Die Radiozukunft gehört den Hybridgeräten

Ab 17. Oktober werden die digitalen Radioprogramme nur noch in DAB+ ausgestrahlt. Auch relativ neue Geräte sind dann bereits veraltet.

Moderne Digitaltechnik versteckt sich mitunter auch im Retro-Design.

Moderne Digitaltechnik versteckt sich mitunter auch im Retro-Design. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Digitalradio nach dem DAB-Standard erlebte 1995 seine Premiere. In Norwegen verbreitete NRK Klassisk das erste Programm mit der neuen Technik, die gegenüber UKW eine bessere Tonqualität und weniger Störungen verspricht. Nebst Skandinavien, Grossbritannien und Deutschland gehörte auch die Schweiz zu den Pionieren. 1999 sendete die SRG erstmals digitale Programme. Bei der Einführung des verbesserten Standards DAB+ war die Schweiz 2009 sogar das erste Land weltweit, das den Regelbetrieb einführte.

Während Länder wie Kanada, Portugal oder Griechenland noch in der analogen Ära stecken, ist die Schweiz dabei, das Netz der ersten Generation einzumotten. Ab 17. Oktober werden (abgesehen von DRS 1, DRS 4 und Musikwelle) keine Programme mehr nach dem DAB-Standard ausgestrahlt. Da noch bis 2008 Geräte verkauft wurden, die den nun gültigen, verbesserten Standard DAB+ nicht unterstützen, werden einige Hörer von DRS 3, Virus, Radio Swiss Classic oder Swiss Jazz ab dann nur noch Stille empfangen. Betroffen sind maximal 80'000 Geräte. Das wären rund 8 Prozent von einer Million Digitalradios in der Schweiz, schätzt Branchenexpertin Béatrice Merlach. Sie ist Geschäftsführerin von MCDT, einer Tochter der SRG, die sich für digitale Übertragungstechnologien einsetzt.

Alte DAB-Radios ersetzen

Führt DAB+ dazu, dass ältere, aber bestens funktionierende Geräte weggeworfen werden müssen? Über den Line-in-Eingang könnte man sie mit einem DAB+-Adapter (ca. 120 Franken im Fachhandel) weiterbetreiben. Für manche Autoradios sind DAB+-Nachrüstsätze erhältlich. Bei der günstigen und mittleren Preisklasse läuft es jedoch auf einen Austausch hinaus: Händler und Hersteller bieten noch bis Ende 2012 Eintausch­aktionen an (Angebote gibt es auf www.digitalradio.ch). Falls bei einem DAB+-fähigen Radio nach dem 17. Oktober ein Programm nicht empfangen wird, lässt sich dieses Problem mit einem Sendersuchlauf lösen.

DAB+ kann, im Gegensatz zum Vorgängerstandard, auch ausführliche Textinformationen und Farbbilder übermitteln. Béatrice Merlach empfiehlt daher ein Modell mit grossem Farbdisplay, bei dem die Bilder zur Geltung kommen. Sinnvoll ist auch WLAN – denn laut Béa­trice Merlach gehört die Zukunft den ­Hybridgeräten: «Der Radioempfang der Zukunft wird sich auf viele verschiedene Verbreitungsarten verteilen: UKW bzw. DAB+, Kabel, Internet und Satellit.»

Die Sensia-Modelle von Pure sind für DAB+, UKW und Internet gleichermassen gerüstet. Die Geräte geben auch Podcasts wieder, gewähren Zugriff auf die Musiksammlung auf dem Computer und zeigen über Apps auch Facebook-Status-Updates und Fotos von Picasa an. Geräte mit DAB+ und Internetanbindung gibt es auch von Medion, Revo oder Roberts – eine grosse Auswahl findet sich auf www.digiradio.ch.

Der grösste Hemmschuh bei der Verbreitung des digitalen Radios ist im Moment das Auto. Neuwagen werden nach wie vor nicht serienmässig mit Digitalradios ausgestattet, obwohl DAB gerade unterwegs Vorteile hätte, weil der Frequenzwechsel entfällt.

UKW ist noch nicht überflüssig

Ein weiteres Problem ist das Programmangebot. Digital werden zwar einige Programme verbreitet, die es im UKW-Äther nicht gibt – beispielsweise private Spartenprogramme wie «Top Two», «Swiss Mountain Holiday Radio» oder der christliche Sender «Life Channel». Die Regionalprogramme der SRG sind bislang nicht digital zu empfangen, ebenso wenig die alternativen Unikom-Radios, namentlich Lora in Zürich, Stadt­filter in Winterthur oder Rabe in Bern.

Im April 2012 hat das Bakom ein weiteres DAB+-Sendenetz für die Deutschschweiz bewilligt und den weiteren Ausbau für die SRG und Private ermöglicht, sodass die Regionaljournale künftig auch digital empfangbar sind. Die alternativen Sender gibt es bis auf weiteres nur auf UKW. Der Ausstieg aus dem analogen Rundfunk ist auf Jahre hinaus nicht spruchreif. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.09.2012, 07:22 Uhr

Artikel zum Thema

SRG darf keine Werbung im Internet verkaufen

Entscheidung im Online-Streit: Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR muss auch künftig auf Werbung im Internet verzichten. Dies hat der Bundesrat entschieden. Mehr...

«Nichts anderes als eine neue Mediensteuer»

Bald soll jeder Haushalt in der Schweiz für Radio- und Fernsehgebühren 400 Franken bezahlen – auch wer kein TV-Gerät besitzt. So will es der Bundesrat. Wie kommt der Vorschlag bei Parteien und Verbänden an? Mehr...

Die kleinen Tech-Revolutionen

In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Art, wie wir mit Technik umgehen, radikal verändert. Doch das ist erst der Anfang. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Schöner Lärm: Ein Flugzeug fliegt in der Nähe von Pfaffhausen vor dem Supermond durch. (20. Februar 2019)
(Bild: Leserbild: Peter Schwager aus Fällanden) Mehr...