Porträt

Der rastlose Internet-Oldie

Als Kind mistete er Ställe aus, als Jugendlicher bediente er den Grill bei McDonald's und als Erwachsener revolutionierte er den Internethandel: Jeff Bezos. Nun will der Multimilliardär dem iPhone Konkurrenz machen.

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Amazon, der weltgrösste Onlinehändler, geniesst derzeit so viel Aufmerksamkeit wie nie – obwohl er keine News zu präsentieren hat. Vom «Wall Street Journal» über Bloomberg bis «Cnet», alle schreiben sie über eine neue Hardware aus Seattle, welche noch dieses Jahr auf den Markt kommen soll. Die Rede ist vom Amazon-Smartphone.

Die Anfänge des Internets

Glaubt man den Quellen dieser Medien, wird nach E-Reader (Kindle) und Tablet (Kindle Fire) das Multimedia-Mobile die dritte Hardware des Unternehmens sein, welches 1994 von einem Bücherwurm aus bescheidenen Verhältnissen gegründet wurde (Details zu seiner Biografie finden Sie in der Bildstrecke).

Das Wagnis des damals 30-jährigen Jeff Bezos, geboren in Albuquerque im Süden der USA, mit online verkauften Büchern seinen Lebensunterhalt verdienen zu wollen, war überaus riskant. Für das Internet interessierten sich Mitte der 90er-Jahre nur Nerds und Beispiele für gescheiterte Start-ups im Onlinebusiness gab es zur Genüge.

Die Eltern als erste Kreditgeber

Obwohl von Natur aus mit einem gesunden Selbstvertrauen ausgestattet, war sich Bezos der Gefahren durchaus bewusst. Der junge Unternehmer selber war es, der seine ersten Kreditgeber – seine Eltern – gewarnt hatte, dass das geliehene Geld wahrscheinlich für immer verloren wäre. Die Bedenken waren unbegründet: Amazon schaffte innert kürzester Zeit den Sprung vom Garagenunternehmen zum ernst zu nehmenden Player im Büchergeschäft: Nach 30 Tagen lieferte der Onlineshop in alle Regionen der USA, nach drei Jahren hatte Amazon Kunden in 160 Ländern. Der Rest ist bekannt: Amazon entwickelte sich mit einem Umsatz von 48 Milliarden Dollar (2011) zum weltgrössten Buch-, CD- und Videoverkäufer und machte seinen Gründer zum Multimilliardär.

Dabei spielt der Konzern längst auf mehreren Hochzeiten, im 21. Jahrhundert hat er den Sprung vom Onlinehändler zum Anbieter von Filmen und Musik entwickelt. Diese Inhalte will er auf eigener Hardware liefern, darum die Entwicklung des E-Readers Kindle und des Tablets Kindle Fire. Die Lancierung eines Smartphones wäre somit nur die konsequente Weiterentwicklung auf dem Weg zum ernst zu nehmenden Apple-Rivalen.

Mini-iPad wegen Kindle Fire?

Dass Apple wohl in naher Zukunft ein abgespecktes iPad verkaufen will (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete), ist kein Zufall. Denn es ist das Budget-Tablet (199 Dollar) Kindle Fire, welches sich 2011 in den USA am besten neben dem Platzhirsch iPad behaupten konnte.

Die Einzelhändler, insbesondere die Buchhandlungen, die sich bitterlich über Amazons Dominanz beschweren, dürfen dennoch nicht auf eine Verzettelung der Kräfte bei Amazon hoffen. Im Gegenteil. Laut «Slate» investiert Bezos' Unternehmen Millionen in die Verkürzung der Lieferzeiten. Ziel des Versandhändlers sei es, künftig die Ware noch am Tag der Bestellung auszuliefern.

Jetzt nimmt man ihn ernst

Bezos wurde belächelt, als er sich in den 90er-Jahren des Versandhandels annahm, er wurde belächelt, als er 2011 den Kindle Fire zeigte. Es ist nicht anzunehmen, dass die Konkurrenz einen solchen Fehler wiederholt. Ob sie nun iPhone und iPads herstellt oder Bücher verkauft.

Erstellt: 13.07.2012, 12:04 Uhr

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