iPad sind für unsere zehn Finger gemacht. Doch für gewisse Aufgaben erweist sich ein Stift, ein sogenannter Stylus, als nützliche Ergänzung. Wir haben drei populäre Modelle ausprobiert.

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Der radikalste und markanteste Unterschied heutiger Tablets gegenüber ihrer gescheiterten Vorgänger, den Tablet-PC, besteht darin, dass iPad & Co. voll auf die Bedienung per Finger setzen. Der Eingabestift, auch Stylus genannt, gilt mittlerweile als Relikt aus den 90ern, als der Palm Pilot noch der letzte Schrei war. Ob Amazons Kindle Fire, Microsofts Surface oder Googles Nexus 7 – sie alle verzichten auf einen Stylus.

Tablets sind für die Bedienung mit den Fingern gemacht, alle Bedienelemente reagieren auf Tippen und Wischbewegungen mit einem oder mehreren Fingern. Texte gibt man mit der virtuellen Tastatur ein (oder kann sie neuerdings auch diktieren). Damit lassen sich die allermeisten Aufgaben genügend gut bewältigen. Die Welt, so scheint es, braucht den Stylus nicht mehr.

Texte mit Skizzen, Pfeilen und Symbolen ergänzen

Doch wer schon einmal probiert hat, mit den Fingern eine Skizze zu erstellen oder gar eine Zeichnung anzufertigen, der merkt rasch, wie klobig, unpräzis und plump unsere Finger sein können. Das mag für spielerische Anwendungen wie Draw Something durchaus zur Unterhaltsamkeit beitragen, doch wer ernsthaft mit dem Tablet zeichnen möchte, kommt um den elften Finger nicht herum.

Selbst für Text macht die Eingabe per Stift in gewissen Situationen durchaus Sinn. Kein Argument für den Stift ist das Tempo: Wir tippen am schnellsten mit einer physischen Tastatur, etwa 60 Worte pro Minute, und selbst mit der virtuellen Tastatur schaffen geübte Schreiber noch rund 45 Wörter im selben Zeitraum. Wer Notizen mit einem Stylus auf dem Tablet erfasst, schafft lediglich 30. Dennoch ist es für uns einfacher, Notizen handschriftlich zu erfassen. Text lässt sich dabei einfach mit Skizzen, Pfeilen oder Symbolen kombinieren. Stichwortartige, unfertige Ideen oder spontane Gedanken bringt man so besser aufs Tablet als mit der Tastatur. Diese eignet sich wiederum besser, wenn es darum geht, sauber ausformulierte Gedanken, ganze Sätze und längere Texte zu verfassen.

Kuli und Stylus in einem

Der Eingabestift hat also durchaus noch seine Daseinsberechtigung, wenn auch als Nischenprodukt. Immerhin buhlen diverse Hersteller um die Gunst jener Tablet-Nutzer, die dafür Verwendung finden. Wir haben uns drei davon näher angeschaut.

Zunächst den Stylus & Pen von Belkin, den es für 26.90 Franken bei Thali gibt. Er ist gleichzeitig Stylus und Kugelschreiber, beherrscht also Papier-Notizblock und Tablet-Bildschirm. Der Belkin-Stylus mit einer 8-Millimeter-Gummispitze erfüllt seinen Zweck gut. Um damit zu schreiben oder zu zeichnen, muss man mittelfest drücken. Die Reibung auf dem Tablet-Display spürt man kaum (je höher diese ist, desto anstrengender wird das Arbeiten mit dem Stift).

Synthetikfaser-Pinsel irritiert für Notizen

Der Stylus & Ballpoint Pen von Trust (8 mm Gummispitze, 19.95 Franken im Fachhandel) ist ebenfalls Kugelschreiber und Stylus in einem, er gefällt aber noch besser, denn er ist kleiner, leichter und kommt mit noch weniger Druck und Widerstand aus. Der persönliche Favorit des Autors.

Noch kleiner und leichter ist der Premium Stylus von i.Sound (19.95 Franken im Fachhandel), der kein Kuli ist. Er hat statt einer Gummispitze einen Synthetikfaser-Pinsel, was vielleicht Tablet-Malern gefallen mag, für Notizen jedoch irritiert. Dafür punktet er mit einem integrierten SIM-Tray-Stift, mit dem man beim iPhone oder iPad die SIM-Karte herausnehmen kann (das dafür nötige Werkzeug hat man erfahrungsgemäss selten gleich zur Hand).

Die Apps machen es aus

Wie viel man mit einem Stylus auf dem iPad anstellen kann, hängt zu einem grossen Teil von den Apps ab, mit denen man ihn verwendet. Es gibt sowohl für handschriftliche Notizen wie auch für Skizzen, Zeichnungen und Bilder eine Vielzahl von Apps. Wir haben uns davon einige fürs iPad angeschaut.

  • Zu Recht einen guten Ruf als Notizblock-App geniesst Penultimate (1 Franken). Der digitale Notizblock ist intuitiv zu bedienen, der Stylus schreibt, radiert oder wählt aus, was kopiert werden soll. Man kann Fotos einfügen (und darauf schreiben oder malen) und die Notizen per E-Mail versenden oder in Evernote speichern.
  • Mit der App SketchPadHD (1 Franken) kann man Texte sowohl per Stift wie auch mit der virtuellen Tastatur eingeben. Leider bockt der Zeichungsmodus (statt runden Kurven entstehen eckige Zickzacklinien) immer mal wieder.
  • Schwergewichtig zum Skizzieren und Zeichnen ist die App SketchBook MobileX (gratis) gedacht. Sie unterstützt Ebenen, kann Fotos integrieren und exportiert die fertigen Zeichnungen ins Fotoalbum.
  • Die App 7notesHD (9 Franken) kann von Hand eingegebene Texte erkennen und in maschinelle Text umwandeln. Das funktioniert ordentlich, wenn auch langsam, aber leider ausschliesslich auf Englisch. Und die Benutzeroberfläche dürfte bei dem Preis etwas ansprechender daherkommen.
  • Eine sehr schön gemachte App ist Paper (gratis, Vollversion 7 Franken), die sich vor allem an Freihandzeichner wendet. Die Vollversion bietet unterschiedliche Zeichenwerkzeuge (Pinsel, Kugelschreiber, Farbstift etc.). Hinter Paper steckt übrigens ein Team, das früher bei Microsoft gearbeitet hat, dort aber mit ihren Tablet-Ideen nicht auf Wohlwollen gestossen ist.
  • Eine ausgewachsene App für Maler ist Brushes (8 Franken). Der Illustrator des US-Magazins «New Yorker», Jorge Colombo, erstellt damit sogar Titelbilder. Auf www.flickr.com/groups/brushes gibt es weitere eindrückliche Werke zahlreicher Brushes-Maler zu bestaunen.
  • Fotos dienen in der App Artist’s touch (5 Franken) als Ausgangsmaterial für kreatives Schaffen. Damit, so verspricht der Hersteller, können auch weniger begabte Hobbykünstler rasch und einfach präsentable Resultate erzielen.
  • Und zuletzt noch eine App für Vektorgrafiken. Sie heisst iDraw (9 Franken). Damit kann man beispielsweise einen Plan seiner Wohnung oder schematische Grafiken am iPad erstellen. Von iDraw gibt es auch ein Pendant für OS X (25 Franken), die Grafiken lassen sich austauschen und auf beiden Plattformen bearbeiten.

Erstellt: 10.07.2012, 16:40 Uhr

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