Die Unruhe vor dem Sturm

In Berlin hat die Heimelektronikbranche ihre Neuheiten und Trends präsentiert. Im Zentrum der Aufmerksamkeit standen Smartwatches und Fitness-Armbänder.

Das Modell, mit dem LG auf einen Erfolg im Smartwatch-Rennen hofft: Die G Watch R. Foto: Rainer Reuters (EPA, Keystone)

Das Modell, mit dem LG auf einen Erfolg im Smartwatch-Rennen hofft: Die G Watch R. Foto: Rainer Reuters (EPA, Keystone)

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Am meisten zu reden gaben an der diesjährigen Funkausstellung in Berlin (IFA) die Abwesenden. Messebesuchern, Händlern, Journalisten und Herstellern ist nicht entgangen, dass Apple morgen seinen Computer fürs Handgelenk und weitere Neuheiten vorstellen wird, dass Microsoft Ende Monat das neue Windows zeigen könnte und dass Googles neuste Android-Software noch diesen Herbst kommt. Ein undankbares Timing. Egal was man als Hersteller mit viel Pomp ankündigt, es kann schon über Nacht zum alten Eisen gehören. Besonders hoch ist dieses Risiko bei den smarten Armbändern, die es in Berlin an nahezu jedem Stand zu sehen gab. Weit und breit ist kein dominantes Design in Sicht. Alle Hersteller experimentieren. Mit unterschiedlichsten Designs und Ideen buhlen sie um Kunden und Aufmerksamkeit.

Zeiger oder Bildschirm?

Samsung hat mit der Gear S eine Smartwatch vorgestellt, die aussieht, als hätte man ein gebogenes Smartphone ans Handgelenk geschnallt. Tatsächlich funktioniert der Handgelenkcomputer dank eigener SIM-Karte auch ohne ein verbundenes Handy. Die sperrige Grös­se des Geräts dürfte einem Erfolg aber im Wege stehen. Ebenfalls nicht klein ist die neue Smartwatch von LG. Die sieht auf den ersten Blick wie eine Taucheruhr für Männer aus. Statt eines Ziffernblatts besitzt sie einen runden Touch-Bildschirm. Der LG-Manager verkündete bei der Präsentation stolz: «Sie werden sich nicht fragen: ‹Will ich diese Uhr?› Sie werden sich nur fragen, welches Lederarmband will ich dazu?» Tatsächlich wirkt die Uhr verglichen mit anderen, die an Digitaluhren aus den 90er-Jahren erinnern, relativ tragbar.

Bevor man sich aber Gedanken über einen Kauf machen kann, sollte man allerdings wissen, was die Modelle kosten werden. Doch das verraten weder LG noch Samsung. Nicht zuletzt, weil sie abwarten wollen, für welche Preiskategorie sich Apple entschieden hat.

Pulssensoren und Barometer

Nebst diesen zwei wohl meistbeachteten Smartwatches gab es zahlreiche weitere. Besonders interessant war dabei die bereits im Sommer vorgestellte Uhr der französischen Firma Withings. Die wirkt auf den ersten Blick wie eine elegante und diskrete Armbanduhr mit mechanischen Zeigern. Dass die Uhr einen Bewegungssensor hat, der Schritte zählt, sieht man ihr nicht an. Ein zusätzlicher Zeiger verrät, ob man schon so viele Schritte gemacht hat, wie man sich vorgenommen hat. Wer mehr wissen will, muss sein Smartphone zücken. Per App finden sich dort die gesammelten Daten. Einen eigenen Knopf oder Touchscreen hat die Uhr nicht.

Wenn man sich alle Uhren anschaut, bleiben die Unterschiede zum Vorjahr trotz aller Experimente gering. Neu haben verschiedene Modelle Pulssensoren und Barometer. Ebenfalls neu sind die Betriebssysteme. Zum einen gibt es Googles Android-Wear-Platform, zum anderen die Tizen-Software von Samsung. Einen wirklich ausgereiften Eindruck machen die Uhren aber immer noch nicht. Bei den einfacheren Fitness-Armbändern ändert sich dagegen wenigstens beim Äusseren kaum etwas. Sony etwa hat zwar eine neue Version seines Armbandes mit einem E-Ink-Bildschirm vorgestellt, wie man ihn von E-Readern kennt. Interessanter als der Bildschirm ist aber das eingebaute Barometer. Gerade für Wanderer dürften die neuen Höhenmesser in solchen Armbändern interessant sein, machte es doch bis jetzt keinen Unterschied, ob man quer durch Zürich oder auf den Uetliberg lief. Schritt war Schritt.

Gibt Design den Ausschlag?

Es wird sich zeigen, ob längerfristig komplexere Uhren mit Bildschirm und Fitnessarmbänder zu einer Kategorie verschmelzen oder sich weiter auseinander entwickeln. Einen nächsten Anhaltspunkt wird morgen zweifellos Apple liefern. Vorausgesetzt, es gelingt dem Konzern erneut, ein dominantes Design zu präsentieren. Beim iPhone und beim iPad war das ja bekanntlich der Fall.

Anders als bei den Uhren, wo Apple die Gelegenheit hat, ein dominantes Design vorzulegen, wird der Konzern morgen wohl mit grösseren iPhones mit der Konkurrenz gleichziehen wollen. Einfach dürfte das aber nicht werden. Nun, da sich Hersteller kaum noch mit besserer Technologie voneinander absetzen können, rücken Design und Material in den Fokus. So hat man in Berlin deutlich mehr hochwertige Geräte gesehen. Selbst Samsung, das bisher auf Plastik mit Metall- und Lederoptik gesetzt hat, stellte erste Geräte mit Metallrahmen vor. Auch wenn es aus Stabilitätsgründen nicht nötig wäre – einen edlen Eindruck macht das alleweil. Man darf gespannt sein, wie gut sich diese Telefone gegen die baldige Apple-Konkurrenz behaupten werden, wenn ein grös­serer Bildschirm kein Alleinstellungsmerkmal mehr sein wird. Fest steht: Mit dem Galaxy Alpha von Samsung und dem Z3 Compact von Sony wurden in Berlin zwei valable Alternativen im bei Schweizern gefragten Premiumbereich vorgeführt.

Gekrümmte Bildschirme

Nebst smarten Uhren und Telefonen gab es an der IFA auch eine ganze Palette an Haushaltsgeräten und Fernsehern zu sehen. Bei den TV-Geräten scheinen sich die gekrümmten Bildschirme zu etablieren. Selbst Hersteller, die letztes Jahr noch nichts davon wissen wollten, zeigen nun solche Modelle. Bei den Haushaltsgeräten geht die Versmartung weiter. Man darf nicht vergessen, dass LG wie auch Samsung nebst Telefonen und Fernsehern auch Kühlschränke und Waschmaschinen bauen. Bis diese smarten Haushaltsgeräte allerdings im Alltag Einzug halten, wird es noch ein paar Jahre dauern. In diesem trägeren Segment brauchen sich die Hersteller dafür kaum Sorgen zu machen, dass ihnen über Nacht ein Konkurrent den Wind aus den Segeln nimmt.

Unabhängig davon, ob gekrümmte oder flache Fernseher: Ohne 4K oder UHD, wie der neue Standard auch genannt wird, scheint nichts mehr zu gehen. Auch wenn Filme oder Fernseh­programme im hochauflösenden Format immer noch rar sind, die Geräte stehen an fast jedem Messestand und sind in fast jeder Grösse erhältlich.

Erstellt: 08.09.2014, 06:53 Uhr

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